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Sozialwerk Nürnberg

Die Heilsarmee in Deutschland

Die zwei Leben des Herrn B.

Er war 22 Jahre Bewohner des Sozialwerks. Anfang März starb er, seinem Wunsch gemäß, in seinem gewohnten Umfeld. Menschen, die Herrn B. kannten, erinnerten sich gemeinsam in der Einrichtung während eines Kaffeetrinkens. Heutzutage ist es nicht mehr möglich, in der Trauerhalle oder auf dem Friedhof Abschied zu nehmen, wenn öffentliche Gelder benötigt werden, um die leibliche Hülle zu versorgen.

Sein Sozialpädagoge formulierte in seinen persönlichen Erinnerungsworten: „Es gab für ihn ein Leben vor der Heilsarmee und eines in der Heilsarmee!“ Ich berichte von den Erinnerungen in der Einrichtung: Es war berührend, mitzuerleben, wie Herr B. sich zunehmend stabilisierte und annehmen konnte, dass dies nun sein neues Zuhause war. Soziale Kontakte wurden ganz neu gebildet und Beziehungen wuchsen. Er arbeitete in den unterschiedlichen Bereichen der Tagesstruktur mit, am längsten im Bereich Kleiderkammer/Kleiderladen. Er half beim wöchentlich stattfindenden Bettwäschewechsel und besuchte die Straßenkreuzer-Uni, ein Bildungsprojekt für Menschen mit wenig Chancen zur Teilhabe an Bildung. Dort lernte er auch seine Freundin kennen. Sie verstarb vor zwei Jahren, dies setzte ihm sehr zu.

Manches wurde anders in seinem Leben. Gemeinsame Orte versuchte er zu meiden. Leider ging es ihm gesundheitlich bald danach immer schlechter und er bekam die Diagnose einer unheilbaren Krebserkrankung. Noch im Herbst 2017 meinte Herr B. völlig ruhig, dass er auch die Krankheit annehmen könne, da er ja wisse, wohin es für ihn gehe nach seinem Tod: „Ich weiß: Gott, mein liebender Vater, wartet auf mich!“ In seiner Geldbörse wurden neben Versicherungskarte und Personalausweis diese beiden Kärtchen gefunden. Auf dem einen hat er die Worte „Du bist“ durchgestrichen und geschrieben: „Ich bin ein Segen!“ Das zweite Kärtchen zog er anlässlich der offenen Tür an Silvester in unserer Einrichtung.

Für mich war es ganz besonders bedeutsam, da es seine Aussage vom Herbst unterstreicht. Es ist für mich wie eine Zusage von Gottes Seite. Eine Sozialpädagogin berichtete von ihrem Eindruck bei einer Begegnung wenige Tage, bevor er starb: „Trotz seiner sichtbaren Schwäche strahlte er mich an und sagte, wie froh er sei, hier sein zu dürfen.“ Auch wenn wir ihn hier nun vermissen, sind wir doch sehr dankbar, ihn kennengelernt zu haben. Wie gut, daran glauben zu dürfen, ihn eines Tages in der Ewigkeit wiederzusehen!

Majorin Marie-Luise Schröder

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