Fairer Kaffeeklatsch

1 Jahr Café Leuchtturm in Osnabrück

Vor einem Jahr eröffnete die Heilsarmee das Café Leuchtturm in Osnabrück.

Im Osnabrücker Johannisquartier eröffnete die Heilsarmee vor einem Jahr das Café Leuchtturm. Für Menschen mit wenig Geld ist der christliche Ort ein Segen. „Viele entdecken uns zufällig - und bleiben“, sagt die Heilsarmee-Offizierin Silvia Berger.

Der alte Mann im Rollstuhl gehört hier fast schon zum Inventar. Jeden Tag ist er unterwegs, sammelt Pfandflaschen in der Stadt – und kehrt schließlich im Café Leuchtturm ein. Für 1,50 Euro bestellt er einen Cappuccino, dazu ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte für 2,50 Euro. Die hat Silvia Berger selbst gebacken. Es ist ein kleines Ritual, das viel über diesen Ort erzählt.

Das Café Leuchtturm im Osnabrücker Johannisquartier ist kein gewöhnliches Café. Es ist Treffpunkt für Menschen mit wenig Geld, für Bedürftige, Rentner, Wohnungslose – und für alle, die Gemeinschaft suchen. Immer wieder kommen neue Gäste herein, freuen sich über die gute Atmosphäre - und kehren zurück.

Zeit für Gespräche

Neben Kaffee und Kuchen gibt es hier vor allem eines: Zeit. Zeit für Gespräche, für Begegnung, für ein Miteinander. Für Kinder gibt es sogar eine Spieleecke. „Die Ecke wird gut angenommen“, sagt Berger. „Doch wir müssen noch mehr dafür tun, dass junge Familien zu uns kommen. Wir denken über verschiedene Konzepte nach.“

Das Café hat von Donnerstag bis Samstag geöffnet. Gemeinsam mit einer Halbtagskraft organisiert Berger den Betrieb. „Das ist viel Arbeit, da ich auch backe", sagt sie. „Wir benötigen dringend eine ehrenamtliche Unterstützung."

Das Umfeld im Johannisquartier ist prekär. Wer aus der nahegelegenen Innenstadt kommt, passiert Nagelstudios, Imbisse, Ein-Euro-Läden und sogar eine Table-Dance-Bar. Doch das Café ist gut vernetzt. „Die hauptsächlich muslimische Nachbarschaft, in der Regel Syrer, steht uns positiv gegenüber“, berichtet Berger. „Sie finden es toll, dass es uns gibt, und haben sogar Hilfe angeboten, wenn es zu brenzligen Situationen kommt.“ Auch mit der deutschen Kneipe nebenan verbindet das Café ein gutes Verhältnis. „Man hilft und schätzt sich.“

Menschen sollen Jesus begegnen

Nicht immer verläuft der Alltag reibungslos. Im vergangenen Jahr kam es auch zu Vorfällen mit unangenehmen Gästen. Einmal musste sogar die Polizei kommen. Doch das Team lässt sich davon nicht entmutigen. Jede Woche trifft sich ein Kreis, um für die Belange des Cafés zu beten.

Mittlerweile kommen Christen aus verschiedenen Gemeinden gezielt vorbei, um mit Gästen ins Gespräch zu kommen. Einige besuchen inzwischen auch Gottesdienste. „Das ist und war mein Ziel von Beginn an“, sagt Berger. „Menschen sollen Jesus begegnen und von ihm erfahren.“ Es entstünden viele gute Gespräche, erzählt sie – oft auch nach dem Gottesdienst am Sonntag bei einer Tasse Kaffee.

Seit einiger Zeit findet einmal im Monat am Samstag ein Spieleabend statt und alle zwei Monate trifft sich ein Stammtisch, bei dem gesellschaftspolitische Themen diskutiert werden. Ein besonderer Moment war im letzten Jahr die Weihnachtsfeier. Für 40 Menschen war gedeckt, mit viel Liebe gekocht. „Mit bangen Blicken zur Tür und großer Hoffnung standen wir bereit“, erinnert sich Berger. Dann kamen die Gäste – mehr als erwartet. Es wurde zusammengerückt, und am Ende reichte das Essen für alle. „Ich war sehr bewegt“, sagt sie. „Der Raum wurde immer voller.“

Das Leuchtturm-Café ist Teil der Arbeit der Heilsarmee in Osnabrück und zugleich eine Rückkehr zu ihren Ursprüngen. Schon zwischen 1927 und 1933 befand sich in derselben Straße das erste Korps in Osnabrück.

Viele Unterstützer aus der Stadt

Die Osnabrücker Bürger unterstützten das heutige Café von Anfang an: Die Vermieter renovierten die Räume und bauten eine behindertengerechte Toilette ein. Die Gerhard-Kuhlmann-Stiftung half mit einer Anschubfinanzierung, die Bünemann-Stiftung stellte Mobiliar zur Verfügung, Wulfhorst-Heiber Stiftung Bielefeld liefert Lebensmittel und Sachspenden.

Heute ist das Café Leuchtturm ein Ort, an dem sich Menschen begegnen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Und mittendrin: der Mann im Rollstuhl, der Kaffee, selbstgebackenen Kuchen und Gespräche genießt.

 

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