Fallschirmsprung mit 95 Jahren

Kriegsveteran gegen Menschenhandel

Harry Read landet am 5. Juni 2019 sicher in der Normandie. Foto: mod.uk/© Crown copyright 2013

Am D-Day, dem 6. Juni 1944, sprang Harry Read als junger britischer Soldat über Frankreich ab, um daran mitzuwirken, Europa von der Schreckensherrschaft der Nazis zu befreien. Nun, ein Dreivierteljahrhundert später, hat der 95-Jährige Ruhestandsoffizier der Heilsarmee anlässlich des 75. Jahrestags des D-Day erneut einen Fallschirmsprung über der Normandie gewagt.

Am Mittwoch, dem 5. Juni absolvierte Harry Read einen Tandemsprung mit den „Read Devils“ der britischen Armee. Gemeinsam mit einem weiteren Veteranen sprang über einer der historischen Absprungzonen in Sannerville, Frankreich aus einem Flieger, um die berühmten Luftlandungen nachzustellen. An dem Spektakel nahmen auch 280 britische und französische Fallschirmjäger teil. Als Harry Read landete, zeigte er den Daumen hoch in Richtung der Menge, die die Veteranen unter lautem Jubel bei der Landung empfingen.

Reportern sagte Read: „Ich fand den Sprung großartig. Es war in jeder Hinsicht wunderbar. Ich fühle mich gut.“ Im Vorfeld hatte er der englischen Zeitung The Guardian noch gesagt, dass es eigentlich dumm sei, das in seinem Alter zu machen, denn: „Alte Männer springen nicht mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug.“ Doch er hat gute Gründe für diese waghalsige Aktion.

Fallschirmsprung gegen Menschenhandel

Dass er den Krieg überlebt habe, begreife er als großes Glück – und als Verpflichtung, sich mit seinem Leben für eine bessere Gesellschaft einzusetzen. Kurz nach dem Krieg beendete er seine militärische Laufbahn und schloss sich der Heilsarmee an, wo er 1947 die Offizierslaufbahn (ordinierter Geistlicher) einschlug.

Mit dem Sprung heute möchte er auf das drängende Problem von Menschenhandel und Ausbeutung aufmerksam machen. Auf seiner Aktionsseite sammelt er Spenden, die der Heilsarmee für ihre Arbeit zur Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung zugutekommen werden.

Wie hilft die Heilsarmee?

Menschenhandel und Sklaverei sind schwere Verbrechen und fin­den welt­weit statt – auch hier und heute in Deutschland. Opfer von Men­schen­handel werden häufig mit mehr als einer Form von Miss­brauch und Aus­beu­tung konfrontiert.

Die Arbeit der Heilsarmee gegen den Men­schen­han­del findet auf inter­na­tionaler Ebene statt. Bereits seit den frühen Anfängen der Heilsarmee in den 1880er Jahren macht sie sich für Menschen in Pros­ti­tution stark sowie für andere, die Tätig­keiten in un­mensch­li­chen Bedin­gungen ver­rich­ten müssen. Neben Pro­jek­ten mit Betrof­fenen setzt die Heilsarmee zudem stark auf Auf­klä­rungs­arbeit. In Deutsch­land ist die Heilsarmee Grün­dungs­mit­glied des Bündnisses Gemeinsam gegen Menschenhandel

Weitere Informationen dazu

Fotos: mod.uk/© Crown copyright 2013   

Aussöhnung mit deutschem Kriegsveteranen

Harry Read nutzte die Gelegenheit der D-Day-Gedenkfeierlichkeiten weiter dazu, sich mit einem deutschen Kriegsveteranen zu treffen. Paul Golz war als 18-jähriger deutscher Soldat am Omaha Beach in der Normandie im Einsatz, als die Allierten Truppen landeten. „Einst standen wir auf verschiedenen Seiten, doch jetzt sind wir Verbündete. Verbündete darin, die Welt zu verändern.“, sagte Read unter Zustimmung von Golz. Zur Verabschiedung tauschten sie Segenswünsche aus und sicherten sich zu, dass sie nun Freunde, ja sogar Brüder seien, wie in folgendem Video zu sehen ist.

Die Aktion zum Jahrestag des D-Day

Harry Read als 20jähriger Funker der britischen 3. Fallschirmbrigade

Erstmalig kam Read der Gedanke zur Fallschirmaktion, als er im vergangenen Jahr die D-Day-Zeremonie in Nordfrankreich besuchte. Als er daraufhin mit der Idee hausieren ging, erhielt er für den Sprung erfreulicherweise grünes Licht und begann umgehend damit, sich darauf vorzubereiten.

„Je mehr ich nachdachte und darüber betete, desto verrückter erschien mir die Idee. Zumal mein letzter Sprung tatsächlich der am D-Day gewesen war“, schreibt Read auf seiner Spendenseite. Aus diesem Grund führte er im September 2018 zunächst einen Trainingssprung auf einem Flugplatz in Großbritannien durch, der erfolgreich verlief.

Nun, nach seinem Sprung zum 75. Jahrestag des D-Day antwortete er auf die Frage hin, ob die Aktion Erinnerungen in ihm auslöste: „Der Gedanke an meine gefallenen Kameraden macht mich heute noch extrem traurig. Der Tod eines jeden Menschen ist eine Tragödie, aber wenn es deine Freunde sind, mit denen du zuvor lange gemeinsam trainiert und dich vorbereitet hast ... und auf einmal ist es vorbei.“

Über Harry Read

Heilsarmee-Kommandeur Harry Read heute

Nach dem Zweiten Weltkrieg beendete Read seinen Militärdienst und schloss sich der Heilsarmee an, wo er 1947 die Offizierslaufbahn (ordinierter Geistlicher) einschlug. Bis zu seinem Ruhestand bekleidete er hier verschiedenste Aufgaben – u.a. als Leiter der Heilsarmee im Territorium Vereinigtes Königreich und Republik Irland sowie im Territorium Ost-Australien.

Im Jahr 2016 erhielt Read für seinen Einsatz im Zweiten Weltkrieg den Verdienstorden der französischen Ehrenlegion – die höchste Auszeichnung Frankreichs. Den Krieg überlebt zu haben, begreife er als eine Verpflichtung, sich für eine bessere Gesellschaft einzusetzen, sagte Read zu diesem Anlass. Sehr am Herzen liegen ihm Opfer von Menschenhandel, weshalb er diesen nun seine Aktion zum Gedenktag des D-Day widmet.

Hier klicken, um Harry Read jetzt bei der Bekämpfung von Menschenhandel zu unterstützen

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