Krisen und Wachstum

1920-1930

Essensausgabe an die in Not

Die Weltwirtschaftskrise setzt allen Nationen zu. Aber Deutschland leidet verstärkt durch die Kriegsfolgen. Man hungert. Eine tragfähige politische Lösung ist nicht in Sicht. Die Heilsarmee, selbst geschwächt, aber mit internationalen Verbindungen, nimmt den Kampf abseits der politischen Auseinandersetzungen auf. Und einem Mann kommt eine Idee! Der Leiter der Männersozialarbeit hat sich selbst als Soldat im Feld oft an den Feldküchen des Heeres erfreut. Sie sind zwar von den Siegern beschlagnahmt, aber bald stehen in circa 30 Städten in Deutschland die „Gulaschkanonen der Heilsarmee”, in Berlin zwanzig, in Breslau gleich dreißig. Hunderttausende holen sich ihren Eintopf an den dampfenden Kesseln, und Tausende spenden Geld oder Ware, um „den Topf am Kochen zu halten”. Auf der Straße singt man spöttisch „Schon wieder einen Knochen für die Heilsarmee zum Kochen”, aber es ist liebevoller Spott. Nicht umsonst wird ein Sammelbild der Zigarettenkartenserie „Die Nachkriegszeit” für Mai 1922 mit einem Bild der Heilsarmeegulaschkanone herausgegeben, komplett mit Aufruf: „Jede Gabe, je größer je besser, hilft sättigen einen hungrigen Esser” und „Gott es Ihnen lohne, was Sie geben für die Gulaschkanone!”

Die Heilsarmee kann die Zahl der Korps weiter erhöhen und auch die stationäre Sozialarbeit wird ausgebaut. Von reinen „Logisheimen” geht die Entwicklung zum „Industrieheim”, in dem durch Arbeit (heute würde man es Recycling nennen) die Bewohner ihre Selbstachtung zurückgewinnen sollen.

Die Heilsarmee ist fest entschlossen, mehr für diese Menschen zu tun … Und trotz Inflation tut sie es auch, nicht nur mit der Einrichtung von mehr als 1000 Schlafplätzen allein in der Hauptstadt, sondern auch mit vorbeugenden Maßnahmen. So wird 1922 in Berlin-Schöneberg der erste Heimbund (Frauengruppe) in Deutschland gegründet und auch die Jugendarbeit blüht in den 20er-Jahren auf. Die Pfadfinder haben großen Zulauf, viele von ihnen sind im Korps engagiert und nicht wenige werden Offiziere. 1927 werden allein fast 150 Kadetten des Kursus „Die Überwinder” bestallt; es ist der größte Kursus, den man in Deutschland je gehabt hat.

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