Geheimtipp - nicht nur für Bedürftige
Im Café Salut können sich Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten begegnen. Wie lange noch?
„Begegnungsstätte Salut" steht auf dem alten schmiedeeisernen Schild am Rande der Lübecker Altstadt. Ist das hier ein Verein für die deutsch-französische Freundschaft? Rosemarie Scharf, die Leiterin der Heilsarmee in Lübeck, lacht. Sie weiß auch nicht genau, wer auf die Idee gekommen ist, den Namen des Cafés aus dem französischen „Armee du Salut" (Heilsarmee) herzuleiten. Auf jeden Fall klingt „Salut" freundlich und irgendwie unkonventionell.
Die Lübecker machen sich über die Herkunft des Namens wenig Gedanken. Das Café an der Untertrave, das sich in einem alten Hochbunker befindet, gehört mittlerweile zum Nachkriegs-Inventar der Hansestadt. Seit 20 Jahren bietet der Ort nicht nur ein günstiges Mittagessen und Getränke an. Das Café ist auch ein Ort der ungezwungenen Begegnung.
Friederike Kruner, Sozialarbeiterin im Männerwohnheim der Heilsarmee, das nur ein paar Häuser weiter liegt, bringt es auf den Punkt: „Das Besondere am Café ist, dass sich Menschen begegnen, die sich sonst nicht begegnen würden." Der Bauarbeiter wechselt ein paar Worte mit der Rentnerin beim Mittagessen, die Nachbarin kommt zum Kaffee vorbei, der Busfahrer hält einen Plausch mit der Bedienung hinter der Theke und der Möbelpacker raucht mit einem Obdachlosen eine Zigarette am Eingang. Das Salut sei erstmal ein Anlaufpunkt, so Kruner. Hier werde niemand mit Sozialarbeit überfallen.
„Ich gehe gern zur Arbeit.”
Rund 100 Mittagessen gibt es hier jeden Tag. Klaus, der Koch, steht in der kleinen Küche und brät Hühnchenstücke in einer großen Pfanne, nebenan kocht Reis. Klaus ist eigentlich kein Koch. Der gelernte Tischler lebte lange Zeit auf der Straße. Ein Schicksalsschlag hatte den Berliner aus dem Leben geworfen. Im Wohnheim der Heilsarmee konnte er wieder Fuß fassen. Jetzt arbeitet er in der Küche des Begegnungscafé. „Ich gehe gerne zur Arbeit. Und die Gesichter der Gäste, der Kunden, das ist wie ein Geschenk. Das kann man gar nicht bezahlen." Der Koch wird das Männerwohnheim in Kürze verlassen. Er hat in Lübeck endlich eine Wohnung gefunden - dank seiner Stelle im Salut.
Neben der Theke sitzt Liane. Sie hat ihren Stammplatz am Fenster mit Blick auf die Trave. Sie freut sich auf das Hühnerragout mit Reis zum Preis von 2 Euro. Liane kommt aus dem ehemaligen Osten der Republik. Mit der kargen Rente - sie hat in der Fleischindustrie gearbeitet - kommt sie kaum über die Runden. Mehr als die Hälfe geht für die Miete drauf. „Wo haben wir denn noch was für die armen Leute?", klagt die Frau mit den langen grauen Haaren: „Alles wird zugemacht."
Leider steht auch das alteingesessene Begegnungszentrum auf der Kippe. Die hohen Personalkosten machen Rosi Scharf besonders zu schaffen. Die Stadt will den Zuschuss kürzen. „Wir brauchen unbedingt Spenden", sagt sie. Das Café sei besonders für Bedürftige sehr wichtig. „Hier geht es nicht nur ums preiswerte Essen - sondern auch um Teilhabe und Geborgenheit."
Auch Herbert gehört zu den Stammgästen. Der ehemalige Busfahrer, ein waschechter Lübecker, trinkt hier morgens seinen Kaffee. Er genießt die freundliche Atmosphäre bei der Heilsarmee „Die geben sich hier wirklich viel Mühe. Also besser kann das nicht gehen", betont er. Das Café dürfe auf keinen Fall schließen.
Lebensmittel von der Tafel
Nach dem Mittagessen parkt ein Lieferwagen vor der Tür. Kartons mit Obst, Gemüse und Brötchen wechseln den Besitzer. Einmal in der Woche gibt es hier Lebensmittel von der Tafel. Eine Handvoll Menschen hat sich im Gastraum versammelt. Sie warten geduldig darauf, dass Rosi Scharf ihre Nummer aufruft. Diesmal gibt es eine besondere Zugabe: Jemand hat Lübecker Marzipan für die Bedürftigen gespendet.
Auch für viele Anwohner ist die Begegnungsstätte ein Gewinn im Viertel. Oberhalb des Cafés wohnt Joanne, eine junge Frau: „Das ist einfach schön anzusehen. Die Leute lachen, haben Spaß und das finde ich sehr wichtig in dieser schwierigen Zeit." Direkt gegenüber ist das Speiserestaurant „Fangfrisch"- eine gute Adresse in Lübeck. Fühlen sich die Restaurant-Gäste vom Salut gestört? Im Gegenteil, sagt Tristan Wilcken, Mitinhaber des Restaurants: „Wir ergänzen uns gut, da ist immer jemand vor Ort, die haben einen Blick auf unser Restaurant", sagt er. Und die Begegnungsstätte sei eine gute Sache für Lübeck und für die bedürftigen Menschen, die hier im Umfeld natürlich auch eine Anlaufstelle brauchen. Das Restaurant „Fangfrisch" unterstützt die Einrichtung zum Beispiel mit Lebensmittel: „Wenn wir Weihnachten zum Beispiel schließen, dann räumen wir unsere Kühlhäuser, gehen nochmal rüber und fragen: Braucht ihr was, wollt ihr was haben?"
Für die Lübecker Bürger und die Anwohner im Viertel ist das Salut nicht nur ein erfolgreiches Sozialprojekt. Es ist ein kleiner Geheimtipp. Denn das Café mit dem französischen Namen serviert eine typisch deutsche Spezialität in bester Qualität: Currywurst mit Pommes.