Gott hilft auch im Kletterwald

Wenke Wanke im Kletterwald

Ein Kletterwald ist kein idealer Ort für Menschen mit Höhenangst. Das merkte auch Wencke Wanke. Hoch oben zwischen Bäumen und Seilen steht die Offizierin auf einem Parcours – deutlich höher, als ihr lieb ist. Eigentlich wollte die Pastorin mit den jüngeren Kindern im Park unterwegs sein. Doch ein 13-jähriges Mädchen hat sie gebeten, gemeinsam die zweithöchste Strecke des Parks zu bewältigen. Wencke Wanke hat zugestimmt. Nun sind ihre Hände klamm, sie schwitzt und die Angst wächst. Dann rufen die Kinder von unten zu ihr hinauf: „Wencke, hab keine Angst. Gott ist bei dir!“

Es ist eine Szene, die viel über die Kinder- und Jugendarbeit des Korps Guben erzählt. Hier geht es nicht nur darum, junge Menschen zu beschäftigen. Wencke Wanke und ihr Team trauen den Kindern und Jugendlichen etwas zu und schaffen eine Atmosphäre,  in dem der christliche Glaube gelebt wird.

Riesen-Mikado und Wasserschlachten

Im Korps Guben bietet das Heilsarmee-Team Woche für Woche ein Programm mit vielen kleinen Highlights: Riesen-Mikado, Wasserschlachten, eine Theatergruppe, Volleyball, Graffiti-Aktionen, gemeinsames Backen und oder eine selbstgemachte Limonade locken die Kinder und Jugendlichen in den Treff.  Der christliche Glaube ist dabei kein zusätzliches Programm, das den jungen Menschen übergestülpt wird. Er gehört für das Team selbstverständlich dazu. Jeden Nachmittag um 16 Uhr gibt es bei einer gemeinsamen Vesper ein Gebet. Alle zwei Wochen findet ein christliches Mitmachprogramm mit Liedern, Spielen und Aktionen statt. Auch biblische Geschichten werden erzählt - kindgerecht, kreativ und mit viel Raum für Fragen. Zu Weihnachten wird natürlich ein Krippenspiel aufgeführt und zu Ostern die Passionsgeschichte nachgespielt: Im letzten Jahr schlüpfte sogar ein muslimischer Schüler in die Jesus-Rolle.

„Wir leben unseren Glauben, weil wir davon begeistert sind”, sagt Wanke. „Wir zeigen den Kindern, wie schön ein Leben mit Gott sein kann.“ Gerade in einer bunt gemischten Kindergruppe ist das eine besondere Herausforderung. In der Grenzstadt Guben begegnen sich deutsche, polnische, russlanddeutsche und muslimische Kinder. Viele wachsen ohne einen religiösen Bezug auf. Für muslimische Familien dagegen ist es ein großer Vertrauensbeweis, ihre Kinder in einen christlichen Kinder- und Jugendtreff zu schicken. Wencke Wanke weiß das zu schätzen. Sie achtet zum Beispiel darauf, dass bei den Freizeiten kein Schweinefleisch serviert wird.

Gleichzeitig entstehen in der buntgemischten Gruppe immer wieder natürliche Gespräche über den Glauben. „Auf der Ferienfahrt wurde beispielsweise darüber gesprochen, wer Jesus ist und warum Christen in ihm mehr als nur einen Propheten sehen“, berichtet Wanke. Die Kinder und Jugendlichen erleben, dass auch unterschiedliche Ansichten und Traditionen nebeneinander Platz haben können. Oft sind es die Kinder selbst, die solche Gespräche anstoßen. Ein muslimischer Junge erzählte, dass er nachts häufig Angst habe. Auf der Reise habe er aber besonders gut geschlafen, weil die Gruppe vorher gemeinsam gebetet habe.

Glaube und Gemeinschaft verbinden und tragen die Menschen. Die Szene im Kletterwald zeigt das besonders eindrücklich: Diesmal ist es nicht die Pastorin, die den Kindern Mut macht. Es sind die Kinder, die ihr zurufen, was sie selbst im Treff immer wieder erfahren: „Gott ist bei dir.“

 

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