Begegnungen mit Flüchtlingen aus der Ukraine

Klaipėda in Litauen

Das Korps Klaipèda holte Yana und ihre beiden Töchter, Anastasia und Oleksandra, in Polen ab.

Seit Anfang März 2022 gehört die Unterstützung von Kriegsflüchtlingen zum Tagesgeschäft der Heilsarmee in Klaipèda. Wir versorgen sie mit dem, was sie am Nötigsten brauchen: Lebensmittel, Hygieneartikel, Haushaltsgegenstände, Bettzeug, Schulmaterial und vieles mehr. Mittlerweile wurden und werden bereits mehr als 1000 Personen von uns betreut. Jeder Tag bringt logistische Herausforderungen und viele verschiedene Begegnungen mit sich. Vor uns stehen wohlgeschminkte und schön gekleidete Frauen, denen es wichtig ist, dass man ihnen den erlebten Schmerz, die neue unerwartete Mittellosigkeit und die Angst vor der Zukunft nicht ansieht. Vielen von ihnen fällt es schwer, plötzlich in der Bittsteller-Situation zu sein. Daher sind vor allem Gutscheine wie z. B. für unseren Second-Hand-Verkauf besonders beliebt. Vor allem unsere russischsprechenden Mitarbeiter hören viele schmerzhafte Erzählungen und sehen so manche Träne über die Wangen kullern.

Das Team der Heilsarmee in Litauen möchte allen Nöten der Kriegsflüchtlinge begegnen.

Da ist zum Beispiel Olga (62), die nur mit ihren Papieren und was sie man Leibe trug die Flucht aus dem Bombelhagel ergriff. Als sie in Klaipeda angekommen war, erfuhr sie, dass ihr bisheriges Wohnhaus komplett zerstört worden ist. Sie ist alleinstehend und fühlt sich nicht zuletzt auf Grund ihres Alters nirgendwo mehr gebraucht. Wer aus Mariupol geflohen ist, hat in der Regel keinen Ort mehr, an den er oder sie zurückkehren könnte.

Tetiana (48) arbeitet derzeit als Reinigungskraft im OP des Krankenhauses in Klaipèda.  Eigentlich ist sie Ärztin, doch ihre Dokumente sind in Litauen noch nicht anerkannt. Zusammen mit ihrem Mann, einem Chirurgen, der derzeit auf dem Bau tätig ist, hatten sie die Einweihung ihrer neu gekauften Wohnung in der Stadt Irpin gefeiert und waren danach nach Kiew zurückgekehrt. Am nächsten Morgen begann der Krieg und sowohl die neue Wohnung als auch das  Auto wurden durch Bomben zerstört. Um ihr Leben zu retten floh die Familie nach Litauen.

Yehor (26) war als professioneller Fußballspieler mit seinem Team in Litauen als der Krieg begann und sein Heimatort besetzt wurde. Vorerst bleibt er hier und hat bereits einen Club gefunden, der ihn unter Vertrag nahm.

Oleksii (27) war Schweißer bei Asovstal bis er durch den Krieg Arbeit und Wohnung verlor. Nachdem das Wohnhaus in Mariupole zerbombt wurde, floh er über besetzte Gebiete, Russland und Lettland nach Litauen. Er hat bereits schlecht bezahlte Arbeit gefunden, überlegt aber vielleicht sein Glück in Skandinavien zu versuchen. Ein Zuhause hat er nicht mehr.

Die fünfjährige Yana sucht sich eine Puppe aus den Spielsachen aus.

Nadiia (75) floh mit ihrer 55 jährigen schwerbehinderten Tochter, die sie seit deren Geburt pflegt, nach Litauen. Die Wohnung, die ihnen zwischenzeitlich überlassen wurde, müssen sie bald räumen. Durch die Behinderung der Tochter können sie nicht überall leben und auch nicht ohne Hilfe umziehen.

Lina (57) ist blind. Eine andere Frau begleitet sie und hilft ihr die Dinge auszusuchen, die sie für ihren vorübergehenden Haushalt in Litauen noch braucht.

Ivan war gerade vier Tage alt, als seine Eltern mit ihm und der fünf jährigen Schwester zu uns kamen, um die notwendigsten Haushaltsgegenstände und auch einige Spielsachen auszusuchen. Immerhin ist die Familie zusammen und nicht räumlich getrennt.

Yanas (5) Blick fiel sofort auf eine farbige Puppe, die sie voller Begeisterung an sich drückte. Das Strahlen im Gesicht des kleinen Mädchens verschwand sofort, als die Mutter ihr begründet durch eine Stauballergie verwehrte, die Puppe mitzunehmen. Tränen kullerten, bis die Mutter schließlich doch zustimmte und mit einem überglücklichen kleinen Mädchen unseren Saal verließ. Viele Kinder haben keinerlei Spielsachen mehr und oft auch keinen Raum zum Spielen. Daher soll unser Kinderclub für ukrainische Kinder auch eine Spieloase für sie sein.

Der ständige Wechsel von Zufluchtsorten in Litauen (Ferienwohnungen bringen im Sommer wichtige Einnahmen) sorgt dafür, dass Menschen auch hier nicht zur Ruhe kommen können und in ständiger Ungewissheit leben. Freien Wohnraum gibt es in Litauen nur noch auf dem Land, wo aber kaum Arbeitsplätze vorhanden sind. Wir versuchen die Menschen so gut wie möglich zu unterstützen und versorgen sie auch mit Bibeln und anderer christlichen Literatur in Ukrainischer Sprache. Weil sich alle Ukrainer einig sind, dass sie „bald“ nach Hause zurückkehren werden, suchen sie kaum den Kontakt zu Litauern sondern bleiben lieber erst einmal unter sich. Wir wollen ihnen vermitteln, dass Gott da ist und sie in ihrem Leid nicht vergessen hat, sondern Hoffnung und eine Zukunft für sie bereithält.

Lesen Sie mehr über die Ukraine-Hilfe der Heilsarmee

Einen Überblick über die Hilfsangebote der Heilsarmee für ukrainische Flüchtlinge erhalten Sie unter:

heilsarmee.de/nothilfe-ukraine

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