Urlaub für alle
Vier Tage Natur, Gemeinschaft und Abenteuer für wenig Geld: Die Sommerfreizeit des Kinder- und Jugendtreffs „Die Brücke“, einer Einrichtung der Heilsarmee, ermöglicht Kindern und Jugendlichen aus finanziell benachteiligten Familien Urlaub, den sich viele sonst nicht leisten könnten.
Eigentlich sollte es hoch hinaus gehen – auf Wanderwegen durch die Sächsische Schweiz. Doch die hochsommerlichen Temperaturen machten den Plänen der Ferienfreizeit des Kinder- und Jugendtreffs „Die Brücke“ in Leipzig einen Strich durch die Rechnung. Statt schweißtreibender Touren genießen die Teilnehmer nun einen Badetag an einem Campingplatz mit See bei Niederau unweit von Meißen. Zwölf Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen zehn und 21 Jahren verbringen dort gemeinsam mit drei Sozialarbeiterinnen ihre Ferien. Viele seien schon vor der Abreise voller Vorfreude gewesen, sagt Anne Kuroczka. „Die Sommerfahrt ist unglaublich beliebt. Wir könnten jedes Jahr mehr Kinder mitnehmen, als Plätze vorhanden sind“, berichtet die Sozialarbeiterin beim Kinder- und Jugendtreff „Die Brücke“.
Abwasch ohne großes Murren
Der Teilnahmebeitrag für die gesamte Freizeit beträgt lediglich 25 Euro. Den überwiegenden Teil der Kosten trägt die Heilsarmee selbst. „Wir möchten, dass möglichst alle mitfahren können – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern“, betont Kuroczka. Für viele sei die Sommerfahrt der einzige Urlaub des Jahres. Auch das Schlafen im Zelt ist für viele Neuland. Die Jugendlichen übernehmen Küchendienste, helfen beim Abwasch und bereiten das Essen vor. „In diesem Jahr läuft das wirklich außergewöhnlich gut. Alle übernehmen ihre Aufgaben ohne großes Murren und bringen sich in die Gemeinschaft ein“, freut sich Kuroczka.
Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr eine Wanderung während der Freizeit im vergangenen Jahr. Damals stand die Bastei, eine Felsformation in der Sächsischen Schweiz, auf dem Programm. „Eigentlich ist Wandern bei Jugendlichen nicht besonders beliebt. Umso schöner war es zu sehen, wie begeistert sie oben auf der Basteibrücke standen und die Aussicht genossen haben", sagt Kuroczka. Einige hätten anschließend sogar Postkarten gekauft, Fotos an ihre Familien geschickt und Erinnerungsbilder später zu Hause aufgehängt. „Das sind sehr herzerwärmende Momente.“
Ausgezeichnete Öko-Ecke
Die Brücke” richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche aus Leipzig-Paunsdorf. Das Viertel ist geprägt von großen Wohnsiedlungen und Familien, die häufig mit finanziellen oder sozialen Herausforderungen zu kämpfen haben. „Viele sind von Armut betroffen oder bedroht. Deshalb ist es uns wichtig, dass auch sie Ferien erleben können“, erklärt die Sozialarbeiterin. Die Sommerfahrt ist nur ein kleiner Teil der Arbeit der Heilsarmee. Viele Besucher nutzen „Die Brücke“ einfach als Ort, um Freunde zu treffen. Andere nutzen die Kreativräume, die Holzwerkstatt, den Musikraum oder das große Außengelände für ihre Freizeit oder suchen das Gespräch mit den Sozialarbeiterinnen. Jeden Mittwoch wird gemeinsam gekocht. „Die Kinder und Jugendlichen bereiten das Essen selbst zu und anschließend können alle kostenlos mitessen“, erzählt Kuroczka. Besonders stolz ist das Heilsarmee-Team auf seine sogenannte Öko-Ecke. Dort pflegen die Jugendlichen Hochbeete, Wildblumenflächen und Lebensräume für Insekten. Mit diesem Projekt gewann der Kinder- und Jugendtreff im vergangenen Jahr sogar ein Preis der Stadt Leipzig: Das Preisgeld in Höhe von 200 Euro wurde direkt wieder in Saatgut und Gartenmaterial investiert.
Auch die Schule kostet leider Geld: Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres wächst in vielen armen Familien der finanzielle Druck. Der Jugendtreff versucht zu helfen. Hefte, Blöcke und Stifte hält die Einrichtung vorrätig. „Wenn jemand Unterstützung braucht, geben wir diese Sachen natürlich heraus. Für eine komplette Ausstattung fehlen uns allerdings die finanziellen Möglichkeiten“, sagt Kuroczka. Sogar bei Hausaufgaben stehen die Sozialarbeiterinnen zur Seite. „Eine klassische Hausaufgabenbetreuung gibt es zwar nicht, doch bei Bedarf helfen die Mitarbeiterinnen unkompliziert weiter“, sagt Anne Kuroczka. Aber im Augenblick steht für die Kinder und Jugendlichen der noch der ungetrübte Urlaubsspaß im Fokus.