Die Heilsarmee in Litauen
Berichte aus dem Jahr 2002
Januar 2002 * März 2002 * Mai 2002 * August 2002
Fünf Monate nach der Eröffnung in Litauen sind die Tage viel zu kurz, um alles in Angriff nehmen zu können, was uns vor die Füße gelegt ist. Und so war auch die Weihnachtszeit sehr turbulent und von vielen verschiedenen Aktivitäten geprägt. Viele fleißigen Hände wurden gebraucht, um Hunderte von Weihnachtskarten zu falten und zu kleben, Geschenktüten für verschiedene Bescherungen zu packen, Streichholzschachteln mit Bibelversen und Heilsarmeeadresse zu versehen, die Autos vom Schnee frei zu schaufeln, berge- und zentnerweise Lebensmittel zu schleppen und vieles mehr!
Im Korps wurde gleich zweimal gefeiert: zum ersten Mal wenige Tage vor Weihnachten im Rahmen der Bibelstunde. Zu dieser Feier durften wir auch Gäste aus dem benachbarten Korps Liepaja (Lettland) begrüßen. Die Teilnehmer wurden nicht nur selber beschenkt, sondern hatten auch den Auftrag, selbst mittels vorbereiteter Weihnachtskarten und kleiner Geschenke, andere Menschen in ihrem Umfeld an den Grund der Weihnachtsfreude zu erinnern.
Am Heiligen Abend kamen vierzehn Personen, die sich zum Teil zum ersten Mal trafen und lieber mit uns feiern wollten, als alleine zu bleiben. Bei gemütlichem Essen, lebhafter Unterhaltung und Weihnachtsliedern ging der Abend wie im Fluge vorbei.
In einem städtischen Heim für Strafentlassene durften wir, musikalisch unterstützt von unseren lettischen Freunden, ca. 70 Männern vom "Feuerwerk der Liebe Gottes" erzählen. Die von uns mitgebrachten Geschenktüten sollten dazu beitragen, dass wenigstens die Feiertage über kein Hungergefühl aufkommen sollte. Und auch die in Deutschland liebevoll selbstgebastelten Weihnachtssterne und die in der Schweiz von fleißigen Händen gestrickten Socken, die wir weitergeben konnten, waren Ausdruck der Liebe Gottes und brachten ein bisschen mehr Licht und Wärme in den Alltag der Bewohner.
Freude herrschte auch in einem kleinen Altenheim über die von uns abgegebenen Weihnachtsgrüße, bestehend aus einer kleinen Weihnachtsbotschaft in Kartenform, Süßigkeiten und ebenfalls einem selbstgebastelten Stern für jeden Bewohner.
Dass die Menschen, die auf dem Müllberg außerhalb der Stadt Klaipeda leben, erfahren, dass Jesus auch oder gerade zu ihnen gekommen ist, das war eines unserer großen Anliegen in der Adventszeit. Ergänzend zu den Bibelversen in litauischer Sprache, die wir allwöchentlich verteilen, gab es nun auch eine kurze, schriftliche Weihnachtsbotschaft in ihrer Sprache. Dank der Unterstützung durch die örtlichen Gideonbrüder konnten wir auch allen Interessierten ein Neues Testament in Litauischer oder Russischer Sprache überreichen.
Zur Bekämpfung der größten Winterkälte fuhren wir in der Weihnachtszeit zweimal wöchentlich zum Müllberg um warme Kleidung zu bringen. Dank einer zweckgebundenen Spende konnten wir für alle Müllbergbewohner Handschuhe kaufen. Diese wurden sehr dankbar entgegengenommen, mussten doch manche bis zu diesem Moment noch ohne Handschuhe ihren Lebensunterhalt im Schnee suchen!
Ein großes Problem sind weiterhin die abgetragenen, zerschlissenen Schuhe. Viele Obdachlose tragen Schuhe, die diese Bezeichnung nicht mehr wert sind. Letzte Woche mussten wir einen Mann ins Krankenhaus bringen, dem inzwischen wegen Erfrierungen von beiden Beinen die Zehen abgenommen werden mussten. Nachdem er keine gültigen Dokumente vorweisen konnte, wäre er fast nicht aufgenommen worden, wenn sich nicht die Heilsarmee dafür eingesetzt hätte. Ebenfalls dank einer zweckgebundenen Spende war es uns möglich, auch einen kleinen Beitrag zu seiner medizinischen Versorgung zu leisten. Mittlerweile wurde ein neuer Pass beantragt und die Weichen für eine Weiterversorgung in einem Pflegeheim sind gestellt.
Nachdem der Winter auch die Ratten auf dem Müllberg vor Versorgungsprobleme stellt, haben sie angefangen, Kleidung von Menschen anzuknabbern und auch schon einen Mann gebissen. Deshalb müssen wir jetzt auch noch Rattengift bzw. -fallen auftreiben, um schlimmere Katastrophen zu verhindern. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen... Derzeit bemühen wir uns auch darum, möglichst alle Müllbergbewohner wieder zu Pässen zu verhelfen. Einen Pass zu haben ist die Grundlage für den Zugang zum Sozialsystem und unerlässlich, wenn man wieder eine legale Arbeit aufnehmen will.
Die Menschen auf dem Müllberg haben Vertrauen zu uns gefasst und werden immer offener. Wir planen im Frühjahr oder Sommer mit kleinen Freigottesdiensten auf dem Müllberg zu beginnen, sobald die Temperaturen das zulassen.
Unsere Bibelstunde in deutscher Sprache wird von ca. 25 bis 30 Personen wöchentlich besucht, die wir versuchen, auch zu Hause zu besuchen und im täglichen Leben zu begleiten, so weit es möglich ist. Während der letzten Wochen kamen neue, jüngere Menschen dazu, die wir auf unterschiedliche Weise kennen gelernt haben. Durch das Aufsuchen von verschiedenen Behörden, Schulen, sozialen Einrichtungen und christlichen Gemeinden sind viele neue Kontakte entstanden. Nachdem die Heilsarmee hier völlig unbekannt ist, ist es wichtig, grundlegende Informationen über uns und unseren Auftrag zu geben. Unser Name ist für viele Menschen erst einmal befremdlich. In der Regel hilft jedoch das persönliche Kennenlernen und die Vorstellung unseres Anliegens, die ersten Bedenken zu zerstreuen.
Es ist wichtig, dass wir uns als zuverlässig und wirklich an den Menschen interessiert erweisen. Oft hören wir, "dass schon viele gekommen sind, viel versprochen haben und dann nicht mehr gesehen wurden." So soll es bei uns nicht sein. Ganz nebenbei läuft auch noch der Sprachunterricht und das tägliche "Überlebenstraining" im Alltag sowie die Vorbereitung der Renovierung unseres zukünftigen Zentrums in Klaipeda. Und dabei hat der Tag nur 24 Stunden!
Ein herzliches Dankeschön gilt allen bekannten und unbekannten Spendern und Betern, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre. Gott tut Großes unter uns und wir sind von Herzen dafür dankbar!
Und so starten wir froh, dankbar und erwartungsvoll in das neue Jahr, für das unser Korps die Losung erhalten hat: Gott tut große Dinge, die nicht zu erforschen und große Wunder, die nicht zu zählen sind (Hiob 9,10).
März 2002
Die Aufbauarbeit in Litauen geht mit großen Schritten vorwärts. Es scheint, als genügten kleine Anstöße, Anfragen, Ideen, um viel Neues in Bewegung zu bringen und das ist wunderbar!
In unsere Bibelstunde kommen einige neue Besucher. Mittlerweile wir die deutsche Bibelstunde bereits auf Litauisch übersetzt und es wurde mir schon gesagt: "Zu eurer Kirche komme ich auch!" Wir warten darauf, dass unsere Räume renoviert werden, damit wir im Herbst endlich mit eigenen Gottesdiensten und neuen Angeboten (z.B. einem Kontaktcafé und Kinderprogramm) beginnen können, sofern wir genug Mitarbeiter haben werden.
Bis zu zwanzig Helfer sind bereits auf dem Müllberg im Einsatz. Sie sind aus ganz unterschiedlichen Gemeinden zu uns gestoßen und sorgen so dafür, dass die Zusammenarbeit unter den Christen der Stadt wächst. Auch etliche Studenten und Dozenten des Lithuanian Christian College helfen tatkräftig mit, darunter auch Studenten aus Kanada, den USA, aus Albanien und Ghana. Unsere Dienstbesprechungen sind mehrsprachig (Deutsch, Englisch, Litauisch, zeitweise auch Russisch) und die spontan eingesetzten Übersetzer haben einmal mehr eine verantwortungsvolle Aufgabe zu bewältigen.
Wir versuchen die Organisation unserer Müllbergeinsätze wöchentlich zu verbessern, jedoch stehen wir jede Woche vor neuen Herausforderungen. Mittlerweile haben wir die Müllbergbewohner fast alle in ihrem "zu Hause" besucht, was sehr begrüßt wurde. Sobald es zeitlich möglich sein wird, wollen wir auch die besuchen, die eine Wohnung haben, aber angesichts des fehlenden Einkommens ebenfalls auf dem Müllberg nach ihrem Lebensunterhalt suchen müssen. Seit sich eine deutsche Krankenschwester um die medizinischen Belange kümmert, konnten wir auch auf diesem Gebiet das Angebot sehr verbessern. Gerade in der Winterzeit gibt es viele kranke Menschen, die nahezu alle nicht krankenversichert sind und sehr froh sind über unsere Hilfe. Wir sind sehr dankbar über einen aus Deutschland gespendeten Kleinbus, der unser großes Transportproblem gelöst hat!
Sobald es warm genug sein wird, dass man längere Zeit im Freien sitzen oder stehen kann, ohne zu frieren, wollen wir an mindestens zwei Sonntagen im Monat Gottesdienste auf dem Müllberg anbieten. Eine Frau, die nichts von dieser Idee wusste, und im Nachbardorf wohnt, hatte erlebt, wie ihr Kind durch die Kinderbibel, die es von uns erhalten hatte, sehr berührt worden war. Sie bat uns um eine eigene Bibel und darum, dass wir auch Bibelstunden anbieten sollten. Die Menschen sind überall sehr offen und interessiert!
Seit Anfang Februar besucht die Heilsarmee an den Samstagabenden eine vom Sozialamt kurz vor Weihnachten 2001 neu eingerichtete Notschlafstelle. Die Behörde hatte uns gefragt, ob wir bereit wären, "den Menschen Orientierung zu bringen". Dies tun wir mit Freuden! Einer unserer ehrenamtlichen Helfer organisiert eine regelmäßige "musikalische Unterstützung" - ebenfalls aus den verschiedensten Gemeinden. Zwischen 25 und 35 Personen hören aufmerksam zu, manche im Korridor vor der Türe stehend, weil die kleine Küche als einziger Versammlungsraum viel zu wenig Platz bietet. Die belegten Brote und der warme Tee, die im Anschluss an das Programm verteilt werden, sind sehr begehrt, sind sie doch für manche Bewohner die erste richtige Nahrung am Tage.
Meistens sorgen viele Fragen dafür, dass wir einen langen Abend in der Einrichtung verbringen. Die Menschen sind interessiert und hinterfragen und manche bitten auch darum für sie zu beten. Eine Frau hat sich bereits für ein Leben mit Jesus Christus entschieden und neue Erfahrungen im Glauben gemacht. Doch sie lebt noch immer im alten Umfeld, das sie wieder zum Trinken animiert und braucht unsere Gebetsunterstützung, sowie eine Wohnung und Arbeit.

Das Sozialamt hat ein Team von Christen aus einer Christlichen Reha-Einrichtung mit der Betreuung der Notunterkunft beauftragt. Sie alle haben ein bewegtes Leben hinter sich und ihr Zeugnis spricht viele Menschen an. Die Zusammenarbeit mit ihnen ist auch für uns bereichernd. Die ursprünglich für 50 Personen vorgesehene Notunterkunft in einem alten Polizeiarrestkeller ist mittlerweile mit 100 Menschen belegt. Es fehlt an Betten und Matratzen und an den Mitteln, diese anzuschaffen. Die feuchten Kellerräume müssten dringend renoviert werden, doch es gibt auch hier weder Material noch die nötigen Gelder.
Wir sind dankbar für jegliche Form der Unterstützung, besonders unseren Betern und Spendern im Hintergrund! Wir freuen uns auch, wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben oder wenn Sie gerne in Kontakt mit Personen in Litauen treten würden. Immer gesucht sind auch Gastfamilien in Deutschland für Jugendliche, die Deutsch lernen und ihre Sprachkenntnisse in Deutschland anwenden oder verbessern möchten.
Wir sind von Herzen dankbar, für die Wunder, die Gott tut! Wie wunderbar, von diesem Gott reden zu dürfen, wie wunderbar, erleben zu dürfen, wie er Menschen verändert. Doch wir erleben nur dann etwas, wenn wir im Vertrauen auf diesen großen Gott, der heute noch die gleiche Kraft hat wie zu allen Zeiten, vorwärts gehen. Wer sich auf ihn einlässt, der kann wirklich etwas erleben! Wir möchten Sie ermutigen, liebe Leser, diesen Schritt zu wagen!
Mai 2002
Nach langer Planung und Vorbereitung war es nun endlich soweit: Das Korps Klaipeda/Litauen hielt die erste Heilsarmee-Versammlung auf dem "Müllberg" ab.
Da es in Litauen für die vielen Arbeitslosen keine soziale Unterstützung gibt, verlieren immer mehr Menschen ihre Wohnungen. Manche haben in der Wendezeit in kleine Geschäfte investiert und konnten später die Schulden nicht mehr zurückzahlen. Wer einmal ohne Wohnung und Arbeit ist, kann nur schwer wieder Fuß fassen. Inzwischen leben ca. 150 Personen (50 Familien) auf dem Müllberg außerhalb der Stadt in aus Abfalltrümmern gebauten Hütten. Sie ernähren sich von Lebensmitteln, die sie im Müll finden und von den kleinen Gewinnen, die sie für das Aussortieren von Wertstoffen machen. Die Not ist unbeschreiblich.

An diesem besonderen Sonntag luden wir nach der Verteilung der Lebensmittel zu unserem evangelistischen Programm auf einer schönen Wiese am Rande des Müllberges ein. Sonntags, wenn keine Müllfahrzeuge mit "neuem Material" ankommen, ist auch dort fast so etwas wie Ruhetag. Bei herrlichem Sommerwetter folgten zwischen 60 und 70 Menschen aller Altersstufen unserer Einladung. Viele von ihnen hörten zum ersten Mal in ihren Leben, wie sehr Gott sie liebt und was Jesus für sie getan hat. "Woher habt ihr die schönen Lieder?", fragte eine Frau, die trotz Halsschmerzen freudig mitsang.
Viele Menschen unserer "Müllberggemeinde" haben wahrscheinlich noch nie eine Kirche von innen gesehen. Es war sehr bewegend zu erleben, wie sie freudig in den Lobpreis über die Liebe Gottes miteinstimmten. Alle waren wir am Ende mit Freude und Dankbarkeit über diesen Nachmittag erfüllt, die Müllbergbewohner ebenso wie unser Mitarbeiterteam. Wir waren uns einig: "So ähnlich muss es wohl bei der Bergpredigt zugegangen sein" und "Kirche ist da, wo sich Menschen in Gottes Gegenwart versammeln". Deshalb beabsichtigen wir während der Sommerzeit weiterhin sonntags das Evangelium auf dem Müllberg zu verkündigen. Denn das "Brot des Lebens" zu bringen, das ist unser wichtigster Auftrag!
August 2002
Großes Fest in Klaipeda (August 2002)
Vier Tage lang wurde in der litauischen Hafenstadt gefeiert: Das 750-Jahr-Stadtjubiläum wurde gebührend begangen und ging nahtlos in das jährlich stattfindende Meeresfest, das größte Volksfest in Litauen, über. Die Heilsarmee nutzte diese Tage von morgens bis abends, um sich einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Mehrere Tausend Menschen kamen während des viertägigen Festes in den Innenhof des Diakoniewerkes "Sandora", in dem die Heilsarmee ihre Geschichte, ihren Auftrag und ihre Arbeit weltweit, sowie in Klaipeda präsentierte.
Bei 28 bis 35 Grad im Schatten waren vor allem die angebotenen kalten Getränke sehr gefragt. Die Kinder freuten sich über Luftballons und die Gelegenheit, Steine zu bemalen. Die von uns verteilten Luftballons mit der Aufschrift "Jezus myli tave" (Jesus liebt dich) wurden zu Boten der Liebe Gottes in der ganzen Stadt. Vor der Infowand und dem Büchertisch der Christlichen Buchhandlung "Noahs Arche" kam es zu vielen guten Gesprächen. Musiker aus verschiedenen befreundeten Gemeinden sorgten dafür, dass an jedem Abend im Rahmen eines Konzertes die Gute Nachricht verkündigt wurde. Viele Festbesucher wurden von den verschiedenen Musikstilen angezogen und schnell konnten wir feststellen, dass wir im nächsten Jahr einen größeren Platz mieten sollten.
Beim Sonntagsgottesdienst im Freien mit dem Thema "Gute und schlechte Steine" nahmen viele Besucher die Gelegenheit war, die Last, die auf ihrem Herzen lag, ganz konkret sichtbar unter dem Kreuz abzulegen.
In verschiedenen Schichten waren ca. 25 Mitarbeiter im Einsatz, die müde, aber voller Dankbarkeit auf das Fest zurückblicken. Unter den Helfern entstand eine wunderbare Gemeinschaft und neue Freundschaften wurden geschlossen. Wir sind Gott von ganzen Herzen dankbar für die gesegneten Tage und auch allen Betern, die an uns gedacht haben.
Statt eines ruhigeren weiteren Verlaufs des Monats August steht nun ganz überraschend der Umzug in eine andere Offizierswohnung bevor. Im September sollen außerdem ein neuer Bibelgesprächskreis, ein Deutschkurs und Musikunterricht für Kinder und Jugendliche beginnen. Es gibt viel zu tun, und noch mehr zu beten.
November 2002
Herbstimpressionen aus Klaipeda (November 2002)
Am 1. September begann wieder einmal ein neuer Abschnitt im Rahmen unserer Aufbauarbeit: Algis Austys (42) arbeitet nun hauptamtlich mit. Schon seit Anfang des Jahres als unser "Mann-für-alle-Fälle" immer einsatzbereit, hat er bereits in unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden gezeigt, dass unser Auftrag auch sein Herzensanliegen ist. Algis hat für die Arbeitsaufnahme bei der Heilsarmee seine bisherige Tätigkeit im Wohnheim des Christlichen Colleges beendet. Als gelernter Handwerker, gestandener Christ, Hobby-Musiker und Theologiestudent bringt er so einiges an Gaben und Erfahrungen mit, die für uns sehr wertvoll sind. Und nach knapp drei Monaten Zusammenarbeit ist er eigentlich aus unserer Arbeit schon gar nicht mehr wegzudenken.

Bereits am Erntedankfest hatte das von Algis zusammengestellte Bläserquartett seinen ersten Auftritt im Rahmen des Deutschen Gottesdienstes in Klaipeda. Eines seiner Anliegen ist der Aufbau einer Blaskapelle. Die Ausbildung von Anfängern hat ebenfalls bereits begonnen. Da es Algis ein wichtig ist, Kindern - bevorzugt aus sozial schwachen Familien - zum Musizieren und zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung anzuregen und sie mit Jesus Christus bekannt zu machen, hat er auch an verschiedenen Schulen Jungbläserausbildung angeboten. Der Ansturm war so groß, dass seine zur Verfügung gestellten Instrumente nicht ausreichen. Musikinstrumente aller Art sind uns daher herzlich willkommen!
Ende September haben wir die Gottesdienste im Freien auf dem Müllberg aus witterungstechnischen Gründen für dieses Jahr beenden müssen. Während vier Monaten kamen an jedem Sonntag zwischen 25 und 60 Menschen zusammen, um dort Gottes Wort zu hören, zu singen und um Gemeinschaft zu haben. Mittlerweile wurde auf unsere Initiative hin auf unserem "Gottesdienstplatz" ein Kreuz errichtet. Wir freuen uns auf die nächsten Gottesdienste!

Die Versorgung mit Lebensmitteln, die medizinische Hilfe und die Kontakte werden selbstverständlich auch in der kalten Jahreszeit fortgesetzt werden. Gerade dann wird diese Unterstützung besonders benötigt!
Im September haben auch die langersehnten Renovierungsarbeiten in unserem zukünftigen Heilsarmeezentrum, Tiltu gatve 18, begonnen. Einige arbeitsreiche Monate werden noch vor uns liegen, bis alle Räume benutzbar sein werden. In der Ecke des zukünftigen Kleiderlagers haben wir einen provisorischen Mehrzweckraum eingerichtet, der uns nun als Besprechungszimmer, Küche, Speisesaal, Büro, Unterrichts- und Gottesdienstraum dient.
Neben den Fachkräften aus verschiedenen Firmen wird ein Großteil der Arbeit von Rehabilitanden der Christlichen Suchtarbeit "Samarija" geleistet. Auch ehrenamtliche Helfer aus befreundeten Gemeinden haben schon mit Hand angelegt. Wir freuen uns über den guten Teamgeist und die Motivation unserer Helfer, die sich sicher sind: "Wir renovieren hier Gottes Haus."
Neu in unserem Angebot ist seit September auch ein Deutschkurs für Anfänger, der von ca. 10 Personen einmal wöchentlich besucht wird.
Ein besonderes Highlight für alle Beteiligten war die Teilnahme einer Gruppe von 17 Personen aus Klaipeda am Kongress der lettischen Heilsarmee, der vom 26.-27.10. in Riga stattfand. Wir haben erlebt, dass Gott das Kongressmotto und Gebet: "Send das Feuer" erhört hat! Wir alle wurden von Gottes Geist aufs Neue berührt. Viele aus unserer Gruppe trafen Entscheidungen und weihten ihr Leben Gott neu. Unser Bläserquartett trug zur musikalischen Umrahmung bei. Wir sind von Herzen dankbar für die Gastfreundschaft unserer lettischen Nachbarn. Die lange Fahrt und die gemeinsame Übernachtung in einer Sporthalle sorgten darüber hinaus dafür, dass es viel Zeit für Gespräche und Gedankenaustausch gab. Unser Anliegen ist es nun, dass das Feuer sich in Litauen weiter ausbreiten möge.
Bereits seit Mitte Oktober trifft sich der engste Mitarbeiterkreis an allen Wochentagen morgens zum gemeinsamen Gebet. Neu ist seit 1. November ein Gottesdienst am Freitagabend, der bisher von 16 bis zu 21 Personen besucht wurde.
Der Platz ist derzeit knapp und die Stühle auch, doch wir freuen uns an der Gemeinschaft und dem gegenseitigen Kennenlernen, das bei anschließendem Tee und einem kleinen Imbiss möglich ist. Wöchentlich wird dabei gerätselt, wo wir wohl Weihnachten feiern werden ...
Dezember 2002
Adventsereignisse in Klaipeda (Dezember 2002)
Besondere Tage gibt es für uns in Klaipeda viele. Der 6. Dezember 2002 war einer davon: Wir feierten unseren ersten "inoffiziellen" Gottesdienst im neuen Saal! Zwischen Leitern, Brettern, Werkzeugen und auf staubigen Stühlen freuten wir uns, dass Jesus Christus in eine Welt kam, in der nicht alles perfekt ist, um sie zu retten. Die Adventskerze und die 19 Besucher bezeugten mitten in unserem noch so unvollkommenen Saal, dass Jesus in diese Welt gekommen ist, um sie mit Licht und Liebe zu verändern.
Nur zwei Tage später, am zweiten Sonntag im Advent, versammelten sich über 50 Personen im Saal des Diakoniewerkes Sandora in Klaipeda, um von Majorin Erika Ammann Abschied zu nehmen.
Majorin Ammann lebte - mit Unterbrechungen - insgesamt mehr als vier Jahre in der Stadt in Litauen, in der vor einigen Jahrzehnten ihre Großeltern als Heilsarmeeoffiziere stationiert waren. Viele Jahre diente sie ohne offiziellen Auftrag hier bereits den Menschen, als noch nicht sicher war, ob die offizielle Aufnahme der Arbeit überhaupt erfolgen würde. Nach der Eröffnung des Korps Klaipeda im August 2001 unterstützte sie die damals neue Korpsoffizierin, Kapitänin Susanne Kettler, mit unermüdlichem Einsatz. Dass sie durch ihre Ausstrahlung, ihre Liebe und ihre Gebete vielen Menschen zur Wegweiserin wurde, war während der Abschiedsversammlung immer wieder zu hören.
Die Abschiedsversammlung wurde zum Treffpunkt der "ersten Generation" der neuen Arbeit in Klaipeda, den Besuchern der deutschen Bibelstunde und den Personen, die erst seit kurzer Zeit in Kontakt mit der Heilsarmee stehen. Ihnen allen war es ein Anliegen, Majorin Ammann für alle erwiesene Liebe zu danken und ihr für die Zukunft Gottes Segen zu wünschen.
Gäste vom "Nachbarkorps" Liepaja in Lettland und eine Gesangsgruppe der Christlichen Suchtarbeit "Samarija" überbrachten musikalische Segensgrüße.

In zahlreichen Grußworten und durch liebevoll ausgewählte Geschenke kam zum Ausdruck, dass Majorin Ammann eine große Lücke hinterlassen wird. Von Herzen gönnen wir ihr aber einen etwas ruhigeren Ruhestand!
Nun warten wir alle darauf, dass sie ihr Versprechen wahr machen wird, zur Einweihung des Heilsarmeezentrums nach dessen Renovierung anzureisen. Und wir hoffen auch, dass diese im Frühjahr 2003 stattfinden kann!