Me­mo­ri­al Day für Ge­or­ge Floyd

Der junge George Floyd in den Armen seiner Mutter, Larcenia Floyd. Quelle: Ben Crump Law Firm
Der junge George Floyd in den Armen seiner Mutter, Larcenia Floyd. Quelle: Ben Crump Law Firm

Persönliche Worte zum Leben des durch Polizeigewalt zu Tode gekommenen Afroamerikaners, der auch bei der Heilsarmee gearbeitet hatte.

Vergangene Woche feierten die USA ihren „Memorial Day“, den Gedenktag für die Gefallenen der US-Kriege.

Wie viele Menschen weltweit erreichte mich an jenem Abend ein Video, auf dem hautnah zu sehen war, wie ein amerikanischer Polizist dafür sorgte, dass ein bis dahin unbekannter afroamerikanischer Mann brutal zu Tode kam.

Das Opfer des Polizisten heißt George Floyd. Seit einer Woche füllt seine Geschichte die Medien und die Reaktionen sind so heftig, dass nicht abzusehen ist, wie dieses Drama sich noch entwickeln wird.

Auch die Heilsarmee verschiedener Territorien berichteten über George Floyd, war er doch Mitarbeiter in einem der Obdachlosenheime der Heilsarmee gewesen. Seine ehemaligen Kollegen und die Menschen, die er dort begleitet hatte, stellen ihm durchwegs ein gutes Zeugnis aus.

Andere Medien berichteten – zum Teil mit genüsslichem Unterton –, dass George Floyd ein Krimineller gewesen war. Warum das von Bedeutung sein soll, erschließt sich mir nicht, denn er hat seine Strafen ordentlich verbüßt. Aber ich fokussiere meinen Beitrag auf diese Aspekte: Den schwarzen, ehemaligen Straftäter, Vater und Sohn George Floyd.

Vor 46 Jahren geboren, lebte er mit seiner Familie in Texas. Ja, er kam mit dem Gesetz in Konflikt wegen kleinerer Vergehen und schließlich wegen einem Delikt, das ihn für längere Zeit ins Gefängnis brachte. Nach seiner Entlassung versuchte er, ein neues Leben anzufangen. Ob es ihm ohne jeden Fehler tadellos gelang, wissen wir nicht. Drei Fakten aber sind bekannt: Zum Neustart gehörte nach seiner Tätigkeit im Obdachlosenheim der Umzug nach Minnesota und seine Anstellung in einem Restaurant, dessen Besitzer ihn als Freund beschreibt. Und schließlich das Engagement seines Sohnes Mason, der über YouTube die Menschen bittet, auf den brutalen Tod seines Vaters nicht mit Gewalt zu reagieren.

Zu den Fakten gehört auch, dass George Floyds Haut schwarz ist.

Gestern fand ich dieses Foto des kleinen George mit seiner Mutter. Ein berührendes Bild voller Stolz und Zärtlichkeit. Bevor er letzte Woche erstickte unter der Brutalität des Weißen in Uniform, bat er mehrmals um Hilfe. Sein „I can’t breathe“ („Ich bekomme keine Luft“) ging seither um die Welt. Doch bevor er sein Bewusstsein verlor, rief er nach seiner Mama. Sie lebt nicht mehr, vor zwei Jahren ist sie verstorben.

Nicht selten kommt es vor, dass jemand kurz vor seinem Tod einen bereits verstorbenen Menschen vor sich sieht. Seelsorger deuten dies als Zeichen dafür, dass der Sterbende bereits in die Ewigkeit blicken durfte.

Was immer über George Floyd geschrieben und behauptet wird, wofür immer sein Name herhalten muss: Gott ist gerecht. Gegenüber George und gegenüber jedem Menschen, unabhängig von Hauptfarbe und Status.

Ich bin stolz darauf, George Floyd, dass die Heilsarmee dir damals eine Chance gab. Und ich hoffe, dass dein Tod zukünftig nicht mit Krawallen in Verbindung gebracht wird, sondern dass dein Name weiterlebt als Weckruf zum Einsatz für eine gerechtere Welt.  

Autorin: Majorin Hedy Brenner, Heilsarmee in der Schweiz

Auszug aus der internationalen Stellungnahme der Heilsarmee zum Thema „Rassismus“.

Zurück