Interview mit dem künftigen General

Brian Peddle, der am 3. August 2018 das Amt des Leiters der internationalen Heilsarmee (General) antreten wird, im Gespräch mit dem internationalen Kommunikationssekretär, Oberstleutnant Brian Venables.

Brian Peddle, der am 3. August 2018 das Amt des Leiters der internationalen Heilsarmee (General) antreten wird, im Gespräch mit dem internationalen Kommunikationssekretär, Oberstleutnant Brian Venables.

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Oberstleutnant Brian Venables: Wir haben einen recht guten Überblick über Ihre Geschichte mit der Heilsarmee, möchten aber etwas über Sie erfahren. Was begeistert Sie? Was motiviert Sie, morgens aufzustehen? Was stimmt Sie froh?

Kommandeur Brian Peddle: Was mich morgens aus dem Bett bringt? Schlaf und Erholung sind notwendig, doch es fällt mir leicht, einen neuen Tag anzugehen. Ich wache mit drei Gedanken auf ... Zuerst hoffe ich, dass es meiner Familie gut geht, dann hoffe ich, dass es der Heilsarmee gut geht, und schließlich hoffe ich, dass es der Welt gut geht – und all das, bevor der erste Kaffee gekocht wird. Dazu überprüfe ich die sozialen Medien. Als internationaler Leiter bin ich mir durchaus bewusst, dass die halbe Welt ihren Tag erst beginnt, während meiner bereits zu Ende ist. Ich finde den Gedanken faszinierend, dass die Heilsarmee rund um die Uhr aktiv ist. Mir ist bewusster als je zuvor, dass die Sonne über der Heilsarmeefahne nie untergeht.

Mich begeistert die fortwährende Realität, dass Menschen sich in der Mission engagieren und die dynamische Aktivität der Heilsarmee weitergeht ... das Evangelium wird gepredigt, leidende Menschen bekommen Hilfe, Strategien werden geplant, Schulen öffnen für Kinder, eine mobile Klinik rollt in eine bedürftige Kommune oder eine Mahlzeit wird serviert. Was mich motiviert, morgens aufzustehen, ist das Wissen, dass die Heilsarmee nicht geschlafen hat – sie ist ein lebendiger Organismus und ich wende mich ihr zu, sobald ich aufwache. Das finde ich ziemlich inspirierend.

Hören Sie viele gute Geschichten?

Meine Inspiration kommt von den guten Geschichten, die mich daran erinnern, dass die Welt klein und sehr interaktiv ist. Ich bin privilegiert und habe täglich eine Armee vor Augen, die ihren geistlichen Fußabdruck in der Welt in größtmöglichem Umfang nutzt. Ich staune immer wieder über das, was Gott tut. Gleichzeitig gibt es auch viele Tage, an denen ich mir um einen Teil der Heilsarmeewelt Sorgen mache, in dem es Konflikte gibt, oder eine Naturkatastrophe, oder in dem einige unserer Leute in Gefahr sind. Dann bete ich dafür. Wir sind in 128 Ländern aktiv und damit weist fast jede Schlagzeile in den Nachrichten auf die Tatsache hin, dass unsere Leute auch dort sind und manchmal mitten in ihrem eigenen Leid anderen dienen. Das ist die Unbeständigkeit der Welt, in der wir leben. Ich glaube, da gibt es viel Raum, nicht nur Gottes Treue zu feiern, sondern auch zum Beten für manche der Herausforderungen, vor denen Menschen stehen, und für die Umstände, die sie umgeben.

Welche Beziehungen sind Ihnen am wichtigsten?

Ich danke Gott jeden Tag für meine wachsende Beziehung zu ihm. Ich bin mir einfach seiner Gegenwart bewusst, und dass mein Weg ein beständiges Abenteuer mit dem Allmächtigen ist. Ich verstehe heute, was es heißt, in dieser Welt zu leben, und tue es nach wie vor im aktiven Bewusstsein der Gegenwart Gottes. Als Nächstes kommt die Familie. Meine Frau Rosalie ist seit 40 Jahren ein zentraler Mittelpunkt und seit dieser ganzen Zeit teilen wir eine Dienstgemeinschaft, die unglaublich erfüllend ist. Natürlich beschäftigt uns beide die weitere Familie und der Kontakt zu unseren beiden Töchtern, den Schwiegersöhnen und den fünf Enkelkindern. Unser Tag endet gewöhnlich mit FaceTime. Dann kommen sie gerade von der Schule nach Hause oder brechen zu Abendveranstaltungen auf. Die beste Zeit des Tages ist, wenn der Bildschirm zum Leben erwacht und ich die Worte höre: „Poppy, ich möchte dir etwas zeigen.“ Wir bleiben miteinander verbunden, obwohl wir nicht oft zusammen sind. Ich gebe zu und möchte alle darauf hinweisen, dass das Leben manchmal so schnell abläuft, dass persönliche Bedürfnisse eine Herausforderung darstellen. Wir versuchen sehr bewusst Zeit für andere zu finden.

Da haben Sie sich einiges vorgenommen.

Sie sind eben alle wichtig!

Wie sind Sie zur Heilsarmee gekommen?

Das war eine interessante Zeit im Leben meiner Familie. Ich verdanke es meiner Mutter und meinem Vater, die keine Salutisten waren, aber etwas unzufrieden mit dem, wie es in ihrer örtlichen Kirchengemeinde lief. Im Gehorsam gegenüber Gott begannen sie zur Heilsarmee zu gehen, und manchmal kam ich mit. Bald fanden sie einen wirklich guten Platz in der Heilsarmee, wo sie willkommen geheißen und angenommen wurden. Ehe ich mich versah, gingen WIR hin!

Ich war sofort begeistert von der Musik, von lebendigen Predigten ... Ich erinnere mich bis heute an die lebhaften und begeisternden Predigten und merkwürdigerweise erinnere ich mich auch an Zeugnisse. Ich war eine sehr ruhige, feierliche Liturgie gewohnt.

Ich gestehe, dass ich fasziniert war und von den Korpsoffizieren und Menschen, die Gottes Liebe und echtes Interesse an uns zeigten, hineingenommen, herzlich aufgenommen und angenommen wurde. Vor einem Monat hatte ich das Vorrecht, dieses Korps, Trinity Bay South, in Kanada wieder zu besuchen, um die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Jubiläum zu leiten. Ich kann nur sagen, dass Gott treu ist.

Neben dem Familiengottesdienst gab es noch andere Möglichkeiten mitzumachen. Waren Sie in den Musikgruppen aktiv oder bei den Korpskadetten [Jüngerschaftsprogramm für Teenager]?

Nein, das meiste davon habe ich verpasst, da ich erst mit 14 oder 15 Jahren dazukam. Ich hatte manches Prägende ausgelassen, das viele unserer Salutisten mitbekommen, die als Kinder in der Heilsarmee aufwachsen. Seltsamerweise war das nie ein Thema. Ich wurde bald Heilssoldat und danach dauerte es nicht lange, bis ich eine Berufung zum Offiziersdienst wahrnahm, die ich nicht ablehnen konnte. Der Rest ist Geschichte. Jetzt darf ich diese unglaubliche Armee leiten, die mir Raum und ein geistliches Zuhause gab, als ich ein unsicherer Teenager war.

Und Ihre Kinder? Die waren doch bei den Juniorsoldaten und Korpskadetten dabei.

Als Offiziersfamilie erinnern wir uns besonders an zwei Korps, in denen unsere Mädchen durch wunderbare Menschen gefördert und betreut wurden, die bis heute unsere Freunde sind. Sie haben bei allen Programmen mitgemacht, die ihnen das Geschenk der Musik vermittelten, zu ihren Leitungsfähigkeiten beitrugen und ihre Glaubensentwicklung stärkten. Es war wunderbar und lohnend. Eines meiner Anliegen ist, wie wir unseren jungen Leuten helfen, in der heutigen Welt als Jünger Jesu zu reifen. Ich mache mir zum Beispiel Gedanken über diese sehr guten, prägenden Jüngerschaftsprogramme (Juniorsoldaten und Korpskadetten), an denen meine Kinder teilgenommen haben, und ich bin mir nicht sicher, ob sie heute noch gleichermaßen zur Verfügung stehen. Sie können sicher sein, dass Sie in Zukunft noch mehr von mir über unsere Kinder und Jugendlichen hören werden.

Was wird Ihr unmittelbarer Schwerpunkt als designierter General sein? Worin bestehen Ihre Prioritäten?

Mithilfe der Menschen um mich herum bin ich bereits im Übergangsmodus. Offensichtlich kommt manches auf mich zu, das ich bereits vor dem dritten August zu tun habe! Anscheinend bin ich schon engagiert. Dabei hilft mir, dass ich eng mit dem derzeitigen General zusammengearbeitet habe und bereits in jeden Dialog und jede Initiative eingebunden bin. Durch die sehr positive Beziehung zu General Cox dürfte die Übergabe einfach werden.

Die andere große Frage, die Sie stellen – was werden meine Prioritäten als General sein?

Es gibt manche Tagesordnungspunkte, die uns schon die letzten Jahre beschäftigt haben – die Accountability-Bewegung, der Schwerpunkt Kinderschutz, der Dialog über die Führungsstrukturen, bei dem es vor allem um bessere Systemen und Infrastruktur geht. Wir sind das angegangen und haben gleichzeitig weiterhin die Verantwortung übernommen, die Welt für Jesus zu gewinnen und das Reich Gottes auszuweiten.

Unter General Cox konnte die Heilsarmee viele wichtige Initiativen umsetzen und ich werde diese weiter einbinden, doch sie werden vermutlich nicht mehr so viel von meiner Aufmerksamkeit beanspruchen. Meine Priorität wäre daher, einige der nicht mehr benötigten Ressourcen umzuleiten, um sicherzustellen, dass wir diese Energien wieder in unseren einzigartigen Missionsschwerpunkt investieren, die Beschäftigung mit unseren Offizieren und Heilssoldaten, wobei wir so deutlich wie möglich Gottes aktuellen Aufruf an die Heilsarmee formulieren sollten. Die Heilsarmee muss ihrer Berufung wieder gerecht werden, eine auf die Mission ausgerichtete Armee zu sein. Damit meine ich, dass jeder Heilssoldat, jeder Offizier, wir alle gemeinsam unsere Verantwortung annehmen, eine geachtete Armee in der Welt zu sein, in der wir leben.

Das bedeutet, dass die beiden wesentlichen Aspekte unseres Auftrags – das Evangelium freimütig zu verkündigen und leidenden Menschen zu dienen – miteinander verbunden bleiben müssen. Ich möchte dazu gerne noch mehr sagen und werde es zu gegebener Zeit auch tun. Mir ist zutiefst bewusst, dass ich der 21. General für das 21. Jahrhundert sein muss ... durch Gottes Gnade und mit den Gebeten und der Unterstützung seiner Leute.

Wie sieht im Vorfeld Ihre Vision für die Heilsarmee nach dem August 2018 aus?

Wir übernehmen diese Aufgabe in einer guten Zeit, in der die Heilsarmee aus einer Position großer Stärke heraus arbeiten kann. Vorwärtsgehen und stärker werden, das sollte ich vermutlich sagen. Manchmal bewege ich innerlich den Begriff „einen Weg in die Zukunft ebnen”.

Wir stehen auf den Schultern vieler guter Leute und wir ehren sie. Sie haben die Probleme ihrer Zeit angepackt, um eine große und angesehene Armee aufzubauen, doch wir müssen uns mit den Themen befassen, vor denen die Heilsarmee heute steht. Wir dürfen in Bezug auf Fragen, die unsere Leute in der ganzen Welt betreffen, keine Unsicherheit oder Mehrdeutigkeit zulassen, wir müssen dies jedoch innerhalb einer vielfältigen Realität tun.

Wir dürfen nicht vergessen, dass wir als internationale christliche Bewegung auch viele kulturelle Grenzen überschreiten und es daher gilt, den kulturellen Kontext zu verstehen und zu respektieren. Wir leben in einer sich rasch verändernden Welt und Salutisten müssen in ihrer Glaubensstruktur sicher und treu sein, aber nicht abgeschottet. All dies könnte widersprüchlich erscheinen, daher beabsichtige ich als General die nächsten fünf Jahre eine Armee zu leiten und diese eine Armee eng vernetzt und konzentriert zu halten, während wir gleichzeitig die uns überall umgebende Vielfalt wertschätzen und mit ihr umgehen. Das wird eine besondere Herausforderung sein – es so zu tun, dass die Bewegung auch weiterhin in unsere Welt hineinwirkt.

Welche internen und externen Beziehungen möchten Sie als designierter General der Heilsarmee kultivieren, bereichern oder ausbauen?

Ich werde auf unserer weltweiten Vielfalt aufbauen. Wir haben 59 Territorien und Commands sowie drei Regionen. Ich habe den Boundless-Kongress nicht vergessen, bei dem wir trotz unserer vielen Unterschiede und der großen Vielfalt durch unsere Anbetung, unsere Lehre, unser Missionsbewusstsein als eine Heilsarmeefamilie vereint waren. Quer über dieses vielfältige Spektrum hinweg sind wir verbunden und feiern. Es gibt engagierte Leiter, die sich täglich um die Heilsarmee kümmern und die Verantwortung übertragen bekamen, die Heilsarmee in ihrem Teil der Welt zu leiten. Sie bilden quasi den verlängerten Arm des Generalsamts und diese Beziehung ist sehr heilig. Ich möchte die Verantwortung übernehmen, meine Leiter zu respektieren und zu leiten.

Mein Hauptanliegen wird darin bestehen, eine positive Beratungsbeziehung zu meinen Leitern zu pflegen. Ich habe dem Hohen Rat signalisiert, dass ich diese Aufgabe übernehmen werde, weil ich bereit bin zu dienen, und, durch Gottes Gnade, werde ich es mit den dort versammelten Partnerschaften und Kräften tun.

Ich leite die Heilsarmee in Indonesien oder Japan nicht direkt. Das tut jemand anders. Doch wir möchten es zusammen tun, daher ist diese Beziehung entscheidend. Darüber hinaus gibt es noch unzählige Beziehungen, die für uns wichtig sind.

Zum Beispiel sind wir durch die ISJC (Internationale Kommission für soziale Gerechtigkeit) bei verschiedenen Konferenzen und in Partnerschaften mit anderen Gruppen und Organisationen vertreten. Salutisten sollten aufmerksam verfolgen, wie sich die Themen auf der Weltbühne entwickeln, und sie sollten wissen, dass wir uns dort einbringen.

Die Heilsarmee wird immer wieder aufgefordert, irgendein Manifest mit zu unterzeichnen, daher prüfen wir diese und fragen uns: „Ist das eine Partnerschaft, die wir haben möchten; sollten wir uns dort einsetzen?“ Ich denke, diesen Dingen sollten wir weiterhin Aufmerksamkeit schenken und sie auf einer mehr lokalen Ebene fördern. Partnerschaften sind wichtig für uns. Wir können die Welt nicht alleine verändern.

Die Frage ist also, mit wem sollten wir uns zusammentun, um uns als Heilsarmee in verschiedenen Teilen der Welt bestmöglich einzubringen, ohne uns selbst zu verleugnen oder unsere Missionsverantwortung aufzugeben?

Wer hat Sie geprägt und auf diese Aufgabe vorbereitet?

Ich möchte nicht so sehr betonen, „wer”, sondern vielmehr „was” mich vorbereitet hat, und das sind meine bisherigen Bestallungen bei der Heilsarmee und die unzähligen Menschen, die mir auf diesem Weg begegnet sind.

Ich sehe mein Leben als ein Buch mit verschiedenen Kapiteln. Diese Kapitel sind Bestallungen, die wir hatten. Sie haben uns von einer Aufgabe zur nächsten gebracht und Gott hat uns dabei geführt und vorbereitet. Bei jeder Bestallung fragten wir: „Bist du sicher?“ Dann haben wir sie angenommen und wurden an unsere Grenzen geführt und herausgefordert.

In all diesen Bestallungen gab es Menschen. Sie waren Teammitglieder, Korpsmitglieder und Mitarbeiter. Ohne dass ich es wagen wollte, Namen und Orte zu nennen, gab es einige Leute, die uns geprägt haben, die uns ermutigt haben und die sich an uns verschenkt haben. So sind wir im Laufe der Jahre in unseren Fähigkeiten gewachsen – denn es waren 41 Jahre in einer „Schule“, die noch nicht abgeschlossen ist!

In all diesen Bestallungen fanden Sie genug Gnade und Weisheit?

Auf jeden Fall. Ich denke, das versteht sich von selbst – ich existiere nicht außerhalb dessen, was Gott tut.

Ich berge mich in der Verheißung Gottes: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit“ (Jesaja 41,10).

Ich übernehme die Aufgabe des Generals in diesem Sinne – fürchte dich nicht, hab keine Angst. Ich halte dich mit der rechten Hand meiner Gerechtigkeit.

Schon als Stabschef haben Leute mich gefragt: „Wie schlafen Sie nachts?” Ich bekenne es jedem, der bereit ist zuzuhören, dass ich im Schatten des Allmächtigen ruhe. Gott ist souverän. Wenn ich meinen Teil tue, so gut ich kann, dann habe ich alle Mittel des Himmels, die alles zusammenhalten werden – und ich kann ins Bett gehen und schlafen.

Haben Sie überlegt, welche Strategien Sie nutzen könnten, um mit der Heilsarmeefamilie in Verbindung zu bleiben?

Wir sind bis jetzt schon in mehr als 30 Länder weltweit gereist. Rosalie und ich haben bereits ein großes Herz, das die Heilsarmee umfangen möchte. Wir werden das auf eine Weise tun, von der wir nur das Wie kennen – und zwar durch Beziehungen. Wir haben den Eindruck, dass die Heilsarmee eigentlich uns umarmt.

Als Territorialleiter oder Divisionschef habe ich jahrelang gebetet: „Herr, lass mich in der Heilsarmee keine offensichtlichen Spuren hinterlassen, die von Brian Peddle stammen.“ In den letzten Jahren hat die Heilsarmee tatsächlich Spuren bei mir hinterlassen. Unsere Interaktion mit der Heilsarmee, unseren Leuten, ihr opferbereiter Dienst und ihr Missionsbewusstsein haben uns verändert. Daher freuen wir uns darauf, mit Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten – indem wir Zeit mit ihnen verbringen – zu verstehen, wer sie sind, was ihnen wichtig ist und wie sie sich in der Heilsarmee einbringen möchten.

Eine unserer größten Freuden wird es daher sein, die Heilsarmee mit ihrer Vielfalt – Nationen, Völker, Sprachen, Kulturen und Gottesdienstformen – zu umfassen. Ich glaube, Gott feiert sie und offensichtlich segnet er sie Tag für Tag durch seine Hand. Darin werde ich auf unserem weiteren Weg Zuflucht finden.

Wie beurteilen Sie als designierter General den aktuellen Stand der Dinge in der Heilsarmee?

Den „Stand der Dinge“? Das könnte eine Weile dauern!

Ich schaue mir die Heilsarmee an – ich gebe zu, ich kenne sie gut – und sehe sie mit allen Fehlern und Schwächen. Wir sind nicht vollkommen und bei uns ist auch nicht alles in Ordnung, aber man müsste schon sehr pessimistisch sein, um nicht zu sehen, was Gott tut.

Als Stabschef habe ich in den letzten drei Jahren den Eindruck gewonnen, dass es der Heilsarmee ganz gut geht und dass sie in der Lage ist, voranzukommen und unseren Platz in der Welt auch weiterhin zu entdecken und zu beanspruchen. Wir haben einige verbindende Punkte, an denen wir arbeiten müssen. Das wird zwar schwierig sein, es dient aber unserer Sache zum Besten.

Zurzeit stärken wir einige Unterstützungsmechanismen – Finanz- und IT-Plattformen. Diese verbesserten Strukturen werden uns befähigen, das zu tun, was uns anschließend vor Augen kommt.

Finanziell wird die Heilsarmee gut verwaltet und wir sind froh darüber. Gleichzeitig versuchen wir herauszufinden, wie wir die internationale Heilsarmee an Orten unterstützen können, an denen Ressourcen nicht so reichlich vorhanden sind. Das bleibt eine Herausforderung. Ich denke, es wird wichtig sein, all dies fortzusetzen.

Was ihr Wachstum und ihre weitere Ausbreitung angeht, steht die Heilsarmee vor einer bittersüßen Realität. Wir müssen um mehr Heilssoldaten, mehr Kandidaten werben. Ich möchte, dass die Heilsarmee in zehn Jahren eine geistlich lebendige, für ihren Auftrag gut ausgestattete, zweckmäßige Armee ist. Ich möchte, dass Salutisten davon überzeugt sind, dass Gott etwas Neues unter uns tut. Ich weigere mich, Gott zu begrenzen oder auch nur einen Augenblick lang zu denken, dass unsere besten Tage hinter uns lägen.

Ich möchte sehen, dass sich jeder Juniorsoldat, jeder Heilssoldat, jeder Offizier in der Mission der Heilsarmee einsetzt – Seelen zu gewinnen, sich um leidende Menschen zu kümmern und zu wissen, dass das Reich Gottes wächst.

Würden Sie sagen, dass darin die Herausforderung für die Zukunft besteht – sicherzustellen, dass jeder eine Mission hat?

Ohne Mission kommen wir durcheinander. Ohne Mission engagieren wir uns nicht. Ohne Mission gibt es keine Berufung. Wenn die Mission fehlt, wozu dann das Evangelium? Ohne Mission gibt es keine Heilsarmee. General Cox wurde, glaube ich, einmal mit dem Satz zitiert, die Welt bräuchte keine weitere Armee, die nur in der Kaserne bleibt. Wir brauchen Leute, die bereit sind, mit Nachbarn, Familienmitgliedern, Bekannten und Fremden ins Gespräch zu kommen und ihnen von der Liebe Christi zu erzählen und dass er ihr Leben verändern kann. Unser Missionsbewusstsein wird uns Kraft geben, selbst wenn andere Dinge etwas undeutlich werden.

Wie kann die Heilsarmee den General unterstützen?

Das ist für mich offensichtlich. Die Gebete von Gottes Leuten werden die Zuflucht sein, auf die ich mich verlasse. Eines ist klar: Der General braucht Gebet! Bis jetzt habe ich in meinem Leben immer Gebetskreise um uns herum gezogen und werde dies auch weiterhin tun. Was mir gerade jetzt gefällt und mich fasziniert ist die Tatsache, dass Hunderttausende Salutisten ein wenig Platz in ihrer Gebetsliste finden werden, um für ihren General zu beten.

Dieser General wird ohne Weiteres sagen: Ich brauche diese Gebete. Und dazu noch sowohl die Weisheit Salomos als auch den strategischen Ansatz des Josua und den Mut des Petrus.

Salutisten auf der ganzen Welt können täglich für das Wohlergehen des Generals beten, für die Aufgaben, die vor ihm liegen, und alles, was nötig sein wird – mutige Leiterschaft und so weiter – um sicherzustellen, dass wir die Heilsarmee nicht verwalten, sondern leiten.

Sie waren beim Hohen Rat. Ich bin sicher, es gab da ein paar Höhepunkte, von denen Sie gerne berichten würden.

Der Hohe Rat ist eine ganz einzigartige Zusammenkunft mit einem einmaligen Zweck. Wir nehmen all unsere Kommandeure und all unsere Oberste, die Territorialleiter oder Territoriale Präsidentinnen der Frauenorganisationen sind, und bringen sie an einem Ort zusammen. 2018 waren nachweislich 108 Personen anwesend. Es war großartig. Ich glaube, Salutisten können dankbar sein für eine geistliche Übung, die bei Bedarf die Wahl eines neuen Generals ermöglicht.

Es ist ein anstrengender Prozess, der in der Zeit, in der wir zusammen sind, sein eigenes Leben entfaltet. Wir werden allein zu dem Zweck zusammengerufen, einen neuen General zu wählen. Sobald das geschehen ist, gehen wir wieder auseinander, lösen den Hohen Rat auf. Dabei ist einzigartig, dass es im Laufe der Tage alles gibt: von schwierigen Debatten, bei denen man sich nicht immer in jedem Punkt einig ist, die aber respektvoll geführt werden, bis zu Momenten, in denen man weiß, dass Gott spricht. Heilige Stille kehrt ein, wenn man so will. Man erkennt diese Zeiten und wenn ich könnte, würde ich Ihnen von diesen bedeutsamen Augenblicken erzählen. Die Einzelheiten, nominiert zu werden, zum Kandidaten erklärt zu werden und dann dem Hohen Rat und auf die vielen Fragen antworten zu müssen, die er vorbereitet hat, sind eine ganz besondere Erfahrung.

Das ist wahrscheinlich mit das Schwerste, das ich in letzter Zeit zu tun hatte, doch es ist auch ein großes Vorrecht, es mit einem unglaublichen Maß an persönlicher Überzeugung zu tun. Ich hätte vieles sagen können, aber in dem Moment war es wichtig, aus dem Herzen zu sprechen. Ich musste meine persönlichen Überzeugungen schildern. Das absolut Erstaunliche an dem Prozess ist, dass jede Bestallung, die ein Heilsarmeeoffizier im Laufe seines Lebens erhält, normalerweise von jemandem kommt, der Autorität über ihn hat. So funktioniert das Bestallungssystem. Beim Amt des Generals ist es anders. Man wird faktisch von seinesgleichen gewählt. Ich habe kein Problem damit, zum General ernannt zu werden, doch dazu waren 108 Personen nötig und es liegt Gottes Segen und seine Salbung darauf.

Eines unserer Gebete beim Hohen Rat – und das kam häufig – war, dass Gott uns helfen möge zu erkennen, wen er bereits bestimmt hat, wen er bereits gesalbt hat. Zu einem bestimmten Zeitpunkt habe ich diese Legitimation angenommen, ich habe diese Salbung angenommen. Nur auf dieser Grundlage konnte ich aus dem Hohen Rat kommen und als designierter General vorgestellt werden.

Ein faszinierender Prozess, ziemlich beeindruckend, tief geistlich, aber unglaublich bedeutsam für die Heilsarmee für die nächsten fünf Jahre. Und jetzt bin ich ein Teil davon. Das ist fantastisch.

Ich möchte Ihnen für Ihre Zeit heute danken, und für Ihre Zeit in den nächsten fünf Jahren. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten und zu sehen, was Gott in und durch Sie und in der Heilsarmee tun wird.

Gott segne die Heilsarmee.

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