#LiebeDeinenNächsten

Die Heilsarmee sagt Danke

Auf den Punkt gebracht: Wir sind überwältigt!

Am Mittwoch, dem 1. Juni 2016, veröffentlichten wir auf Facebook unsere Reaktion zu einem Spendeneingang mit dem fremdenfeindlichen Verwendungszweck „Spende für Deutsche, Spende nicht für muslimische Immigranten oder Neger“ (Sie finden den erwähnten Beitrag weiter unten auf dieser Seite). Die Welle der Aufmerksamkeit und Solidarität, die unsere Entscheidung, die Spende nicht anzunehmen, seither auslöste, hätten wir uns beim besten Willen nicht träumen lassen können.

Während sonst ein Facebook-Eintrag der Heilsarmee durchschnittlich 1.500 Menschen erreicht, wurde dieser betreffende mittlerweile von weit über einer Million Menschen gesehen. Tausende teilten und „liketen“ den Beitrag und hunderte Kommentare und Nachrichten erreichten uns seither dazu. Was uns immens freut – zum weitaus überwiegenden Teil meldeten sich Menschen zu Wort, die unser Anliegen teilen: Dass man menschlicher Not begegnen muss – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder sonstigen „Merkmalen“.

Was uns besonders freut: Eine ganze Reihe Menschen bewegte dieser Vorfall dazu, uns eine „Ersatzspende“ zukommen zu lassen, häufig sinngemäß mit begleitenden Kommentaren, wie „Danke für das klare Statement. Dafür eine Ausgleichspende von mir.“
Auf diese Weise konnte der abgelehnte Spendenbetrag, zu dessen Höhe wir keine Angaben gemacht haben, um ein Vielfaches wieder ausgeglichen werden. Dafür möchte sich die Heilsarmee von ganzem Herzen bei den Spendern bedanken! Ihre Spende ermöglicht es uns, bedürftigen Menschen in den verschiedensten Lebenslagen und aus den verschiedensten Hintergründen zu helfen. Einen Überblick über einige unserer Arbeitsbereiche finden Sie beispielsweise hier: www.heilsarmee.de/helfen

Auch vereinzelte kritische Untertöne mischten sich unter die Reaktionen, meist mit der Nachfrage, warum es denn nicht möglich sein sollte, gezielt „nur für Deutsche“ zu spenden. Eine Sammlung der häufigsten Fragen und unsere Antworten dazu finden Sie weiter unten.

Häufig gestellte Fragen

Ich möchte die entgangene Spende ausgleichen – wie hoch war denn der Betrag?

Wir freuen uns sehr darüber, dass Sie uns bei unserem Auftrag unterstützen möchten, menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen. Bitte haben Sie jedoch Verständnis dafür, dass wir uns zu der Höhe der betreffenden Spende nicht äußern.

Die Höhe der Spende, um die es ging, spielte für unsere Entscheidung auch keine Rolle. Uns ging es ums Prinzip. Wir würden jede Spende mit einem diskriminierenden Verwendungszweck abweisen – unabhängig vom Betrag. Wenn Sie uns unterstützen möchten, hilft uns jeder Betrag, anderen zu helfen. Vielen Dank!

Warum kann man denn nicht „nur für Deutsche“ spenden?

Grundsätzlich ist es natürlich jedem freigestellt, sein Geld dorthin zu spenden, wohin man es für richtig hält. Und, natürlich gibt es auch viele bedürfte Deutsche. Ihnen gilt unsere Hilfe bereits seit 130 Jahren genauso selbstverständlich, wie allen anderen Menschen, die in diesem Land Not leiden.

Wenn sich jemand für die Heilsarmee als Spendenempfänger entscheidet, dann kann man für eine zweckgebundene Verwendung aus einer Vielzahl von Hilfsprojekten und Arbeitsbereichen auswählen – für Obdachlose, Suchthilfe, Gefängnisseelsorge, Katastrophenhilfe, Flüchtlingshilfe, Seniorenhilfe uvm., siehe z.B. www.heilsarmee.de/helfen

Allerdings macht die Heilsarmee keinen Unterschied nach Religion, Hautfarbe, Herkunft oder sonstigem Merkmal. Bereits in unserem Organisationsleitsatz haben wir uns dazu verschrieben, menschlicher Not ohne Ansehen der Person zu begegnen. Abgesehen davon, dass es für die Heilsarmee als internationale Organisation völlig außer Frage steht, dies anders zu handhaben – wie sollte die Zuführung des Verwendungszweckes „nur für Deutsche“ praktisch aussehen? Sollte sich die Heilsarmee beispielsweise von einem Obdachlosen einen Personalausweis zeigen lassen, bevor sie ihn mit einer Mahlzeit, einer Notunterkunft oder einem Schlafsack versorgt? Aus unserer Sicht eine rhetorische Frage.

Hätte man die Spende nicht einfach nehmen und für Flüchtlinge verwenden können – aus Prinzip?

Wenn wir eine Spende annehmen, ist der Verwendungszweck für uns bindend. Eine Zuführung zu einem anderen Zweck, als der Spender festgelegt hat, ist uns deshalb nicht möglich. Neben den gesetzlichen Vorgaben unterwerfen wir uns außerdem weiteren hohen Standards beim Umgang mit Spenden, wie uns von verschiedenen unabhängigen Institutionen regelmäßig bescheinigt wird: www.heilsarmee.de/offen-transparent-zertifiziert

Ist die Geschichte überhaupt wahr oder nur ein Marketing-Gag?

Die „Geschichte“ ist leider tatsächlich wahr. Während die Entscheidung, die Spende abzulehnen, für uns keine Frage war, haben wir lange überlegt, ob wir den Fall publik machen sollen. Letztlich haben wir uns aber dann dafür entschieden, um unseren Standpunkt unmissverständlich klar zu machen und damit ein bewusstes Statement gegen Fremdenhass und für Mitmenschlichkeit zu setzen. Welche Wellen dies schlug, konnten wir beim besten Willen nicht ahnen. Selbstverständlich freuen wir uns aber nun auch sehr über die Welle der Solidarität und dass dieses wichtige Thema soviel Aufmerksamkeit erhalten hat.

Woher wollen Sie denn überhaupt die Adresse des Herrn B. herhaben?

Wenn jemand eine Spendenbescheinigung von uns erhalten möchte, wenn jemand seine Daten in unser Online-Spendenformular eingibt oder wenn jemand bereits in unserer Spenderdatenbank bekannt ist, liegt uns die Adresse eines Spenders vor.

Stellen Sie damit nicht eine Person an den Pranger?

Jemanden persönlich bloßzustellen liegt uns fern und wir möchten auch niemanden verurteilen. Wir haben deshalb penibel darauf geachtet, sämtliche Hinweise, die Rückschlüsse auf den besagten Spender zulassen, in den veröffentlichten Dokumenten unkenntlich zu machen. Anhand der Angabe „Jürgen B.“ ist die Ermittlung der betreffenden Person nicht möglich.

Inhaltlich wollten wir jedoch deutlich Stellung beziehen und dafür eignet sich ein solch konkreter Fall immer besser, als ein allgemeines Beispiel (wie letztlich die Resonanz auf unser Statement beweist).

Reaktionen in den Medien