Standorte

 
online spenden Katastrophenhilfe der Heilsarmee. Aktuell: Pakistan Stellenangebote Ferienzentrum Seehof Die Heilsarmee in Litauen Die Heilsarmee in Polen

Die Heilsarmee in Litauen

Berichte aus dem Jahr 2004

 

Januar 2004: "Aus kleinen Samenkörnchen ..."
Mai 2004: "Das Kinderprogramm"
Juli/August 2004 (1): "Ein ganz besonderes Fest ..."
Juli/August 2004 (2): "Kleiner Rück- und Ausblick"
Juli/August 2004 (3): "Highlights für Jung und Alt"



Januar 2004: "Aus kleinen Samenkörnchen ..."

Knapp ein halbes Jahr nach der Eröffnung des neuen Zentrums der Heilsarmee in Klaipeda/Litauen ist dieses ständig mit Leben erfüllt. Während der Woche kommen fast täglich Kinder aus sozial schwachen Familien, die bei unserem Mitarbeiter Algis Musikunterricht erhalten. Dieser hat auch ein offenes Ohr für schulische Probleme und serviert ein Butterbrot, wenn er mitbekommt, dass ein Kind noch nicht gefrühstückt hat, weil zu Hause der Kühlschrank leer ist, "weil kein Geld da ist …"

Bis zu 15 Kinder besuchen unsere Kinderstunden und manche davon haben nicht nur ihre Klassenkameraden, sondern auch schon ihre Mütter mitgebracht. Unser erster Familiengottesdienst im Januar bereitete allen 30 Besuchern viel Freude und deshalb ist der nächste, für litauische Gemeinden ungewöhnliche Gottesdienst, schon in Planung.

Unser Wochenprogramm ist prall gefüllt mit Aktivitäten: Sozialstunden am Dienstag, Gebetstreffen, Bibelstunde und Chorprobe am Mittwoch, Lebensmittelverpackaktion, Kinderstunde und Café am Donnerstag, Gottesdienst am Freitag, Müllbergeinsatz am Samstag und noch einmal Gottesdienst und Sonntagsschule am Sonntag.

Hinzu kommen noch Vorbereitungen für die Veranstaltungen, administrative Aufgaben, Besuchsdienste und Kriseninterventionen. So konnten wir beispielsweise Dank der freundlichen Unterstützung des Sozialwerkes der Heilsarmee in Deutschland manchen Schlafsack an frierende Obdachlose verteilen. In der kalten Jahreszeit wenden sich Menschen ohne Dach über dem Kopf verständlicherweise noch häufiger an uns. Unsere Krankenschwester Susanne Hill versorgt kostenlos schwere Wunden, die angesichts von Kälte und Feuchtigkeit nur schwer heilen und für deren Versorgung die Krankenhäuser kein Geld im Budget haben.

Alle unsere Mitarbeiter sind mit Freude dabei und stellen sich der großen Herausforderung, aus ganz verschiedenen Menschen, die verschieden viel (oder wenig) über Gott und den christlichen Glauben wissen, eine Gemeinde zu bauen. Unsere Aufgabe ist es, Samen zu säen und die uns anvertrauten Menschen in Gottes Hände zu legen und seinen Segen zu erbitten. Und wir wissen, dass aus dem kleinsten Samenkörnchen (vielleicht erinnern Sie sich an das Senfkorn aus dem Gleichnis?) ein Baum wachsen kann. Das wollen wir erwarten und dafür wollen wir Gott die Ehre geben!


Kapitänin S. Kettler


nach oben




Mai 2004: "Das Kinderprogramm"

Einmal pro Woche kommt so richtig Leben in das Korps Klaipeda. Jeden Donnerstag um 16.00 Uhr startet das Kinderprogramm. Die Kinder warten oft schon eine Stunde vorher vor der Tür und können es kaum erwarten, hereingelassen zu werden. Es kommen bisher regelmäßig sechs bis acht Kinder aus sozial schwachen Familien zu uns.

Am Anfang war es sehr schwierig, sie für andere Dinge als Billard zu begeistern und wir waren oft am Rande unserer Kraft, da die wenigen Mitarbeiter noch so viele anderen Dinge zu tun haben. Uns wurde aber schnell klar, dass wir dies ändern mussten. Inzwischen können Aleksandr und ich die Kinder auch für andere Dinge begeistern.

Wir denken uns spannende Sachen aus, machen z. B. viele Bastelarbeiten und erzählen die jeweiligen Geschichten aus der Bibel dazu, denen die Kinder interessiert zuhören. Ganz toll fanden sie auch unsere Aktion, die "Arche Noah" mit Fensterfarben zu malen, da man das hier überhaupt nicht kennt.

Es ist sehr wichtig, dass wir hier mit den Kindern basteln und spielen. In Litauen ist es nicht unbedingt üblich, dass Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigen. Somit erfahren wir dann auch viel über sie, denn sie öffnen sich sehr schnell. Vor allem Aleksandr schafft es immer wieder, sich in die Kinder einzufühlen und sie sprechen mit ihm ganz offen über ihre Sorgen.


Nachwuchsbläser beim Familiengottesdienst

Am Schluss der Kinderstunde reden wir noch einmal über das jeweilige Thema des Tages und was es uns sagen soll. Dann singen wir ein Danklied und beten gemeinsam. Jedes einzelne Kind dankt dabei persönlich Gott dafür, was es am Schönsten fand oder was es sich wünscht. Am Anfang war es sehr schwierig, mit den Kindern zu beten, aber inzwischen machen sie es sogar gerne, ohne sich zu schämen oder herumzualbern. Nach der Kinderstunde trinken wir noch Tee zusammen, essen gemeinsam und verabreden uns für die nächste Woche.

Wir haben noch viele Dinge geplant wie z. B. einen Ausflug in den Streichelzoo und grillen gehen ... wenn das Wetter mitspielt. Wir freuen uns darüber, dass Gott uns in der Arbeit mit den Kindern gebraucht und danken für jede Entwicklung, auch in geistlicher Hinsicht.


Susanne Hill


nach oben




Juli/August 2004 (1): "Ein ganz besonderes Fest ..."

Es war ein besonderes Fest für Korps Klaipeda (Kapitänin Susanne Kettler-Riutkenen): In einer besonderen Versammlung wurde mit Algis Austys der erste Soldat seit der offiziellen Wiedereröffnung des Korps im Jahre 2001 eingereiht.

Algis berichtete in seinem Zeugnis, dass er schon als Kind von seiner Großmutter zur Baptistengemeinde mitgenommen wurde und sich als Jugendlicher für ein Leben mit Jesus entschied. Vor ca. 20 Jahren hörte er von einem Besucher aus dem Westen während eines (wegen der von der kommunistische Regierung unerwünschten Religionsausübung) heimlich stattfindenden Treffens von Christen in einem Wohnzimmer zum ersten Mal von der Heilsarmee. Schon damals hatte es ihn fasziniert, dass Christen zu Menschen am Rande der Gesellschaft gehen, um ihnen von Jesus zu erzählen. Die Heilsarmee folge dem Beispiel Jesu, der sich aufmachte zu den Menschen und sie in ihrem Alltagsumfeld aufsuchte. Als Algis von der Eröffnung der Heilsarmee in Klaipeda und den Einsätzen auf dem Müllberg hörte, nahm er sogleich Kontakt auf und gehörte mit zu den ersten freiwilligen Helfern. Er wurde schließlich auch der erste Angestellte des Korps.

Die Einreihungsfeier, die Major Hans-Göran Andersson vornahm, wurde zu einem bewegenden Moment und lebendigen Zeugnis vor über 50 Gottesdienstbesuchern. Auch in den zahlreichen Musikbeiträgen wurde immer wieder das Thema der persönlichen Hingabe an Jesus Christus aufgegriffen. Nach dem Stehcafé im Anschluss an den Gottesdienst ging es für Algis und den Rest des Teams zurück "an die Front". Am Sonntagnachmittag stand wieder ein Einsatz bei den Menschen, die auf einem Müllberg leben, auf dem Programm. Dort verteilt die Heilsarmee regelmäßig Hilfsgüter und Lebensmittel.

Wir wünschen uns sehr, dass noch mehr Menschen in Klaipeda den Mut fassen, Jesus mit ganzer Hingabe nachzufolgen, und Gott in der Heilsarmee dienen möchten.


Kapitänin S. Kettler-Riutkenen


nach oben




Juli/August 2004 (2): "Kleiner Rück- und Ausblick"

Die letzten Monate im Korps Klaipeda (Susanne Kettler-Riutkenen) waren wieder einmal prall gefüllt mit Ereignissen verschiedenster Art. Zu den Höhepunkten zählen sicherlich die einmal monatlich stattfindenden Familiengottesdienste, der fünftägige Einsatz russischer und ukrainischer Kadetten, der von unseren Nachwuchsmusikanten mitgestaltete Festgottesdienst, ein christliches Musikfestival, der Ausflug mit der Bibelstundengruppe nach Nida und nicht zuletzt die Soldateneinreihung von Algis Austys.

Derzeit beschäftigt uns die Frage, wie es nach der beabsichtigten Schließung des Müllberges in drei Jahren für die Bewohner weitergehen soll. Die Heilsarmee kümmert sich um diese Menschen, versorgt sie regelmäßig mit Lebensmitteln und Hilfsgütern und leistet medizinische Hilfe. Wir fragen uns auch, was aus den Kindern wird, die ihre sozialen Kontakte fast ausschließlich auf der Straße oder dem Müllberg haben, und wie man der Volkskrankheit Alkoholismus begegnen kann ... Es ist unsagbar, welches Leid dadurch ausgelöst wird. Manchmal scheint es mir, als liege das Alkoholproblem wie ein dunkler Teppich über Litauen, der den Menschen sowohl Ausblick als auch das Einatmen von frischer Luft verwehrt.

Mehr denn je sehen wir bestätigt, dass wir uns mehr auf Kinder und ihre Eltern konzentrieren sollen. Nicht nur Algis zehn Musikschüler, sondern auch unsere Kinderstundenbesucher zeigen uns immer wieder, wie wichtig es für sie ist, dass sie zu uns kommen können. Manche können nur bei uns an einem Tisch essen, denn zu Hause gibt es keinen. So manches Mal hat es mich schon beschämt, wenn ein Kind dann auch noch Gott im Gebet für die Heilsarmee gedankt hat ... Gott allein weiß, was sie alles in ihren Herzen bewegen! Unser Auftrag ist es, Samen auszustreuen, Liebe zu geben und Vorbild zu sein. Diese Kinder sind nicht nur unsere Gemeindezukunft, sondern die neue Generation in Litauen!

Die Gemeindeaufbauarbeit gestaltet sich nicht einfach. Wir befinden uns offenbar in einer Orientierungs- und Klärungsphase. Den immer wieder neuen Besuchern fehlen Grundkenntnisse des christlichen Glaubens. Unsere Gottesdienste sind in der Regel evangelistisch, weil wir jedes Mal wieder ganz von vorne erzählen müssen, was wir glauben. Die Besucher brauchen persönliche Begleitung, Seelsorge, Gemeinschaft. Die Schwierigkeit ist, dass wir wenigen Christen das nicht ausreichend leisten können. Unser komplettes Mitarbeiterteam ist eifrig, aber müde.

Zu den größten Herausforderungen in der nächsten Zeit wird auch der Wechsel im Team gehören. Ende dieses Monats verlassen uns drei wichtige Mitarbeiter und wir wissen derzeit noch nicht, wer ihren Platz einnehmen wird.

Wir danken Ihnen allen, die uns unterstützen, für Ihre Verbundenheit, Ihre Gebete und Ihr Interesse an unserer Arbeit! Gott, der uns berufen hat, ist treu. Er will mit uns schwachen Menschen sein Reich bauen und wir sind dabei die Gesegneten!


Kapitänin S. Kettler-Riutkenen


nach oben




Juli/August 2004 (3): "Highlights für Jung und Alt"

In den Sommermonaten Juli und August wollten wir im Korps Klaipeda (Kapitänin Susanne Kettler-Riutkenen) Alt und Jung besondere Höhepunkte erleben lassen. Der Ausflug der Besucher der Bibelstunde in Deutscher Sprache nach Juodkrante und Nida auf der Kuhrischen Nehrung war für manche der Senioren ein besonderes Erlebnis. Manche von ihnen hatten zum ersten Mal die Gelegenheit, die so beliebten Touristenorte vor der eigenen Haustüre selbst zu besuchen.

Ganz im Zeichen der jungen Generation standen hingegen die vom Service-Team aus den USA mitgestalteten zwei Kindertageslager. Das von 38 Kindern besuchte Lager für Sechs- bis 13-Jährige war nicht nur geprägt von fröhlichen Spielen, lebendigen Liedern, Tanz, Kreativangeboten sowie Ausflügen in den Wald und an den Strand. Besonders wichtig war es uns, den Kindern zu vermitteln, dass Gott unser Schöpfer ist und Jesus unser ganz persönlicher Freund und Retter sein will.

Im zweiten Lager mit 18 Teilnehmern im Teenageralter wurden die gleichen Themen aufgegriffen, jedoch dem Alter entsprechend mit Diskussionsgruppen, dem Lebenszeugnis eines ehemaligen Drogenabhängigen, einem Vortrag zum Thema "Wie Gott sich Sex gedacht hat", Gästen von "Jugend mit einer Mission" und ebenfalls vielen Kreativ- und Musikangeboten vertieft. Nicht zuletzt die selbst gebatikten T-Shirts förderten das Zusammengehörigkeitsgefühl der Jugendlichen.

Die Auswertung ergab, dass das größte Minus der Freizeit die zu kurze Dauer war! Besonders freute es uns, dass unser Vorhaben, vor allem Kinder und Jugendliche aus zerbrochenen Familien zu erreichen, geglückt ist.

Das persönliche Einladen der vom städtischen Kinderschutzbüro als Teilnehmer vorgeschlagenen Kinder schuf schnell eine Brücke zu den Eltern, die anschließend mit Freude vernahmen, dass ihre Kinder gerne teilnahmen und zum Teil mit großem Stolz die Darbietungen ihrer (kleineren) Kinder während des Abschlussgottesdienstes des ersten Lagers verfolgten.

Wir planen die geknüpften Kontakte im Herbst mit weiteren Kinderprogrammen wieder aufzunehmen. Vor allem die Jugendlichen zeigten sich sehr offen und interessiert, ihren Weg mit Jesus zu gehen.

Einen Wehmutstropfen gab es jedoch zwischen den fröhlichen Lagern: Am 1. August mussten wir in einem feierlichen Gottesdienst Abschied nehmen von unseren Mitarbeitern Aleksandr Demoniok und Susanne Hill, die wegen Ausbildung bzw. Berufstätigkeit in die Schweiz bzw. nach Deutschland (zurück)gehen. Nicht nur während des Gottesdienstes im Saal, sondern auch bei der Versammlung am Nachmittag auf dem Müllberg kam zum Ausdruck, mit wie viel Hingabe und Liebe sich beide für Gottes Sache eingesetzt haben. Viele Segenswünsche begleiten Aleksandr und Susanne und auch die neue Mitarbeiterin Jovita Alytaite, die im September ihren Dienst mit den Kindern aufnehmen wird.

Noch brauchen wir Verstärkung und deshalb bitten wir weiterhin, dass Gott neue Mitarbeiter in seine Ernte senden möge. Und natürlich ist es uns ein besonderes Anliegen, dass die Kinder "dabeibleiben"!


Kapitänin Susanne Kettler-Riutkenen


nach oben




Neues aus Litauen:
Aktueller Bericht