Unterwegs in neue Jahr

Gedanken eines Reisenden

Die Lichter verschwinden in der Dunkelheit. Ich höre Geräusche, Autos fahren über die nahe Hochstraße. Irgendwo muss da eine defekte Stelle auf der Fahrbahn sein, denn jedes Mal, wenn ein Auto darüber fährt, macht es klack, klack, klack. Jetzt ist es wieder still. Da, eine Lok kommt, Waggons werden angekoppelt. Es ruckt ein paar Mal und ein Zug mit schwer beladenen Güterwaggons setzt sich in Bewegung. Die Zeiger der Bahnhofsuhr rücken unaufhörlich weiter.

Wann kommt mein Zug? Wird er Verspätung haben? Bekomme ich meinen Anschlusszug?

In der Dunkelheit tauchen Lichter auf. Zwei unten, eins oben in der Mitte. Sie kommen näher. Es ist mein Zug. Ich steige in ein leeres Abteil und sehe mich in einem Spiegel. Dann setzte ich mich und bin mit mir allein. Die Tür zum nächsten Wagon lässt sich nicht schließen. Die Geräusche werden lauter, der Zug fährt schneller. Die offene Tür stört, aber sie bleibt offen.

Eine offene Tür, ein Zug, eine Bahnhofsuhr, ein dunkler Morgen: Was hat das mit mir zu tun? Was hat das mit dem neuen Jahr tun?

Das neue Jahr ist wie ein Zug, auf den ich warte. Die Uhr der Zeiten tickt unaufhörlich, bleibt nicht stehen. Es schlägt zwölf und das neue Jahr ist da. In der Dunkelheit kann ich nur wenig von dem neuen Jahr sehen. So wie ein Lichtschein näher kommt, erkenne ich nach und nach, was das neue Jahr mit sich bringen wird. Ich steige in dieses Jahr ein, nehme Platz in diesem Jahr und weiß noch nicht, wohin diese Reise gehen wird. Noch umgibt mich die Nacht und nur langsam wird es heller.

Ich richte mich ein in diesem neuen Jahr. Es wird streckenweise nur langsam vorwärts gehen. Manchen Halt wird es geben. Menschen steigen ein und aus. Welche Begegnungen werde ich im neuen Jahr haben? Kann ich neue Freundschaften schließen? Kann ich alte Freundschaften festigen? Werden mich lieb gewonnene Menschen endgültig verlassen, weil es für sie heißt „ Endstation, der Zug endet hier"?

Manchen Ruck wird es geben. Dann wird mein Leben durchgeschüttelt. Werde ich allen Erschütterungen im neuen Jahr standhalten? Werde ich alles verkraften, was auf mich zukommt? Werde ich die „unvermeidlichen" guten Vorsätze halten können? Wie gehe ich mit den unvorhergesehen Stopps auf offener Strecke um, wenn ich denke, dass es nicht mehr weitergeht? Und wenn es für mich heißt „Endstation", bin ich vorbereitet, komme ich am Ziel, bei Gott an?

Da fällt mir die offene Abteiltür wieder ein. Wie gut zu wissen: Gottes Tür ist immer offen für mich. Der Zugang zu Gott ist frei. Jesus Christus sagt von sich: „Ich bin die Tür", Johannes 10,9. Er ist die Tür zum Leben, zur Versöhnung mit Gott und damit zum ewigen Leben.

Zwar liegt das neue Jahr noch dunkel vor mir, aber die Tage des Jahres werden immer heller. Immer deutlicher wird, was das neue Jahr beinhaltet. Immer klarer wird der Weg, den ich durch das neue Jahr gehe. Alles Neue wirkt zuerst einmal dunkel auf mich und macht mir Angst. Langsam werden die Schritte fester, der Gang sicherer, die Angst weniger und der Weg heller.

In zwölf Monaten sehe ich auf das Jahr 2017 zurück. Dankbar? Erleichtert? Erfüllt mit neuen Erfahrungen und vielen Eindrücken? Ich habe mich auf die Reise durch ein neues Jahr eingelassen. In den letzten Jahren erlebte ich: Es ist ein guter Weg, wenn ich ihn mit Gott gehe, denn Gott ist derselbe. Er verändert sich nicht - auch wenn sich die Zeiten ändern und ein Jahr sich an das andere reiht.                                                             Major Alfred Preuß

Der du die Zeit in Händen hast, Herr, nimm auch dieses Jahres Last

und wandle sie in Segen… führ uns dem Ziel entgegen.

Jochen Klepper

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