Helferin auf Abruf

Heilsarmee-Katastrophenhelferin Damaris Frick im Interview

Damaris Frick während eines Einsatzes beim Hurrikan Melissa in der Karibik, Foto: Damaris Frick

Ob Pakistan, Nepal oder Kuba: Damaris Frick ist vor Ort, wenn Menschen durch Erdbeben, Stürme oder Brände ihr Zuhause verlieren. Die Deutsche leitet die Internationale Katastrophenhilfe der Heilsarmee in London.

Als Damaris Frick Anfang 2006 zu ihrem ersten Einsatz nach Balakot, einer Stadt in Pakistan, reist, steht das Land unter dem Schock eines verheerenden Erdbebens. Viele Menschen haben Angehörige verloren, Häuser sind zerstört, ganze Dörfer verschwunden. Inmitten dieser Tragödie erlebt sie einen Moment, den sie nie vergessen wird: Eine ältere Frau bittet Frick in ihr Zelt. Sie holt ein altes Bügeleisen hervor, glättet sorgfältig einen Schal und überreicht ihn der jungen Helferin. „Die Frau besaß nichts mehr. Und trotzdem wollte sie Danke sagen. Das hat mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Frick.

Geboren in Karlsruhe und aufgewachsen in Stuttgart hatte Frick ursprünglich keinen Bezug zur Heilsarmee. Erst während eines Freiwilligen Sozialen Jahres beim Begegnungscafé „Insel“ in Freiburg, wo sie mit obdachlosen Menschen arbeitete, entdeckte sie ihr Interesse an sozialer Arbeit. Während ihres Studiums engagierte sie sich weiterhin ehrenamtlich bei der Heilsarmee. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie fünf Jahre als Sozialarbeiterin in einem Jugendcafé der Heilsarmee in Chemnitz.

Doch ihr Blick ging bald über Deutschland hinaus. Als sich die Möglichkeit bot, mit der Heilsarmee in Pakistan zu helfen, meldete sie sich freiwillig. Drei Monate lang arbeitete sie in einem Gebiet, das von Erdstößen schwer erschüttert worden war. „Die ersten Schritte sind bei den meisten Einsätzen sehr ähnlich“, berichtet sie: Nahrung, Decken, Zelte und Medikamente fehlen. „Erst wenn diese Grundbedürfnisse gedeckt sind, beginnt der Wiederaufbau.“

Perspektiven für Pakistan

In Pakistan half die Heilsarmee, den Menschen eine Perspektive zurückzugeben. Schneiderwerkstätten für Frauen, die ihre Männer bei der Katastrophe verloren hatten, standen auf der Liste. Auch der Neubau einer Schule gehörte zu den Projekten. Dabei koordinierte Frick viele Details: Lagen alle Genehmigungen vor? Kam das Baumaterial rechtzeitig an? „Wir mussten darauf achten, dass die Schule nicht nur für Jungen, sondern auch für Mädchen geöffnet wird“, erklärt sie. Das sei keine Selbstverständlichkeit gewesen. Zudem musste jeder Schritt für die Spender dokumentiert werden.
Humanitäre Hilfe sei immer Teamarbeit, betont Frick. Vor Ort arbeiten internationale Hilfswerke, Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen zusammen. „In regelmäßigen Treffen wird dann abgestimmt, wer welche Aufgaben übernimmt“, so Frick. Oft koordiniert das Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) die Hilfen. OCHA ist Teil des Sekretariats der Vereinten Nationen. Im Falle einer humanitären Notsituation soll es die nationalen und internationalen Akteure so anleiten, dass die Hilfsleistungen ein Höchstmaß an Effizienz erreichen.

Globale Familie

Seit 2006 gehört Damaris Frick zum Team der Internationalen Katastrophenhilfe der Heilsarmee in London. Heute leitet die 53-Jährige als Direktorin die Einsätze. Ihre Arbeit hat sie in viele Teile der Welt geführt: In Chile unterstützte die Heilsarmee nach schweren Waldbränden die technische und finanzielle Hilfe, in Jamaica und Kuba half sie nach einem Hurrikan, in Myanmar und Nepal nach heftigen Erdstößen.

Besonders eindrucksvoll war für Damaris Frick der Einsatz in Nepal. Viele Dörfer lagen in abgelegenen Regionen und konnten nur mit Hubschraubern erreicht werden. Beim Flug über die schneebedeckten Berge sei ihr bewusst geworden, wie schön die Welt ist – trotz aller Tragödien. „Wir können Katastrophen nicht rückgängig machen. Aber ich kann das Leid der Menschen ein wenig lindern und ihnen ihre Würde zurückgeben“, betont sie. „Das ist für mich ein Privileg.“

Aus ihren Erfahrungen im Ausland hat sie eine wichtige Erkenntnis gewonnen: „In schwierigen Situationen zeigen sich Menschen oft von ihrer besten Seite.“ Und egal, wo sie im Einsatz ist – die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen seien überall gleich: Dazu gehöre die Sicherheit, die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten und eine gute Zukunft für die Kinder. „Die Menschheit ist stärker verbunden, als viele denken“, sagt sie. „Wir sind eine globale Familie.“

 

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