„Der Kleiderladen ist mein
zweites Zuhause“

Hanna, Ehrenamtlerin seit 24 Jahren

Ohne Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, wären viele unserer Angebote nicht möglich. Eine der Freiwilligen ist Waltraud Johanna, genannt Hanna, aus Solingen. Sie arbeitet schon seit 24 Jahren im Kleiderladen der Heilsarmee mit. Warum macht sie das? Wir waren vor Ort und haben nachgefragt.

Vor unserem Gespräch ist Hanna noch etwas nervös. Doch sobald die ersten Worte gewechselt sind, gewinnt ihre herzliche Art die Oberhand über die Aufregung und sie erzählt lachend aus ihrem Leben. Schon seit vierundzwanzig Jahren ist Hanna ehrenamtlich für die Heilsarmee in Solingen tätig. „Ich liebe es, mit anderen zusammenzuarbeiten und damit Menschen zu helfen“, sagt sie.  Am Anfang ihrer langen Karriere als Ehrenamtlerin stand aber der Wunsch, sich selbst zu helfen. 

Gutes für Andere und sich selbst tun

„Vor 24 Jahren ging es mir überhaupt nicht gut", erzählt sie, „Ich hatte mich gerade von meinem Mann getrennt, weil er mich lange schlecht behandelt und hintergangen hatte.“ Nun stand die Solingerin mit drei Kindern allein da und war sehr niedergeschlagen. Die Idee, sich bei der Heilsarmee zu engagieren, kam von ihrer Tochter. „Sie hatte damals eine Freundin bei der Heilsarmee und wusste, dass Freiwillige für den Kleiderladen gesucht wurden“, erinnert sich Hanna. Sie probierte das Engagement aus und war schnell Feuer und Flamme. „Die sinnvolle Beschäftigung hat mir richtig gutgetan und ich habe mich auch gleich mit einer anderen Ehrenamtlerin angefreundet." Hanna blühte auf, fand ihr Lachen wieder und fühlte sich so glücklich, wie lange nicht mehr. Daran hat sich 24 Jahre später nichts geändert. „Ich bin so froh, dass ich bei der Heilsarmee arbeiten kann“, sagt Hanna heute. „Das hat mir so sehr geholfen, und ich liebe es, jetzt anderen Menschen zu helfen."

Hanna (links) zusammen mit Heike Oesterlen, Leiterin des Kleiderladens

Die Kunden schütten Hanna ihr Herz aus

Mit einer Dienstzeit von vierundzwanzig Jahren ist Hanna im Freiwilligenteam des Solinger Kleiderladens „Zweite Chance“ am längsten dabei. Leiterin Heike Oesterlen weiß genau, was sie an der tollen Ehrenamtlerin hat. „Hanna ist zu hundert Prozent zuverlässig", erklärt Heike Oesterlen. „Sie hat in den vielen Jahren ihres Engagements ein großes Vertrauensverhältnis zu unseren Kunden aufgebaut und kann gute Gespräche mit ihnen führen. Manche schütten ihr regelrecht das Herz aus." Hanna lächelt und ergänzt: „Ich bin meist fröhlich und das merken die Kunden auch. Ich spreche sehr gern bei einer Tasse Kaffee mit ihnen; das tut ihnen und mir gut. Ich treffe auch viele Kunden in der Stadt, die mich dann wiedererkennen, und dann setzen wir uns hin und sprechen miteinander."

Doch es gibt auch schwierige Momente. Vor ein paar Wochen stritten sich zum Beispiel zwei Kunden um ein Paar Schuhe. In solchen Fällen holt Hanna Heike Oesterlen dazu, damit sie die schwierige Situation zu Zweit klären können. „Ich bleibe immer freundlich und möchte, dass die Menschen sich bei uns im Kleiderladen wohl fühlen“, betont Heike Oesterlen. „Einen solchen Streit versuchen wir dann, für alle gut zu klären." In diesem Fall führte das dazu, dass die Schuhe ganz aus dem Verkauf genommen wurden. So fühlte sich keiner der Interessenten benachteiligt.

Das Team des Kleiderladens „Zweite Chance" in Solingen

Im Kleiderladen herrscht echter Teamgeist

Neben Leiterin Oesterlen und Hanna gehören dem Kleiderladenteam noch zwölf weitere Frauen an, die alle ehrenamtlich tätig sind. Das Arbeitsklima ist bestens: Morgens frühstücken die Kolleginnen oft zusammen und auch gemeinsame Aktionen und Ausflüge stehen regelmäßig auf dem Programm. „Ich freue mich immer, wenn ich Dienst habe und hierherkommen kann", sagt Hanna. „Es arbeiten so viele nette Frauen hier und wir verstehen uns alle einmalig!" Während Hanna über die gegenseitige Wertschätzung im Team spricht, kommen ihr fast die Tränen. Liebevoll nennt sie den Kleiderladen ihr „zweites Zuhause".

Wenn Hanna nicht im Kleiderladen ist, versorgt sie ihre zwei Wellensittiche, trifft sich mit Freundinnen oder hilft in der Suppenküche der Heilsarmeegemeinde aus. „Das ist auch eine so wundervolle Arbeit. Die Menschen sind so dankbar, wenn sie etwas zu essen bekommen." Hanna liebt ihre ehrenamtliche Tätigkeit und bezeichnet sie nicht als Arbeit, sondern als Freude. Eine Freude, die sie an andere Menschen weitergibt - und die ihr auch selbst unglaublich guttut.

Zurück