Die Heilsarmee in Liberia im Kampf gegen Ebola

Ein Verteilzentrum der Heilsarmee in der Hauptstadt Monrovia
Ein Verteilzentrum der Heilsarmee in der Hauptstadt Monrovia

Major Samuel Amponsah, Generalsekretär der Heilsarmee in Liberia, beantwortete Ende des vergangenen Jahres Fragen über den Einsatz der Heilsarmee im Kampf gegen die Ebola-Krankheit.

Schildern Sie bitte die Situation in Liberia während der letzten Monate.

Im März brach Ebola aus. Das war das erste Mal bei uns, und viele ergriffen überhaupt keine Schutzmaßnahmen, weil sie dachten, die Sache würde schnell vorübergehen. Aber der Virus verseuchte ganz Liberia und auch die Nachbarländer Sierra Leone und Guinea. Als die Krankheit dann die größeren Städte erreichte, forderten die Behörden die Bevölkerung auf, ihren Wohnbezirk möglichst nicht zu verlassen. Doch da war es bereits zu spät, und es starben viele Menschen. Da ergriffen wir mit Unterstützung des Internationalen Hauptquartiers Maßnahmen. Wir verteilten Desinfektions- und Putzmittel und versorgten Personen, die in Kliniken arbeiten, mit Schutzanzügen.

Welchen Schwierigkeiten begegnet die Heilsarmee bei ihrem Kampf gegen die Seuche?

Die Heilsarmee geht in viele betroffene Ortschaften, um Nahrungsmittel zu verteilen. Aber das Team muss allzu engen Kontakt mit der örtlichen Bevölkerung vermeiden. Die Mitarbeiter haben die Anweisung, die Hilfsgüter an der Eingangstür abzustellen und die Bewohner durch Rufen aus weitem Abstand zu informieren.

Was sind die Stärken der Heilsarmee?

Wir haben ein gut ausgebildetes Team im Einsatz. Zwei Offiziere haben ein besonderes Seminar in Katastrophenhilfe (Disaster Preparedness) absolviert. Wir erhalten koordinierte Unterstützung vom Internationalen Hauptquartier. Das meiste Material, das zum Einsatz kommt, ist vor Ort erhältlich. Aber die Not ist riesengroß, und unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Wie zu erwarten, sind die Preise gestiegen und haben sich fast verdoppelt. Und wegen der Epidemie ist es recht schwierig, Lebensmittel zu importieren; die Fluggesellschaften haben ihre Dienste stark gekürzt.

Die Regierung in Liberia hat gewisse Beschränkungen verhängt. Wurden dadurch die Gottesdienste und Versammlungen beeinträchtigt?

Außer den Schulen wurden auch einige Büros der Behörden geschlossen. Alle öffentlichen Räume, in denen sich Menschen versammelten, wurden geschlossen. Die Geschäfte sind mit Einschränkungen geöffnet. Kirchliche Gottesdienste finden statt, aber man gibt sich bei der Begrüßung nicht mehr die Hand. Am Eingang stehen Eimer mit stark chlorhaltigem Wasser zum Händewaschen. Der Versammlungsbesuch ist zurückgegangen, aber wir sind dankbar, dass wir uns begegnen und gegenseitig ermutigen können.

Können Sie vom Schicksal einzelner Personen berichten?

Der Korpssergeantmajor in Monrovia ist an Ebola gestorben. Er war Rektor der William-Booth-Oberschule und ein hervorragender Leiter. Seine Frau, seine Mutter und seine Kinder wurden für 21 Tage unter Quarantäne gestellt. In einem Bezirk, in dem die Heilsarmee arbeitet, lebt eine Frau, deren Ehemann, der Ernährer der Familie, gestorben ist. Sie ist Lehrerin; aber da die Schulen geschlossen sind, werden die Lehrer auch nicht bezahlt.

Wie viele Salutisten und ihre Familien haben sich mit Ebola angesteckt?

Das kann ich nicht genau sagen. Es ist schwierig, genaue Informationen zu erhalten. Doch wir machen uns immer Sorgen, wenn Leute uns am Hauptquartier aufsuchen. Man weiß nie, wo sie vorher waren und ob ein mit Ebola Infizierter sie berührt hat.

Wie hat die Seuche die Angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Heilsarmee betroffen?

Die Lehrer an unseren 15 Schulen haben ihre Schüler in Gesundheitserziehung unterrichtet. Die Schulen sind allerdings jetzt geschlossen. Wegen der Schließung haben die Lehrer seit August kein Gehalt mehr bekommen. Unsere Klinik wurde auch geschlossen. Auch diese Mitarbeiter haben kein Gehalt bekommen. Salutisten und andere ehrenamtliche Mitarbeiter setzen ihr Leben aufs Spiel, indem sie in infizierte Ortschaften gehen, um den Bewohnern Hilfe zu leisten.

Wie wird die Rolle der Heilsarmee in der Zukunft aussehen?

Es gibt eine große Zahl von „Ebola-Waisen“. Niemand kümmert sich um sie, und sie haben große Angst. Diese Kinder müssen eine Schule besuchen und brauchen einen geordneten Alltag. Wir werden entsprechende Maßnahmen organisieren, wenn die Seuche eingedämmt ist. Die Heilsarmee verteilt weiterhin Lebensmittel und Desinfektionsmittel. Sie hofft, die örtlichen Kliniken mit Antibiotika versorgen zu können. Wir nehmen auch an Beratungen der Vereinten Nationen teil, wo wir besprechen, welche Bezirke unsere Hilfe am dringlichsten brauchen.

Wie können Heilssoldaten in anderen Ländern für Liberia beten?

  • Beten Sie darum, dass sich nicht mehr Menschen mit Ebola infizieren.
  • Beten Sie, dass sich die Einstellung unserer Landbevölkerung ändert, sodass sie die Gefahr der Krankheit erkennen und die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.
  • Beten Sie für die von der Krankheit Befallenen, dass der Herr sie heilen möge. Beten Sie für unsere Freunde und Partner.
  • Beten Sie für die Waisen und die vielen Familien, die einen Angehörigen verloren haben.
  • Beten Sie für unsere Freunde und Partner.
  • Beten Sie für unser Hauptquartier und um Bewahrung inmitten der Katastrophe.

Interview: Linda Leigh vom Territorium Kanada und Bermuda

Die Heilsarmee in Deutschland bittet weiter um Spenden zur Unterstützung dieser Maßnahmen auf das Konto Nummer:

IBAN: DE40 3702 0500 0004 0777 77
BIC:
BFSWDE33XXX
Stichwort:
Westafrika/Ebola

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