Das Licht der Hoffnung ist angezündet

Straßenchor Berlin auf der Advents-Gala 2025, Foto: Kurt Gruhlke

Rund 250 Gäste feierten am 22. November bei der Adventsgala der Heilsarmee in Berlin einen stimmungsvollen Auftakt in die Vorweihnachtszeit. Das abwechslungsreiche Programm bot viel Musik, Tanz, Film und spannenden Einblicken in die Arbeit der Heilsarmee. Ein Highlight war der Auftritt des Straßenchors Berlin, dessen Mitglieder früher obdachlos waren. Sie begeisterten mit Stücken wie dem "Hallelujah" von Leonard Cohen und dem Pop-Klassiker "Wunder geschehen" von Nena. Leiter Stefan Schmidt, der den Chor vor 15 Jahren gegründet hat, erzählte im Gespräch mit Gala-Moderator Tim Niedernolte, dass inzwischen alle Sängerinnen und Sänger wieder ein Dach über dem Kopf haben. Das sei auch dem Chor zu verdanken, in dem die Mitglieder Gemeinschaft und Stabilität erleben und neues Selbstbewusstsein schöpfen könnten.

Die German Staff Band der Heilsarmee beeindruckte mit erstklassiger Brass-Musik, die das Thema des Abends "Licht der Hoffnung" in unterschiedlicher Weise aufgriff. Eher meditative Stücke wie "Magnum Mysterium" und solche, die zum Mitsingen und -schunkeln einluden, wie "All you need is love", das das Gründerlied der Heilsarmee mit dem bekannten Beatles-Song verquickt, wechselten sich ab – und bekamen rauschenden Applaus.

Die Tänzerinnen und Tänzer von The Limelight Collective, dem Kreativ-Kollektiv der Heilsarmee in Berlin, bauten große Pappkartons in ihren Auftritt ein, die sie zu schließlich zu einem Torbogen auf der Bühne aufstapelten. Was es damit auf sich hatte, erklärte Oberstleutnant Achim Janowski dem Publikum: "Menschen, die auf der Straße leben, sind gerade jetzt im Winter von Kälte, Dunkelheit und Einsamkeit bedroht. Vielen haben nur etwas Pappe, um sich zu schützen. Diesen Menschen will die Heilsarmee mit Ihrer Unterstützung helfen und ein Licht der Hoffnung in ihr Leben bringen." Er bat die Anwesenden, obdachlose Menschen im Winter nicht zu übersehen, sondern ihnen zu helfen - zum Beispiel mit einer Spende an die Kältehilfe der Heilsarmee.

Dass die Unterstützung der Heilsarmee wirkt und Menschen dabei hilft, ihr Leben zum Besseren zu verändern, machte ein Video mit drei "Geschichten der Hoffnung" deutlich. Darin erzählten drei Männer, die aktuell in verschiedenen Einrichtungen der Heilsarmee leben, ihre Geschichte. Ein Bewohner war erfolgreicher Internist und Familienvater, bevor eine psychiatrische Erkrankung sein Leben aus den Fugen brachte und er schließlich sogar in Obdachlosigkeit geriet. Inzwischen wohnt der 73-Jährige sicher und stabil im William-Booth-Haus, führt ein aktives Sozialleben und trifft sich jeden Sonntag mit seinen Kindern und Enkeln. „Ich habe hier eine neue Heimat gefunden“, sagt er. Ein anderer Mann, der in einer Heilsarmee-Einrichtung in Köln lebt, geriet durch Drogensucht auf die schiefe Bahn und war länger in Haft. Jetzt bereitet er sich als Küchenhelfer im Eric-Wickberg-Haus auf den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt und den Auszug in eine eigene Wohnung vor. „Mir gefällt, dass die Mitarbeiter hier wirklich für einen interessieren und auch merken, wenn es mal nicht so gut geht. Man ist hier nicht nur eine Nummer.“

„Sind solche hoffnungsvollen Geschichten die Regel oder eher die Ausnahme?“, wollte Moderator Tim Niedernolte im Anschluss an das Video von Sonja Herrlich wissen, die im William-Booth-Haus als Sozialarbeiterin tätig ist. Ihre klare Antwort: „Es gibt für jeden unserer Klienten Hoffnung und Perspektiven, auch wenn die im Einzelfall sehr unterschiedlich aussehen können.“ Für manche sei die Rückkehr in ein geregeltes Leben mit Arbeit und eigener Wohnung ein realistisches Ziel. Andere können innerhalb einer Einrichtung oder mit dauerhafter Betreuung ein gutes Leben führen. „Es ist in jedem Fall spannend und eine Freude, Menschen dabei zu unterstützen, den Weg zu finden, der für sie der beste ist.“

Der Gala-Abend endete mit einem großen musikalischen Finale, bei dem auch das Publikum kräftig mitwirkte. Zusammen mit dem Straßenchor, der German Staff Band und The Limelight Collective sangen die Besucherinnen und Besucher zum Abschluss das Weihnachtslied „Adeste Fideles“ – aus voller Brust und ganzem Herzen. Beim Verlassen des Saals war für viele klar: „Im nächsten Jahr sind wir wieder dabei.“

Impressionen des Abends

Alle Fotos von Kurt Gruhlke

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