Von der Gründung bis Heute

Seit der Gründung am 07. Oktober 1896 durch Kapitän Yelin in der Marschnerstraße 10 ist einiges passiert und das Korps Hannover ist einige Male umgezogen, hat viele Hürden und Herausforderungen gemeistert und sich den jeweiligen Nöten der Stadt angepasst, um dort die Menschen zu unterstützen.
Im Folgenden finden Sie ein Chronik der letzten 125 Jahre:

1931, 1932 und 2. Weltkrieg

1931 befand sich das Korps in einem Gebäude in der Burgstraße und wurde von Kapitänin Fecker geleitet.
Damit man sich ein Bild von der Größe des Korps und seinen Aktivitäten machen kann, hier ein paar Zahlen:
80 Heilssoldaten

  • 45 Kinder in der Kinderversammlung
  • 14 Jugendsänger
  • 9 Korpskadetten
  • 14 Lokaloffiziere
  • 8 Musiker
  • 15 Gitarrenbrigadenmitglieder
  • 45 Heimbundmitglieder

1932 fasn der Umzug in die Meterstraße statt.
Dort waren nacheinander die Offiziere Gauntlett, Tebbe, Meier, Naujoks und Keiling stationiert.
Sonntags fand vormittags eine Heiligungsstunde satt, anschließend ging die Sturmbrigade zur Hofmission singen. Am Nachmittag wurden zwei Freiversammlungen um 16 und um 18 Uhr gehalten, danach, um 20 Uhr, die Heilsversammlung.
Im Lauf der Woche war jeder Abend ausgefüllt: Es gab Heiligungsstunden, Hofmissionen, ein bis zwei Freiversammlungen, eine Heilsversammlung, Soldatenversammlungen, Sängerübung und Musikerübung. Außerdem fanden Wirtschaftsmissionen mit Singen statt.

2. Weltkrieg
Als der 2. Weltkrieg ausbrach, wurden viele Heilssoldaten eingezogen. Versammlungen fanden zwar im Saal noch statt, Freiversammlungen und Missionen waren jedoch verboten. Im Oktober 1943 verlor das Korps bei einem Bombenangriff seinen Saal.

Nachkriegsjahre

Wie es in dem Buch von Major Kothe „Unterdrückt aber nicht umgekommen“ heißt, ging es auch in Hannover mit der Heilsarmee nach 1945 wieder aufwärts.
In den schweren Nachkriegsjahren war es die Internationale Heilsarmee, die das Korps tatkräftig unterstützte, und gemeinsam mit den deutschen Kameraden wiederaufbaute.
Die erste Musikkapelle, die nach dem Krieg Hannover besuchte, kam aus Husquvarne. Die nächste kam bereits aus Coventry, ein Ort der von den Deutschen besonders schwer bombardiert worden war. Diese Kapelle schenkte dem Korps die erste Fahne nach dem Krieg.
Mit Hilfe des Relief-Teams konnte die kleine Musikkapelle mit Instrumenten, die von der deutschen Wehrmacht stammten, Flüchtlingslage besuchen und den Menschen dort nicht nur materielle Hilfe bringen, sondern ihnen das Evangelium bringen, die frohe Botschaft von Jesus Christus.
Diese Gottesdienste wurden mit viel Musik und Gesang umrahmt. Neben den Blasinstrumenten hatten wir eine Konzertina, eine Geige, eine singende Säge und Gitarren dabei. So dass das Programm abwechslungsreich war.
Die ersten Versammlungen hielten wir in der Meterstraße in einem Schulraum ab, gegenüber von unserem alten Heilsarmeesaal. Die Freiversammlungen wurden vor dem Opernhaus abgehalten und marschierend mit Musik ging es anschließend zum Saal. Zu dieser Zeit waren in Hannover und Umgebung sehr viele britische Soldaten stationiert und diese halfen uns in der Musik mit. Dann zog die Heilsarmee noch einmal um und zwar in die Zietenstraße in Vahrenwald. Dieser Saal und die dazugehörige Wohnung waren dann für einige Zeit, nachdem Korps 1 in die Cellerstraße gezogen war, auch die Heimat für Korps 2. Korps 2 war nach dem Krieg in Hannover-Linden eröffnet worden, durch Majorin Dicke und Majorin Kurrat.

1947 bis 1949
3. August 1947 Einweihung der neuen Baracke

Im Jahre 1947 bekamen wir von der schwedischen Heilsarmee, wie viele andere Korps auch, eine Baracke. Diese Baracke haben die Heilssoldaten fast in Eigenarbeit selbst aufgebaut. Das Material wurde mit Kantinenwagen vom Red Shield Club herangefahren. Im August 1947 wurde die Baracke von Kommandeur Gauntlett eingeweiht. Über der Plattform stand der Spruch: „Wir haben einen Gott, der da hilft.“ Psalm 68, 21.

Bis 1949 waren Majorin Keiling und Majorin Witt Leiterinnen des Korps. Nach und nach ging die Korpsarbeit mit sehr vielen Aktivitäten voran. Der Heimbund wurde wieder von Heimbundleiterin Schwester Hübner geleitet. Die Sonntagsschule war gut besucht und bestand aus mehreren Kompanien. KSM war Bruder Schäfer.
Die Musikkapelle bestand aus 13 Musikern und wurden von Kapellmeister Kumm und Brigadier Ellingham geleitet. Der Red Shield Club unterstützte uns mit Instrumenten und Noten. Jahrelang hatten wir Donnerstag und Samstag in der Kantine am Waterlooplatz unsere Musikübungen. Bei einer kleinen Pause gab es eine Tasse Tee und ein Sandwich. Durch die Fahrgelegenheiten des Red Shield Clubs konnten wir einige Korps in der Umgebung von Hannover in ihrer Arbeit unterstützen.
Nach der Heilsversammlung war noch eine Stunde „Sing-Song“ für die britischen Soldaten.
In den Räumlichkeiten der Kantine des Red Shield Clubs wurden große Kakao-Feste veranstaltet, an denen bis zu 120 Kinder teilnahmen.
Für die Jugendlichen fand am Samstag ein Jugendclub statt, der den Namen „Fackelträger“ hatte. Im Sommer fuhren wir mit den ca. 40 Jugendlichen auch in das Eilenriedestadion, um dort Ballspiele zu machen.
Regelmäßig alle zwei Wochen hatten wir das Vorrecht, eine Versammlung im Gefängnis zu halten; Männer- und Frauengefängnis abwechselnd. Vom Gefängnis in Hannover, das sich zu der Zeit noch hinter dem Hauptbahnhof in der Stadtmitte befand, ging es mit Musik marschierend zur Freiversammlung am Opernhaus. Nach einer guten Stunde marschierten wir zur Celler Straße zur Heilsversammlung und viele Menschen folgten uns.
Ein Höhepunkt für das Musikkorps war Ostern 1949 der Musikerkongress im Ruhrgebiet, wo wir mit 15 Musikern teilnehmen konnten.

1956 bis 1962
11. August 1962 Einweihung des Korpssaals Am Marstall 25

Ostern und Pfingsten 1956 haben wir zwei Konzerttourneen mit 21 Musikern durch die Norddivision  gemacht und viele Korps besucht.
In den Jahren 1958 und 1960 nahm das Hannoversche Musikkorps am Nationalen Musikkongress in Mühlheim an der Ruhr teil.

Im März 1961 sind wir mit sieben Musikern nach Enschede/ Holland gefahren, um in Amsterdam am großen holländischen Musikerkongress teilzunehmen.
Im Mai war das Musikkorps Hannover zu dem Jubiläumskongress in Stuttgart eingeladen. Der Heimgang von Kapellmeister Kumm im Januar 1962 war nicht nur für unsere Korps ein großer Verlust. Danach wurde Bruder Paul Metzger zum Kapellmeister bestallt, der schon mehrere Jahre unser Gesangchorleiter war.
Zu dieser Zeit mussten wir unsere Baracke in der Cellerstraße aufgeben, weil dort das neue Postscheckamt gebaut wurde. Die Versammlungen fanden im Gemeindesaal der Christuskirche statt.
Das Korps konnte am 11.08.1962 den neuen Saal Am Marstall 25 beziehen. Neben dem Saal befindet sich ein Wohnhaus, das vor allem für Ruhestandsoffiziere gedacht war. Die Korpsoffizierin war in den Jahren des Bauens Majorin Dzubiel. Es fanden wieder regelmäßige Veranstaltungen statt.

1965 bis 1975
70 jähriges Jubiläum 1966

Von 1965 bis 1975 war ein Salutistentreffen der Norddivision in Bad Gandersheim. Dort war vormittags eine Heiligungversammlung, viele Jahre im Kurpark; am Nachmittag war ein Musik- und Gesangsfest im großen Kursaal und am Abend eine Freiversammlung auf dem Marktplatz.
Die Jugend im Korps war in den Jahren 1969 bis 1975 besonders aktiv. Am 2. Juni 1969 wurden vom damaligen Jugendsekretär Major Honsberg neun Jugendsänger bestallt. Viele Jahre hatten wir eine Jugendband, die von Klaus Müller geleitet wurde.

Heute

Seit 2018 leitet Christine Tursi das Korps Hannover der Heilsarmee in Deutschland und hat es sich seit Herbst 2019 zur Aufgabe gemacht, die Familien im Rotlichtmilieu zu unterstützen. Neben der Arbeit im Rotlichtmilieu ist auch die Obdachlosenhilfe ein wichtiger Teil des Einsatzes des Korps Hannover.

Die Corona-Pandemie ist eine Herausforderung, die vor allem in der Obdachlosenarbeit zu spüren war. Die Kleiderkammer und die Essensausgabe mussten umgestaltet werden, sodass nicht mehr große Mengen an Bedürftigen gleichzeitig versorgt werden konnten. Doch gerade durch diese Entzerrung wurde der Fokus immer mehr auf intensive Beziehungen gelegt. „Besonders in der Winterzeit wollen wir ein Ort zum Aufwärmen und zur Gemeinschaft sein“, so Leutnantin Tursi.

Christine Tursi und ihr Team begegnen den Frauen und Männern im Rotlichtmilieu nicht mit Vorwürfen oder unrealistischen Ratschlägen. Sie hören zu und unterstützen die Familien mit Hilfe zur Selbsthilfe. So erreichten sie bereits, dass Kinder ohne bisherige Bildungsmöglichkeiten endlich eingeschult wurden und das Wohnungen, die fast geräumt werden mussten, doch noch erhalten geblieben sind. Vor allem die Kinder sollen nicht zur nächsten Generation dieser Missstände werden.

Leutnantin Christine Tursi ist auch in erster Linie eine Pastorin und das Korps Hannover eine christliche Gemeinde. Darum ist das Erzählen von Jesu Botschaft ebenfalls eine wichtige Aufgabe des Korps. Schnell wurde klar, dass auch die Familien im Rotlichtmilieu sich nach der Liebe Gottes sehnen. „Wenn du eine Pastorin bist, sei doch bitte auch unsere Pastorin“, baten sie Christine Tursi. So begannen erst kleine Hausgemeinschaften und als die Teilnehmerzahl stetig wuchs, wurde der zweisprachige Gottesdienst auf deutsch und bulgarisch eingeführt. Etwa 20 Teilnehmer besuchen zurzeit regelmäßig den bunten und kreativen Gottesdienst, in dem viel zusammen gesungen und gebastelt wird.

Die Kinder liegen dem Korps und Christine Tursi ebenfalls auf dem Herzen. „Wir wollen ein Licht für die Kinder in Hannover sein“, erklärt Christine Tursi den schönen Namen „Leuchtturmprojekt“ des Kinderprogramms. Hier gibt es eine Hausaufgabenhilfe und viele verschiedene Spiele. Außerdem finden zweimal im Jahr besondere Ferienwochen statt. Die Kinder sollen integriert werden und einen Ort der Geborgenheit und Gemeinschaft erleben. Durch die Arbeit mit den Kindern können die Familien begleitet und Perspektiven außerhalb des Rotlichtmilieus aufgezeigt werden.

Leutnantin Christine Tursi, das Korps und alle Mitarbeitenden leisten eine wertvolle Arbeit in Hannover und führen 125 Jahre Heilsarmee in Hannover durch ihren Einsatz fort.