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Die Heilsarmee in Litauen

Berichte aus dem Jahr 2003

 

Februar 2003: Neue Aufgaben ... neue Mitarbeiter
März 2003: Susanne Hill, unsere Krankenschwester
April 2003: Abschied von Janina
Juli 2003: "Mission Memelland"
August 2003: Einweihung des neuen Heilsarmeezentrums




Februar 2003: Neue Aufgaben ... neue Mitarbeiter

Gott aber kann machen,
dass alle Gnade unter euch reichlich sei,
damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt
und noch reich seid zu jedem guten Werk."
2. Korinther 9,8

Die Jahreslosung für das Korps Klaipeda beschreibt sehr zutreffend, was wir derzeit erleben und was wir uns für die Zukunft weiterhin wünschen: dass Gott in seiner Gnade an uns wirkt, uns überreich beschenkt und uns gebraucht, um andere Menschen auf Gottes Gnade hinzuweisen!

Nach einer festlichen Weihnachtsfeier mit 32 Personen am Heiligen Abend auf unserer "Baustelle" war es vielen Freunden ein Bedürfnis, auch die Jahreswende gemeinsam zu verbringen. Nach der deshalb spontan organisierten Silvesterfeier verließen schließlich am Neujahrstag morgens um sechs Uhr die letzten der insgesamt 23 Besucher unser Zentrum nach einer kurzweiligen Nacht, in der es neben Lobpreis, Gebet, Jahreslosungen, Predigt, festlichem Büfett, kleinen Spielen, Nachtspaziergang zum Theaterplatz etc., auch Zeit für persönliche Gespräche gab.






In den letzten Tagen habe ich mich immer wieder staunend gefreut über die Mitarbeiter, die Gott zu uns sendet! Bereits in den ersten Tagen des neuen Jahres fragte Aleksandr Domionok (23) an, ob er nicht bei uns mitarbeiten könnte. Nur zu gerne! Aleksandr war bereits seit einigen Monaten einer der treuesten Helfer auf dem Müllberg. Durch seine Erfahrungen als Missionar bei den "Covenant Players", seinem Herz für Menschen und seiner Motivation, ihnen zu dienen und von Jesus weiterzusagen, ist er eine wunderbare Bereicherung für unser Team! Ihm ist es eine große Freude, nun in seiner Heimat Gott zu dienen, auch wenn es im Moment nur gegen Versorgung mit Lebensmitteln möglich ist. Mitzuarbeiten, dass Gottes Reich wachsen kann, das ist Aleksandrs größtes Anliegen. Seine Aussage über die Müllbergbewohner: "Ich denke, ich werde einige im Himmel wiedersehen" hat mir diesen Dienst noch einmal ganz neu wichtig gemacht. Darum geht es: dass Menschen durch unseren Dienst auf dem Müllberg gerettet werden!

Erika Gorbatych (20) ist ebenfalls bereits seit einiger Zeit eine sehr geschätzte und bei allen beliebte ehrenamtliche Helferin. Seit dem 1. Februar ist sie bei uns angestellt, um u. a. auch mit einem Teil ihrer Arbeitszeit praktische Aufgaben zu übernehmen, die vor ihrer Rückkehr in die Schweiz Majorin Erika Ammann ausgeführt hatte. Neben diesen vorwiegend hauswirtschaftlichen Aufgaben wird Erika nach der Renovierung auch Aufgaben im Büro übernehmen. Aufgrund ihrer vielseitigen Gaben, ihres guten Umgangs mit Menschen und ihrer Sprachkenntnisse werden sicher noch viele weitere Aufgaben auf sie warten. Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit ihr!

Das größte "Sorgenkind" meiner Arbeit in Litauen war mir immer die Buchhaltung. Die litauischen Gesetze und die unergründliche Bürokratie sorgte dafür, dass ich immer ein ungutes Gefühl hatte, vielleicht nicht alles vorschriftsgemäß zu bearbeiten. Da jedoch ein Buchhalter bei uns unbedingt Kenntnisse der deutschen Sprache haben muss, war es schwierig, geeignete Helfer zu finden. Und nun kam Ingrida Kriauciunaite (24) nach ihrem Aufenthalt in Deutschland bzw. der Schweiz nach Klaipeda zurück!

Eine fröhliche Christin, Buchhalterin von Beruf, auf der Suche nach einer Arbeit! Anfangs sah ich keine Möglichkeit, sie einzustellen, so gerne ich das wollte. Ingrida begann trotzdem sofort, sich um unsere Bücher zu kümmern und mir bis dahin noch unbekannte Spezialinformationen über das litauische Buchhaltungssystem zu erklären. Mittlerweile hat die Ev.-Luth. Matthäusgemeinde in Bremen (wo Ingrida keine Unbekannte ist) sich bereit erklärt, die Kosten für eine Halbtagsstelle für sie zu finanzieren und wir konnten sie einstellen. Was für ein Geschenk!

Staunend und voller Dankbarkeit stelle ich fest, wie großartig Gott bei uns wirkt! Wie viel ist in nur anderthalb Jahren bei uns schon geschehen! Das neue Team schafft mir Freiräume, mich mehr auf geistliche Aufgaben zu konzentrieren. Doch habe ich auch den Eindruck, dass mit jedem Mitarbeiter, der dazu kommt, auch die Aufgaben und ihre Vielfalt wächst. Langweilig wird es uns allen nicht werden ...

Ein Kreis von ca. sechs bis acht Personen trifft sich seit einiger Zeit wochentags um 7.30 Uhr zum Gebet in unserem Zentrum. Wir haben eine große Vision und sind sehr gespannt, wie Gott weiter an uns wirken wird! Seit der ersten Februarwoche findet nun auch ein Hauskreis in der Offizierswohnung statt. Das Bedürfnis ist da und deshalb beginnen wir! Die Renovierung schreitet voran, doch es gibt noch immer viel zu tun. Nach wochenlangen Minustemperaturen bis zu -22 Grad freuen wir uns langsam auf den Frühling, der jedoch derzeit bei Schneefall noch nicht in Sicht ist ...

Ende Januar/Anfang Februar hat uns eine Woche lang ein Fernsehteam vom NDR besucht, um einen Film für die Reihe "Gott und die Welt" zu drehen. Die Sendung mit dem Titel "Mission Memelland" ist für Sonntag, 30. März 2003, 17.30 bis 18 Uhr, in der ARD geplant.

Kapitänin S. Kettler



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Infos aus Klaipeda (März 2003)

Bei unserem Einsatz für die Menschen auf dem Müllberg ist es uns ein großes Anliegen, dass sie auch medizinische Versorgung erhalten.

Wir sind dankbar, dass es Susanne Hill gibt, die diese Aufgabe übernommen hat und nun auch in einem neuen Gebiet tätig ist. Sie hat einen kleinen Bericht hierüber geschrieben:

Seit über einen Jahr arbeite ich ehrenamtlich als Krankenschwester bei der Heilsarmee. In Gerda Lambxodiene steht mir eine "Sprechstundenhilfe" und Übersetzerin zur Seite.

Im November 2002 übernahm ich den Deutschkurs. Meine Schüler leben bei Samarija (Christl. Suchttherapieeinrichtung) und arbeiten tagsüber als Bauarbeiter. Mein Hauptziel ist es, auf möglichst einfache und spielerische Weise Deutsch zu unterrichten. Da meine Schüler tagsüber sehr hart arbeiten, ist die Aufnahmefähigkeit an den Abenden begrenzt. Die kulturelle Seite darf in meinem Unterricht nicht fehlen. So fühlte ich mich als Fast-Mainzerin verpflichtet, eine Fastnachtsfeier zu veranstalten. Mit selbstgebackenen Kreppeln und Fastnachtsmusik und der dazugehörigen Verkleidung wurde das Fastnachtsfest aktiv gelebte Landeskunde.

Susanne Hill



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Abschied von Janina (April 2003)

Auf dem Müllberg sind im Laufe des Winters aus verschiedenen Gründen viele Menschen gestorben. Wir besuchten sie im Krankenhaus, halfen mit, Beerdigungen zu organisieren und die Notversorgung aufrecht zu erhalten, als bei wochenlangen Temperaturen von ca. -15°C die Straßen in schlechtem Zustand waren. Mittlerweile rufen uns die Krankenhäuser und die Leichenhalle schon an, wenn jemand vom Müllberg stirbt.

Ein besonderes Erlebnis waren für uns die letzten Lebenswochen von Janina. Als Janina Ende letzten Jahres wegen unerträglicher Schmerzen ins Krankenhaus ging, hatte sie bereits Krebs im Endstadium. Mitte Januar entließ man sie "nach Hause" mit der Information, dass man ihr nicht mehr helfen könne. Sie musste etliche Kilometer auf eisigen Straßen zum Müllberg laufen, wo wir sie am nächsten Tag schmerzgeplagt in ihrer nicht beheizbaren Hütte vorfanden.

Nach unserer Kontaktaufnahme waren die "Schwestern von Mutter Teresa" in Kretinga (15 km vom Müllberg) sofort bereit, sie aufzunehmen und zu pflegen. Einige Tage später nahmen sie auch Janinas Lebensgefährten auf, dem einige Zehen abgefroren waren und der nach der Amputation kaum gehen und erst recht nicht arbeiten konnte.

Als ich Janina eines Tages besuchte, sagte sie mir strahlend, dass sie Sündenvergebung erlebt hätte und nun bereit wäre, zu sterben. Vorher wollte sie jedoch ihre Tochter um Vergebung bitten. Wir fanden die 12-jährige Rita in einem Kinderheim. Nach einigen Tagen war diese bereit, ihre Mutter zu besuchen. Die Begegnung und Versöhnung zwischen den beiden war für Ritas Erzieherin und für mich ein besonderes Erlebnis.

Beim nächsten Besuch fragte ich Janina, wann sie zum ersten Mal in ihrem Leben über Gott nachgedacht hätte und sie antwortete: "Auf dem Müllberg." Ihre Eltern waren Kommunisten gewesen und Gott hatte keinen Platz in ihrem Leben gehabt. Es waren nicht wir, von denen sie über Gott hörte, doch war dies mir eine besondere Bestätigung, wie wichtig unser Dienst auf dem Müllberg ist. Für Gott ist nicht wichtig, wo wir leben, sondern wem unser Herz gehört. Dass wir uns im Himmel wiedersehen - darauf kommt es an! Janina ist bald darauf gestorben. Sie hat sich einen schnellen Tod gewünscht und wusste: "Ich gehe nach Hause."

Kapitänin Susanne Kettler



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"Mission Memelland" (Juli 2003)

Vielleicht haben Sie den Film "Mission Memelland" über unsere Arbeit in Litauen im Fernsehen gesehen und dabei einige neue Eindrücke über unsere Aufgaben gewonnen. Wir haben viele positive Reaktionen und ermutigende Briefe und E-Mails sowie einige Sonderspenden erhalten. Herzlichen Dank dafür!

Seitdem ist die Zeit natürlich nicht stehen geblieben. Das Zentrum ist fast fertig und wir planen die Einweihungsfeier für die Zeit vom 1. bis 3. August! Wir werden das Meeresfest, das eine Woche vorher stattfindet, für Werbung und Einladungen nutzen können und direkt im Anschluss an die Eröffnungsfeiern mit weiteren Aktionen gerade auch Kinder und Jugendliche während der Ferienzeit erreichen können. Besonders Letzteres ist uns sehr wichtig! Da wir dank der Unterstützung eines Teams von jungen Leuten aus den USA bereits vor zwei Wochen zwei Tage Kinderprogramm anbieten konnten, warten nun schon 29 Kinder aus sozial schwachen Familien darauf, dass es "endlich los geht".

Immer mehr scheint sich uns auch bei Besuchen in Familien zu bestätigen, dass es wirklich wichtig ist, in diese Richtung weiterzugehen. Den Kindern fehlt es oft an Liebe und Orientierung, an sauberen Socken und ausreichender Nahrung, weil sich die Eltern in erster Linie um sich selbst oder um das Beschaffen von Alkohol kümmern. Deshalb wird es wichtig sein, dass wir so gut wir es können versuchen, uns hier einzusetzen.

Ostern haben wir wieder mit Sonntagsgottesdiensten auf dem Müllberg begonnen. Die Menschen baten uns schon bei den ersten Sonnenstrahlen darum. Neu ist, dass wir nun einmal monatlich nach dem Gottesdienst Gemeinschaft um ein Lagerfeuer haben. Wir wünschen uns, dass diese Menschen die Erfahrung machen, dass man auch ohne Alkohol feiern und fröhlich sein kann. Ein nahezu unglaublicher Gedanke in einem von Alkoholkonsum geprägten Umfeld ...

Die Notübernachtungsstelle, in der auch wir mitgearbeitet hatten, wurde Mitte Mai für Renovierungsarbeiten geschlossen. Zuvor gab es noch dramatische Zuspitzungen, nachdem die Bewohner sich verbarrikadierten und nicht ausziehen wollten. Die meisten der 90 Betroffenen leben nun auf der Straße und viele besuchen uns im Zentrum, wo wir bereits tägliche Sprechzeiten eingerichtet haben.

Der Besuch des fünfköpfigen Service-Teams der Heilsarmee aus dem USA West-Territorium und von Major Massimo Tursi für zehn Tage hat uns allen sehr gut getan und vor allem unsere jungen Leute motiviert. Nachdem alles sehr turbulent begann, erlebten wir eine frohe Gemeinschaft und wurden sehr gesegnet. Überall wo das Team im Einsatz war (Gottesdienst, Müllberg, Behinderteneinrichtung, Kinderprogramm, Straßeneinsätze in Nida und Klaipeda, Suchthilfeeinrichtung Samarija, Männerwohnheim etc.) erfreute es die Zuhörer mit seiner Fröhlichkeit, der Begeisterung für Jesus und dank der vielseitigen Gaben.

Kapitänin S. Kettler



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Einweihung des neuen Heilsarmeezentrums (August 2003)

"Ihr sollt erfahren, dass ein lebendiger Gott unter euch ist", Josua 3,10a - unter diesem Motto wurde nach fast einjähriger Renovierungsphase vom 1.-3. August in Klaipeda (Memel) die Einweihung des neuen Heilsarmeezentrums gefeiert.

Das Festprogramm begann am Freitagabend mit einem fröhlichen Gottesdienst, der bereits von mehr als 100 Personen besucht wurde. Die erste Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Dankbarkeit Gott gegenüber, der seinen Auftrag für die Heilsarmee in dieser Stadt täglich neu bestätigt und in nur zwei Jahren nach dem offiziellen Beginn schon viel hat wachsen lassen.











Im Rahmen dieses Gottesdienstes dankte der Chefsekretär, Oberstleutnant Horst Charlet, der für die Feierlichkeiten angereist war, u. a. auch Majorin Erika Ammann aus der Schweiz, die eine wichtige Wegbereiterin für den Neuanfang war, der durch Majorin Ruth Krick möglich wurde.

Am Samstag, dem "Tag der offenen Tür" wurde die Möglichkeit gegeben, sich in unseren neuen Räumen umzusehen. Schon gleich zu Beginn kamen viele Kinder, die auf das Kinderprogramm am Nachmittag warteten. Schließlich waren es über 30 Mädchen und Jungen, die im Hof des Zentrums viel Freude hatten und zum Teil seither täglich bei uns vorbeikommen.Unser "bekennender" Clown und sein Freund Bonifacijus sorgten im abendlichen Gottesdienst im vollbesetzten Saal für viel gute Laune und der Gastprediger, Pastor Roy Ball von der Anglikanischen Gemeinde, für wertvolle Gedankenanstöße.

Zum "Festfinale" waren ca. 200 Vertreter von Behörden und Firmen zu einem festlichen Bankett eingeladen worden. Nachdem völlig unerwartet nur ca. 15 von ihnen kamen, luden wir spontan nach dem biblischen Beispiel Passanten von der Straße ein und Obdachlose, die sich auf dem Marktplatz aufhielten und sich normalerweise aus Müllcontainern ernähren. In kürzester Zeit war der Saal mit sehr gemischtem Publikum gefüllt. Etliche Bankettbesucher blieben zum anschließenden Konzert der christlichen Gruppe "Malone" (Gnade) und zum Abschlussgottesdienst. Oberstleutnant Charlet erinnerte in seiner Predigt daran, dass alles umsonst ist, "wenn der Herr nicht das Haus baut", Psalm 127. Dass Gottes Geist in unseren neuen Räumen wirken und viele Menschen zum lebendigen Glauben finden mögen, wünschten auch die Pastoren der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Reinholdas Moras, und der Freien Ev. Gemeinde, Simonas Kiela.




Während des Abschlussgottesdienstes reichten unsere 120 Stühle nicht mehr aus. Etliche Gäste mussten stehen. Mit großer Dankbarkeit blicken wir auf diese gesegneten Tage zurück und gehen voller Erwartung in die Zukunft. Wir erleben täglich, dass "ein lebendiger Gott unter uns ist" und werden uns weiter bemühen, dass dies so viele Menschen wie nur möglich persönlich erfahren.
Kapitänin S. Kettler



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