„So etwas machen wir nicht.“

Porträt von Majorin Alida Margaretha Bosshardt, 1963. Fotograf: L.H. Hofland (https://hetutrechtsarchief.nl/beeldmateriaal/detail/0d871ab5-4294-51d0-9f35-e36b2add0f9f)

Wie dachte die Bevölkerung während des Holocaust über ihre jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger? Die breite Masse sah zu, wie ehemalige Nachbarn zusammengetrieben und getötet wurden. Manche machten sogar gemeinsame Sache mit den Tätern. Alida Bosshardt war eine Ausnahme. Die junge Frau wurde in Utrecht in einer protestantischen Familie geboren. Schon in jungen Jahren zeigte sie Unabhängigkeit und einen starken Willen. Als Teenager kam Alida mit der Heilsarmee in Kontakt und beschloss, in den Dienst einzutreten. 1932, kaum 19 Jahre alt, legte sie den Eid ab: „Mit Gottes Hilfe eine treue Soldatin der Heilsarmee zu sein.“ Anschließend studierte sie an der Akademie der Heilsarmee, um Offizierin zu werden – einen Rang, den sie 1934 erreichte.

Heilsarmee wurde verboten

Sie begann in Zonnehoek zu arbeiten, einem Heim für Kinder aus zerrütteten Familien im jüdischen Viertel im Osten Amsterdams. Zu ihren Schützlingen gehörten die jüdischen Schwestern Hendrina, Helena und Dimphina. 1941 wurde die neugeborene Schwester Roosje im Heim aufgenommen.

Im selben Jahr wurde die Heilsarmee auf Befehl der deutschen Besatzungsbehörden verboten. Gebäude und Gelder wurden beschlagnahmt. Das Heim fungierte noch einige Zeit als Privathaushalt. Im Sommer 1942, als die Deportationen der Juden zur „Arbeit im Osten“ begannen, brachten viele verzweifelte jüdische Eltern ihre Kleinkinder zu Alida Bosshardt und flehten sie an, Verstecke für sie zu finden. In vielen Fällen gelang ihr dies; manchmal brachte sie die Kinder sogar selbst mit dem Fahrrad in den Osten des Landes. Einige der jüdischen Kinder behielt sie in ihrem Haus. Als die Deutschen das Haus beschlagnahmten, brachte Alida so viele Kinder wie möglich in eine neu gemietete Wohnung im Norden Amsterdams. Sie bestand darauf, dass die vier Terhorst-Schwestern sowie eine Reihe anderer jüdischer Kinder unter ihrer Obhut blieben. Während des Umzugs entfernte sie die gelben Sterne von den Kleidern der älteren Kinder und sagte: „So etwas machen wir nicht.“

Flucht aus dem Polizeipräsidium

Um Lebensmittel und andere lebensnotwendige Güter kaufen zu können, sammelte sie Geld. Sie wurde verraten und von der deutschen Polizei verhaftet, weil sie für die verbotene Heilsarmee tätig. Obwohl sie im Polizeipräsidium festgehalten wurde, gelang ihr die Flucht. Im Hungerwinter 1944/45 reiste sie in die östlichen ländlichen Gebiete des Landes, um Lebensmittel für die verschiedenen Kinderheime im Westen zu beschaffen.

Nach dem Krieg kehrten alle jüdischen Kinder zu ihren Familien zurück. Alida Bosshardt hielt bis zu ihrem Tod Kontakt zu ihren ehemaligen Schützlingen. Ende der 1940er Jahre wechselte Alida Bosshardt ins nationale Hauptquartier der Heilsarmee und kümmerte sich um die Prostituierten im Amsterdamer Rotlichtviertel. Diese Arbeit verschaffte ihre nationale Bekanntheit. 1965 begleitete sie Prinzessin Beatrix bei einem geheimen Besuch im Rotlichtviertel.

Bosshardt starb 2007 im Alter von 94 Jahren. Am 25. Januar 2004 erkannte Yad Vashem die couragierte Offizierin als „Gerechte unter den Völkern“ an.

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