Die Trucker-Hilfe der Heilsarmee

Ein Herz für Fernfahrer

Bernd Treffkorn, Leiter der Heilsarmee-Truckerhilfe

„Warum tust du das? Warum kümmerst du dich um jemanden wie mich?“ So oder so ähnlich reagieren die meisten Fernfahrer, wenn ein Mitarbeiter der Trucker-Hilfe ihnen auf dem Rastplatz eine Tasse Kaffee vorbeibringt. Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass sich jemand für sie oder ihre Probleme interessiert. Dabei sind sie es doch, die dafür sorgen, dass unsere Ladenregale nicht leer bleiben.
Bernd Treffkorn, der die Trucker-Hilfe vor einigen Jahren mit seiner Partnerin Doreen Kleemann startete, weiß selbst, wie sich die Einsamkeit auf dem Rasthof anfühlt. Er lernte ursprünglich Kfz-Mechaniker, fuhr aber bis vor der Rente selbst noch weite Strecken als Beifahrer. Spanien, Frankreich, bis nach England – in dieser Zeit wurde der Autohof sein Zuhause. Mehr dazu erzählt der 64-jährige Rentner hier selbst:

An einem Wochenende vor fünf Jahren stand ich mit Doreen auf einem Rasthof in Süddeutschland. Wir schauten auf die Kolonnen von parkenden Lkws, sahen die Trucker in ihren Fahrerkabinen sitzen oder in Grüppchen zusammenstehen. Andere schlenderten mit dem Handtuch über der Schulter in Richtung Waschraum. „Die sind nun das ganze Wochenende getrennt von ihrer Familie“, sagte Doreen zu mir. „Wer kümmert sich um die Fahrer?“ Seit diesem Wochenende in Süddeutschland ließ uns ein Gedanke nicht mehr los: „Da ist eine Not. Wir müssen etwas tun!“ Naja, und so ist dann Schritt für Schritt unsere „Trucker-Hilfe“ entstanden.

„Woher? Wohin? Wie geht’s?“

Wir begannen die A13 zwischen Berlin und Dresden entlangzufahren, hielten auf Rastplätzen und besuchten Fernfahrer. Klar, am Anfang war es schon komisch, die Männer einfach so anzusprechen. Aber wir nahmen heißen Kaffee mit und boten ihn den Fahrern an. Dann kam man schnell ins Gespräch. Woher? Wohin? Wie geht’s? Über Gott und die Welt eben. Wir merkten, dass unser Interesse den Fahrern einfach gut tat. Es machte mich echt betroffen, zu hören, wie schlecht viele Fernfahrer über sich selbst denken. Und so bedankten wir uns bei ihnen, dass sie diesen Knochenjob machen. Da schauten die meisten verlegen weg. Das hören sie nicht oft.

Aber wir versuchen auch ganz praktisch zu helfen. Beispielsweise trafen wir einmal einen Mann, der war total abgebrannt. Er war seit Wochen unterwegs und hatte kein Geld mehr für die Standgebühr, Essen oder die Dusche. Wir sind dann mit unserem Auto mit ihm in den nächsten Supermarkt Einkaufen gefahren. Das war fast so etwas wie Nothilfe auf der Autobahn.

Mit dem Sattelschlepper zum Arzt?

Seit einiger Zeit unterstützt die Heilsarmee unsere Einsätze. An mittlerweile drei bis vier Tagen die Woche machen wir uns mit einer Ladung großer Kaffee-Pumpkannen und Suppe auf und legen dabei jeweils 400 bis 500 Kilometer zurück. Manchmal sind wir dabei gemeinsam mit Mitarbeitern und dem Einsatzwagen der Heilsarmee in Berlin unterwegs. Es kommt auch vor, dass wir einen Fahrer zum nächsten ärztlichen Notdienst bringen. Denn mit dem Sattelschlepper lässt sich schlecht vor der Arztpraxis parken. Sitzt ein Fahrer wegen einer Panne, einer Lenkzeitüberschreitung oder wegen unsachgemäßer Beladung längere Zeit fest, bietet die Heilsarmee Übernachtungsmöglichkeiten an. Und, wenn ich mal nicht unterwegs bin, stehe ich mit etwa 60 bis 80 Fahrern pro Woche per Funk und Telefon in Kontakt.

Inzwischen bin ich Mitglied der Heilsarmee in Guben. Die Heilsarmee und ich passen gut zusammen. Sie ist da, wo Not ist. Und die Trucker auf den Autobahnen in Deutschland haben eine echte Not. Viele erzählen uns von ihren seelischen Nöten, ihrer Einsamkeit. Wenn mich heute ein Trucker fragt: „Warum tust du das? Warum kümmerst du dich um jemanden wie mich?“, dann sage ich: „Gerade weil ihr so schlecht über euch selber denkt, wollen wir euch Anerkennung und Wertschätzung entgegenbringen und euch sagen, dass ihr von Jesus geliebt seid.“