Der Blick in die Vergangenheit

Gruppenbild beim 60jährigen Korpsjubiliäum 1956

Die erste Heilsarmee-Gemeinde in Leipzig wurde am 2.12.1896 gegründet. Der Versammlungssaal befand sich in der Lützowstraße 14. Weitere Gemeinden kamen 1900 (Johannisplatz  3/5) und im Oktober des gleichen Jahres in der Bayrischen Straße 6 hinzu.
1906 wurde ein sog. Rettungsheim mit 25 Betten in Lindenau (Birkenstr. 5) eröffnet.1917 wurde zusätzlich zu dem bestehenden Männerheim auch ein Heim für Mädchen gegründet.

Alle Gemeinden und Einrichtungen mussten mehrfach umziehen - was sich auch in Zukunft nicht ändern sollte ...

1923 wurde hunderttausende Mahlzeiten an die hungernde Bevölkerung auf dem Augustusplatz verteilt, die beispielsweise vom "Verband der deutschen Rauchwarenhändler" großzügig finanziert wurden.

Über die Jahre des zweiten Weltkrieges und der deutschen Teilung ist relativ wenig bekannt.

Es wird lediglich berichtet, dass die Aufschrift „Die Heilsarmee" über dem Torbogen zum Saaleingang mit der Begründung „Es gibt hier keine Armee, außer der Roten Armee!" entfernt werden musste. Die Arbeit der Heilsarmee wurde jedoch von der Regierung misstrauisch beäugt. So musste die Brigadierin Veranstaltungspläne und Gastredner von der Kommandantur genehmigen lassen. Schließlich verlangten Mitarbeiter der Stasi doch die Schließung des Korps. Die Heilsarmee-Gemeinde ließ sich jedoch nicht einfach so zerschlagen. Das Nationale Hauptquartier (damals in West-Berlin) empfahl, dass das Korps sich einer anderen freien Gemeinde anschließen sollte. Bei der Methodistengemeinde in Leipzig fanden die Salutisten Unterschlupf. Die Gemeinde wurde offiziell der Methodistischen Kirche angegliedert, traf sich jedoch weiterhin zu ihren eigenen Gottesdiensten. Gastprediger aus der BRD wurden von den Gemeindegliedern als private Gäste eingeladen; auch mit dem Nationalen Hauptquartier wurde auf nach außen hin privater Ebene die gesamte DDR-Zeit über Kontakt gehalten. Noten für das Gitarrenkorps wurden als Einzelblätter in die DDR geschickt und in Leipzig von Hand vervielfältigt. So blieb die Gemeinde die gesamte DDR-Zeit über im Herzen Heilsarmee.

Als 1989 die Mauer fiel bemühte sich die Heilsarmee sofort darum, den Kameraden in Leipzig zu helfen das Korps offiziell wieder ins Leben zu rufen. Im März 1990 fuhren Ruth Färber und Erika Heberling aus der Gemeinde in Leipzig gemeinsam mit Major Metzger zum Kirchenamt in Berlin und beantragten die Wiedereröffung des Korps Leipzig. Die benötigten Stimmen wurden gesammelt und die Methodistenkirche gab die Gemeinde wieder ab.

Am 16. Juni 1990 kam Generalin Eva Burrows nach Leipzig zu einer feierlichen Wiedereröffnungsversammlung. Das Korps traf sich in der Folgezeit mit etwa 20 verbliebenen Kameraden zunächst wieder im alten Saal am Lindenauer Markt, bevor der Vermieter 1991 kündigte.

Unter Leitung der Kapitäninnen Vogler und Belz zog die Gemeinde nach Leipzig/Paunsdorf um. Hier fand sie zunächst Quartier in einer alten Postbaracke. Es entwickelte sich eine Arbeit mit Obdachlosen, für die Essen und Kleidung bereit gestellt wurde. Zu den angebotenen Frühstücksgottesdiensten kamen auch interessierte Anwohner. Ein junger Australier besuchte Schulen und traf sich mit Jugendlichen zu Bibelstunden. Aus diesen Anfängen entwickelte sich das Jugendcafé, das heute eine feste Größe der Jugendarbeit in Paunsdorf ist. 1999 erfolgte der Umzug von der Postbaracke in das renovierte Kindergartengebäude am Südblick 5a in Leipzig/Paunsdorf, wo sie auch heute noch zu finden ist.