St. Pauli: Umfangreiches Sanierungsprogramm

Bild 6; Fotograf: André Wirsig

Es gehört neben der Davidswache zu den markantesten Gebäuden auf St. Pauli: das Haus der Heilsarmee in der Talstraße. Seit August 1922 engagieren sich hier Offiziere, Heilssoldaten und freiwillige Helfer für Menschen in Not, feiern Gottesdienste und bringen das Licht des Evangeliums auf die „sündigste Meile der Welt“. Die Arbeit hat Spuren hinterlassen – auch am Gebäude. Und weil die Heilsarmee über die Jahre hinweg lieber in Menschen als in Baumaterial investiert hat, besteht inzwischen ein hoher Sanierungsbedarf: Das Dach muss repariert, die Wärmedämmung verbessert, die Fassade renoviert und viele Böden und Wände wegen Hausschwamms behandelt werden.

Um das Haus nicht nur wiederherzustellen, sondern auch für die Zukunft fit zu machen, sollen die haustechnischen Anlagen, Heizung, Stromleitungen, Belüftung und Lifte, ebenfalls erneuert und die Mietwohnungen den marktüblichen Standards angeglichen werden. Die letzte bedeutende Sanierung fand in den 1990er-Jahren statt. Allerdings wurden damals nur rudimentäre Renovierungsarbeiten vorgenommen und die Lifte eingebaut.

Die Heilsarmee wird in dem sanierten Gebäude das Erd- sowie das Untergeschoss für die Arbeit der Tagesstätte nutzen und genügend Platz für Beratungsräume, eine Kleiderkammer und Duschen bieten sowie für die Möglichkeiten, sich die Haare schneiden zu lassen oder Wäsche zu waschen. Das beauftragte Architektenbüro Kantstein wird im Rahmen der Maßnahme frühere Merkmale des Hauses wieder bzw. stärker zur Geltung bringen: Die ursprüngliche Saaldecke soll freigelegt, derzeit verbaute Fenster sollen sichtbar und die Türbögen an der Hausfront wiederhergestellt werden.

Die Sanierungsarbeiten werden es uns ermöglichen, in den freien Stockwerken in der Talstraße ortsübliche Mieten zu erzielen. Zum einen, um das erforderliche Darlehen zu refinanzieren, zum anderen, um eine Instandhaltungsrücklage für künftige Sanierungen zu bilden. Unser Ziel ist es, mit der Zeit im ganzen Territorium solche Rücklagen aufzubauen, damit wir unsere Arbeit nachhaltig in Liegenschaften fortsetzen können, in denen Sanierungen und Anpassungen entsprechend zeitnah erfolgen.

Korps Hamburg zieht ins Jakob-Junker-Haus Der Baubeginn ist für Herbst 2018 geplant. Wir hoffen, noch vor Weihnachten 2020 das neu gestaltete Gebäude eröffnen zu können. Das Korps Hamburg wird sich während dieser zwei Jahre im Jakob-Junker-Haus treffen. Dies ist eine gute Gelegenheit, um zu prüfen, ob es danach weiterhin in diesem Stadtteil bleiben soll, wo die Heilsarmee bereits gute Kontakte zur Nachbarschaft etabliert hat. Wir hoffen, dass es dem Korps gelingen wird, auch aufgrund von Aktivitäten, die in der Talstraße nicht angeboten werden können, mit Familien Kontakte zu knüpfen und so neue Mitglieder zu gewinnen.

Am ersten Sonntag im März fand nach dem Gottesdienst ein Workshop zur Sanierung des Hauses und zur Zukunft des Korps statt. Alle Anwesenden waren sich einig: Die Stärke der Heilsarmee ist das Zusammenwirken von geistlicher und sozialer Arbeit. Dies soll weiterhin ihren Einsatz an allen Standorten in der Hansestadt prägen. Die bisherigen Bausitzungen haben aufgezeigt, dass eine Gesamtstrategie für die Heilsarmeearbeit in Hamburg ohnehin ein wichtiges Mittel ist, um die Heilsarmeevision 2030 in dieser traditionsreichen Stadt zu verwirklichen.

Oberstleutnant Hervé Cachelin

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