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Die Geschichte der Heilsarmee

 


William Booth, der Gründer der Heilsarmee

Catherine Booth, die "Heilsarmeemutter"


Der Gründer der Heilsarmee, William Booth, wurde am 10. April 1829 in Nottingham (Mittelengland) geboren. Aus dem tiefen Verlangen heraus, Gott zu dienen, nahm er im Alter von 15 Jahren Jesus Christus als Herrn seines Lebens an. Die Bibel wurde zum Maßstab seines Alltags und prägte sein ganzes Leben.

Schon in seiner Kindheit mit Armut konfrontiert, erschütterte William Booth immer mehr die soziale und geistliche Not seiner Mitmenschen, besonders in den Ostlondoner Slums. Da die zu den Randgruppen der Gesellschaft gehörenden Menschen nicht in die Kirche kamen, erkannte Booth sehr früh: Die Kirche muss zu den Leuten gehen!

Unter viel Spott, Gelächter und Unverständnis der "Frommen" fing er an, auf den Straßen Ostlondons zu evangelisieren. Zu jener Zeit war er Methodistenpastor und ein "feuriger" Evangelist. Heftige Ablehnung vonseiten bestehender christlicher Kirchen verhinderte, dass sich die "Neubekehrten" bei ihnen integrieren konnten. Unterstützt von seiner Frau Catherine rief Booth daher 1865 die "Ostlondoner Christliche Erweckungsgesellschaft" (ab 1870 "Christliche Mission") ins Leben. Zu diesem Zeitpunkt waren schon viele Mitarbeiter hinzugekommen. Die Versammlungen (Gottesdienste) wurden vor verrufenen Kneipen, auf Plätzen, Straßen und in Gassen abgehalten.

Da eine straff organisierte Bewegung ihre Arbeit effektiver durchführen konnte, nahm die Missionsbewegung nach und nach militärische Züge an. Eines Tages kündigte ein Plakat die "Hallejuja-Armee" mit ihrem "General" an. 1878 erhielt sie den Namen "Die Heilsarmee". Die Gemeindestationen nannte man nun "Korps", die hauptamtlichen Mitarbeiter "Offiziere" und die Mitglieder "Soldaten". Die Fahne und die Uniform wurden eingeführt.

Das erklärte Ziel der Heilsarmee war, "um jeden Preis die Bevölkerung der Londoner Elendsquartiere zu retten, die in einem Meer von Ausschweifungen, Trunksucht und Laster unterzugehen drohte". Das gefiel vielen Kneipen- und Bordellwirten nicht. Die Heilssoldaten wurden massiv angegriffen und oft verletzt, drei sogar getötet. Erst als gegen Ende der 1880er-Jahre die Heilsarmee in der Öffentlichkeit mehr und mehr anerkannt wurde, hörten die Verfolgungen allmählich auf.

Zu jener Zeit wurde in den Satzungen der Heilsarmee unter anderem festgelegt, was sich seit der ersten Predigt von Catherine Booth im Jahr 1860 mehr und mehr durchgesetzt hatte: die Gleichberechtigung der Frau in allen Ämtern und Führungspositionen.

Die Bewegung breitete sich rasch über die ganze Welt aus. Als William Booth im Jahr 1912 in die Ewigkeit abberufen wurde und sein Sohn Bramwell General wurde, arbeitete die Heilsarmee bereits in 58 Ländern der Erde; inzwischen ist sie in 121 Ländern tätig.
 

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In seiner letzten öffentlichen Rede in der Royal Albert Hall in London im Jahre 1912 sagte William Booth:

"Solange Frauen weinen, wie sie es jetzt tun -
will ich kämpfen;
solange Kinder Hunger leiden müssen,
wie sie es jetzt tun -
will ich kämpfen;
solange Menschen ins Gefängnis müssen,
rein und raus, rein und raus -
will ich kämpfen;
solange es Mädchen gibt,
die auf der Straße unter die Räder geraten,
solange es eine Seele gibt,
in der das Licht Gottes noch nicht scheint -
will ich kämpfen.
Ich kämpfe bis zum letzten Atemzug!"



Die Heilsarmee in Deutschland

1886 begann Fritz Schaaff in Stuttgart mit der Pionierarbeit der Heilsarmee in Deutschland. Nach anfänglichen Schwierigkeiten breitete sich die Armee bald aus. Im Jahre 1894 arbeiteten bereits 84 Heilsarmeeoffiziere in 24 Korps (Gemeinden) und am Nationalen Hauptquartier (Hauptverwaltung) in Stuttgart.

Mit der Eröffnung des ersten Mädchenheims in Berlin am 19. November 1897 begann offiziell die soziale Tätigkeit der Heilsarmee in Deutschland, die sich anschließend im ganzen Land ausbreitete. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Heilssoldaten eine bekannte Erscheinung im Straßenbild der Großstädte.

In der Zeit des Nationalsozialismus war die Tätigkeit der Heilsarmee von 1940 bis 1945 vielerorts ohne Angabe von Gründen in der Öffentlichkeit untersagt. In der ehemaligen DDR durften nach dem Mauerbau 1961 keine Versammlungen mehr durchgeführt werden.

1961 wurde das Nationale Hauptquartier von Berlin nach Köln verlegt. Nachdem im März 1990 die Heilsarmee in der ehemaligen DDR wieder zugelassen wurde, konnte die damalige Generalin Eva Burrows am 16. Juni des gleichen Jahres in Leipzig das erste Korps eröffnen.