Kein Job für Holzköpfe

Michael Grebe, Leiter der Holzwerkstatt im Erik-Wickberg-Haus

Insektenhotels, Trommeln, Krippen, Kugelschreiber und kleine Lampen – im Vorraum der Holzwerkstatt gibt es eine kleine Ausstellung. Viele Produkte, die hier in den Regalen stehen oder auf dem Boden lagern, sehen richtig professionell aus. Ein Schneidebrett aus unterschiedlichen Hölzern – wer möchte darauf nicht sein Abendbrot zubereiten? „Wir müssen immer gucken, dass das Endprodukt super aussieht, die Arbeitsschritte aber sehr einfach sind“, sagt Michael Grebe. Er leitet die Werkstatt Holzwerkstatt des Erik-Wickberg-Hauses, einer Wohneinrichtung für Männer in Köln.

Vom Industriemechaniker zum Arbeitstherapeuten

Grebe ist gelernter Handwerker. Er hat in einer Gießerei Industriemechaniker gelernt. Heute ist Grebe Arbeitstherapeut. Damit hat sich viel geändert: In seinem Job zählt nicht mehr ausschließlich das Produkt - sondern der Mensch, der es herstellt.

Michael Grebe leitet Männer an, die oft jahrelang auf der Straße oder in Heimen gelebt haben – eine Herausforderung. Die einen bleiben nur wenige Monate in der Werkstatt, die anderen mehrere Jahre. Die einen kennen die Arbeitswelt und können sogar mit den Maschinen umgehen. Die anderen hatten noch nie einen richtigen Job. Oft fängt Grebe ganz von vorne an: „Ich muss schauen, welche Fähigkeiten jemand hat. Du hast halt solche dabei, wo du denkst: Ja super, die werden was für den ersten Arbeitsmarkt. Dann hast du aber auch wiederum Leute, die nur in einer geschützten Werkstatt arbeiten können.“

Vertrauen und Wertschätzung

Seit acht Jahren arbeitet Michael Grebe im Erik-Wickberg-Haus in Köln. Der 51-Jährige hat es noch nicht bereut. Er schätzt das selbstbestimmte Arbeiten. „Ich konnte hier die Werkstatt ganz allein aufbauen, vom Konzept bis zum Kauf der Maschinen", betont er. Die Leitung habe ihn immer dabei unterstützt. „Das Vertrauen, die Wertschätzung – das ist einfach unbezahlbar.“

Nach seiner Lehre leistete Grebe Zivildienst und entdeckte dabei seine „soziale Ader“. Er schloss eine weitere Ausbildung als Pfleger an. Doch das Einkommen reichte nicht für die neu gegründete Familie. Er wechselte wieder in die Industrie. Nach einer Krankheit musste sich Michael Grebe neu orientieren und bewarb sich beim Erik-Wickberg-Haus. Mit der Heilsarmee verband er das „Hemdsärmelige“ und die straffe Organisation: Anpacken und Helfen - das habe ihm als Handwerker gut gefallen.

Seit knapp zwei Jahren hat Michael Grebe einen neuen Kollegen. Malte Meiring ist gelernter Zimmermann und erst 24 Jahre alt. Von ihm stammt die kleine Holzlampe in Form eines Flugzeuges im Vorraum der Werkstatt. „Wir bauen hier viel vor und schauen: Kann man das weitergeben?“, sagt er. „Und wenn wir merken, dass wir uns schon anstrengen müssen, ist es nichts für unsere Bewohner.“ Die Flugzeuglampe ist deshalb ein Unikat geblieben.

Meiring schätzt das gute Klima und den sozialen Aspekt der Arbeit. Morgens holt er die Männer, die in der Holzwerkstatt arbeiten, im Wickberg-Haus ab. Manchmal muss er auch an der Zimmertür klopfen. In den Gesprächen, während der Fahrt und in der Werkstatt, erfährt er viel über ihre Sorgen und hört auch Geschichten, die „einem nachgehen“. Dafür sei der Job längst nicht so anstrengend wie auf dem Bau. So bleibt am Ende des Arbeitstages noch Energie für sein dreijähriges Kind.

Schneidebretter für den Basar

Auf dem Tisch im Vorraum der Werkstatt verpackt Michael Grebe mehrere Schneidebretter in einen Karton. Sie werden in den nächsten Tagen in eine Gemeinde geschickt, die einen Basar veranstaltet. „Maß nehmen, hobeln, verleimen - das Herstellen der Bretter erfordert viel Geschick“, sagt Grebe. Das kann längst nicht jeder. Umso schöner, wenn die selbstgebauten Stücke einen Kunden finden. „Das ist für die Männer toll. Sie haben es gebaut und jemand kauft es“, sagt Grebe. Das Selbstbewusstsein, die Anerkennung – „Das ist wohl das Wertvollste, was wir hier vermitteln.“

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