Hunde müssen nicht draußen bleiben

Für obdachlose Menschen ist ein Hund oft ein wichtiger Halt.

Christopher und sein Hund Little Bit haben im Jakob-Junker-Haus der Heilsarmee in Hamburg ein sicheres Zuhause auf Zeit gefunden.

Wir müssen leider draußen bleiben: Der traurig blickende Hund auf dem Blechschild an der Pforte lässt keine Zweifel offen: Obdachlose mit Hunden können hier, in der Notschlafstelle, nicht übernachten. Auch in vielen Wohnheimen für Wohnungslose ist der Zutritt für Vierbeiner verboten. Die Heilsarmee geht einen anderen Weg: In Hamburg, Berlin und Göttingen sind Hunde willkommen.

„Der Hund muss sozial verträglich sein, was aber bei den allermeisten Hunden von obdachlosen Menschen der Fall ist”, sagt Maren Siewert, die das Jakob-Junker-Haus an der Borsteler Chaussee in Hamburg leitet. Sie hat im Hof des Gebäudes 16 Wohncontainer für Menschen aufgestellt, die auf der Straße mit ihrem Hund unterwegs sind. „Bislang hätten sie nur gute Erfahrungen gemacht“, versichert sie. Die Herrchen müssen sich allerdings verpflichten, für den Fall der Abwesenheit - zum Beispiel bei einem Krankenhausaufenthalt – eine Kontaktperson zu benennen, die bereit ist, sich um den Hund zu kümmern. „Wir wollen die Hunde nicht ins Tierheim schicken”, betont Maren Siewert, die ebenfalls einen Hund besitzt.

Tiere sind Teil des Menschen

Auch im William-Booth-Haus in Berlin-Wilmersdorf, einem Wohnheim für Wohnungslose und psychisch Erkrankte, sind Haustiere erlaubt. „Wir bitten die Bewerber, den Hund zum Gespräch mitzubringen. So können wir sehen, wie er mit dem Tier umgeht”, erklärt Irena Thurmann, die Leiterin der Einrichtung. „In der Regel sind die Hunde gut gepflegt, oft besser als das Herrchen.” 102 Menschen, überwiegend Männer, werden vom William-Booth-Haus betreut. Viele Bewohner leiden unter psychischen Erkrankungen. Für sie könne der Kontakt zu einem Vierbeiner sogar Teil der Therapie sein, sagt Thurmann. Trotzdem müssen die Tiere in den öffentlichen Bereichen des Hauses, im Flur und in der Küche zum Beispiel, angeleint sein. Auch ein Maulkorb sei notwendig. Schließlich gebe es auch Bewohner, die Angst vor Hunden haben. „Zu Spitzenzeiten haben wir hier bis zu fünf Hunde im Haus”, sagt Thurmann. „Die Tiere sind Teil des Menschen“, resümiert Thurmann. „Wenn der Hund erkrankt ist, leidet der Besitzer mit”, sagt sie. Auch die Mitarbeiter der Einrichtung sind besorgt, wenn der Pinscher keinen Appetit hat oder der Schäferhund humpelt.

Für obdachlose Menschen sind ihre Hunde weit mehr als ein Vierbeiner für die Gassi-Runde: Sie sind Familie, Vertraute und ein verlässlicher Halt im täglichen Überlebenskampf. In der Nacht schützen sie vor Angriffen und Diebstählen. Am Tag stabilisieren sie den Alltag, geben ein Gefühl von Struktur und sind oft auch ein Anlass für Gespräche mit Passanten.

Seit mehr als 10 Jahren arbeitet Jeanette Wedekind in der Obdachlosenhilfe in Göttingen. „Ich musste früher die Menschen mit den Hunden wegschicken. Das tat sehr weh”, erinnert sie sich. Seit Anfang des Jahres leitet sie das Wohn- und Übernachtungsheim für Manner und Frauen der Heilsarmee in Göttingen. „Wir sind weit und breit die einzige Einrichtung, die auch Hunde aufnimmt”, so Wedekind. Das habe sich in Göttingen herumgesprochen. In den Einzelzimmern stehen sogar ein Hundekorb und ein Fressnapf. Ist das nicht ein bisschen übertrieben? Nein, sagt Jeanette Wedekind. „Hunde und Herrchen sind doch eine Einheit, das müssen wir bei unserem Angebot berücksichtigen.“

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