30 Jahre Stabsmusikkorps der Heilsarmee in Deutschland

Die German Staff Band

Stabsmusik? German Staff Band? Noch nie gehört? Bei der German Staff Band (GSB) – vor der Umbenennung 2013 Stabsmusikkorps der Heilsarmee in Deutschland – handelt es sich um eine reine Brassband. Sie ist direkt dem Territorialen Hauptquartier zugeordnet. Weltweit gibt es zurzeit neben der German Staff Band elf weitere solcher territorialen Staff Bands.

Brassband? Bei diesen Bands handelt es sich um Musikkorps, in denen ausschließlich Blechblasinstrumente (Brass bedeutet Messing/Blech) zum Einsatz kommen: Kornette, Althörner, Bariton, Euphonium, Posaunen und Bässe.

Die Brassband-Bewegung, die ihren Ursprung Mitte des 19. Jahrhunderts in England hatte, wirkte sich auch auf die Heilsarmee in England aus, indem immer mehr Musikkorps dieser Stilrichtung gegründet wurden. Die Besetzung mit reinen Blechblasinstrumenten hatte den Vorteil, dass ein solches Musikkorps bei nahezu jedem Wetter einsetzbar war. Insbesondere bei Evangelisationen im Freien war dies eine besonders hilfreiche Möglichkeit. So trug die Heilsarmee wesentlich zur weltweiten Ausbreitung der Brassbands bei.

1887 wurde am Territorialen Hauptquartier (THQ) in New York das erste Musikkorps, das noch heute existiert, als Stabsmusik gegründet (New York Staff Band). Sowohl in dieser als auch in allen anderen Staff Bands waren die Mitglieder Angestellte oder Heilsarmee-Offiziere des Hauptquartiers. Das hatte den Vorteil, dass die Staff Bands jederzeit, auch über mehrere Wochen, für Evangelisations- oder Konzerttouren eingesetzt werden konnten.

Die ersten Musikkorps in Deutschland

In Deutschland wurden die ersten Musikkorps ab 1892 in Pforzheim und Barmen gegründet. Das Auftreten der Musikkorps, egal ob im Freien oder im Saal zur Liedbegleitung, wurde nicht immer gern gesehen. Nicht selten bereitete die Polizei dem Spielen der Band ein Ende.

Stabsmusik der Heilsarmee in Deutschland in frühen Jahren des 20. Jahrhunderts
Die Stabsmusik in frühen Jahren des 20. Jahrhunderts

1910 wurde zum ersten Mal eine Stabsmusik am deutschen THQ ins Leben gerufen. Auch hier bestand das Musikkorps ausschließlich aus Angestellten und Offizieren des THQ. Allerdings mussten damals einige Mitglieder ihr Instrument erst noch erlernen. Der Erste Weltkrieg beendete 1914 leider die Aktivitäten dieses Musikkorps. Erst 1925 erfolgte im Rahmen eines nationalen Musikerkongresses die Neugründung der Stabsmusik mit zahlreichen Unternehmungen. Aber bereits ab 1933 gab es durch die Naziregierung erhebliche Einschränkungen, insbesondere nach der Einberufung der Männer zum Kriegsdienst. Ebenso wie 1914 endete während des Zweiten Weltkriegs die Existenz der Stabsmusik.

Wie bereits nach dem Ersten Weltkrieg, so gab es auch nach dem Zweiten Weltkrieg für die Heilsarmee zunächst einmal dringendere Aufgaben, zum Beispiel die Unterstützung der notleidenden Bevölkerung und den Wiederaufbau der Heilsarmee in Deutschland. Auch wenn überall wieder neue Musikkorps entstanden, war an die Neugründung einer Stabsmusik noch lange nicht zu denken.

Was den Wiederaufbau und vor allem die Förderung der Heilsarmeemusik betraf, ist besonders Oberstleutnant Walter Flade zu nennen. Er organisierte zusammen mit seiner Frau die ersten Musikerschulungen. Die ab 1975 regelmäßig stattfindenden Musikerfreizeiten in Plön dürfen hierbei nicht unerwähnt bleiben, da sie wesentlich zur Entwicklung der Heilsarmeemusik in Deutschland beigetragen haben.

Gründung der Stabsmusik

Ende 1988 hatte der Leiter der Heilsarmee in Deutschland, Oberst Jørn Lauridsen, die Idee, ein nationales Musikkorps zu gründen. Nicht nur die Angestellten und Offiziere des THQ, sondern auch Heilsarmee-Musiker aus ganz Deutschland konnten sich hierfür bewerben. 1989 trafen sich die ersten Musiker, um vorzuspielen. Die Beurteilung der einzelnen Vorspielleistungen lag in den Händen der Kapellmeister Michael Clack (London/England) und Heinrich Schmidt (Solingen). Da dieses Musikkorps Bestandteil des THQ wurde, war es nur selbstverständlich: Das wird die neue Stabsmusik in Deutschland! Am 1. Mai 1989 wurde das Stabsmusikkorps (SMK) gegründet und gab am selben Tag unter der Leitung von Heinrich Schmidt das erste Konzert.

German Staff Band 2007 in Naumburg
2007 in Naumburg

Bereits zur Gründung wurden die Ziele für dieses Musikkorps genannt, die 2014 offiziell konkretisiert und festgeschrieben wurden. Hier die wesentlichen Punkte:

„Oberstes Ziel ist es, die frohe Botschaft von Jesus Christus durch Musik, Gesang und persönliches Zeugnis vielen Menschen zu verkünden. Die GSB bietet Korps … die Gelegenheit, ein deutsches Musikkorps für evangelistische Zwecke (Freiversammlungen, Konzert etc.) … einzuladen. Die GSB dient auch dazu, die Heilsarmee in der Öffentlichkeit national und international zu repräsentieren.“

Gleich nach der Gründung 1989 folgte die GSB einer Einladung nach Karlshamn (Schweden), um die Heilsarmee beim dortigen Baltic Festival zu repräsentieren. Seitdem folgten Teilnahmen bei einer Reihe von nationalen und internationalen Veranstaltungen. Hierzu gehörten beispielsweise regelmäßig Kadettenbestallungen, Kongresse und seit 2001 fast alle Evangelischen Kirchentage. Weiterhin fanden auch regelmäßig Benefizkonzerte für unterschiedliche Organisationen und Projekte statt, zu denen neben der GSB auch andere Musikgruppen und Solisten eingeladen wurden.

Einen besonderen Eindruck bei den Musikern hinterließ 1991 – relativ kurz nach der Wende – die Reise durch die ehemalige DDR. Freikonzerte und -gottesdienste, Märsche und Konzerte in den verschiedensten Kirchen trugen dazu bei, nicht nur die Heilsarmee in den besuchten Städten bekannt zu machen, sondern die Menschen auf Jesus Christus hinzuweisen.

1989 ist die erste Liveaufnahme entstanden, vom Weihnachtskonzert in Solingen, und es wurden die ersten Musikkassetten verkauft. Weitere Aufnahmen, sowohl live als auch im Studio, folgten. Besonders gern erinnern sich die Musiker an die Aufnahme des Fernsehgottesdienstes zur Aktion „Brot für die Welt“ 2005 in Herrnhut. Da man schon einmal in der äußersten Ecke Deutschlands war, wurde am Vorabend noch ein Konzert in Zwickau gegeben.

Unterwegs im Namen des Herrn

Die German Staff Band 2016 vor der Notre Dame in Paris
Die German Staff Band 2016 vor der Notre Dame in Paris

Die GSB war in den 30 Jahren ihres Bestehens an insgesamt 252 Tagen im In- und Ausland unterwegs. Allein in Deutschland wurden ca. 50 verschiedene Orte besucht. Hierzu gehörten Einsätze anlässlich von Korpsjubiläen, die Korpseröffnung in Guben, Touren durch Ostdeutschland und die Pfalz. Gemeinsame Konzerte wurden mit der International Staff Band (in Solingen), der Chalk Farm Band (in Buchenau), der New York Staff Band (in Solingen) und der Chicago Staff Band (in Solingen) gegeben. 2014 gestaltete die GSB das Eröffnungskonzert zur 5. Deutschen Brass-Band-Meisterschaft in Bad Kissingen. Reisen außerhalb Deutschlands führten die GSB nach Schweden, Großbritannien, Italien, Frankreich sowie in die Schweiz. In den Niederlanden fand ein gemeinsames Konzert mit der Amsterdam Staff Band statt.

Als ein außergewöhnliches Erlebnis kann man sicherlich die Teilnahme der GSB an der 120-Jahr-Feier der International Staff Band in London bezeichnen. Insgesamt acht Staff Bands aus aller Welt nahmen hieran teil. Neben 30-minütigen Konzerten der einzelnen Staff Bands in der Royal Albert Hall wurde dort auch ein gemeinsames Konzert gegeben. Außerdem folgte am nächsten Tag ein Marsch der Staff Bands auf der Mall zum Buckingham Palace, um dort im Vorhof ein Freikonzert zu geben.

German Staff Band marschiert am Buckingham Palace
German Staff Band marschiert am Buckingham Palace

Da die Mitglieder der GSB aus ganz Deutschland kommen, ist es leider nicht möglich, sich zu wöchentlichen Proben zu treffen. In der Regel müssen vier bis sechs Proben ausreichen, um die bis zu fünf Einsätze im Jahr vorzubereiten. Alle Musiker stellen ihre Zeit der GSB ehrenamtlich zur Verfügung. Nur wenige von ihnen sind auch beruflich als Musiker tätig.

Die Musik der GSB ist die eine Seite. Die andere, noch bedeutendere Seite, kommt in der Erklärung zum Logo der GSB zum Ausdruck:

„Die rote Linie symbolisiert, dass die Mitglieder der GSB durch das S, das in der Heilsarmee auch für Salvation (das Heil) steht, einem Weg zum Himmel folgen. Rot steht für das Blut Jesu, durch das sie befreite Menschen sind, und die gekrümmte Linie für den Weg, auf dem sie Christus nachfolgen.“

Über den Autor

 

Gernod Kumm ist seit 1989 in der GSB.
Er ist Geistlicher Sergeant und spielt das 2. Cornet.

 

Anlässlich des 30 Jubiläums ist eine Sonderedition an Merchandise-Artikel der GSB erhältlich:

  • Doppelwandiger Thermosbecher aus Edelstahl
  • Keramiktasse mit Jubiläumsaufdruck
  • Notizbuch Filz A5 mit Kugelschreiber und austauschbarem Einband

www.heilsarmee.de/gsb/shop

 

 

Ausführliche Informationen zur Entwicklung der Heilsarmeemusik in Deutschland und den Aktivitäten der Stabsmusik enthält das Buch „Lobe den Herren – mit Blech“ (328 Seiten, 20,75 EUR, ISBN 978-3-7431-6509-0). Erhältlich auf Deutsch im Buchhandel oder direkt beim Autor, Gernod Kumm, und auch auf Englisch für Bestellungen innerhalb Europas bei www.bod.de. Außerhalb Europas ausschließlich beim Autor.

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