Berichte aus der Arbeit des Suchdienstes

Es gibt Schönes und Trauriges zu berichten von den Versuchen, Menschen zusammenzuführen. Doch es ist eine wunderbare Sache, dass die Internationalität der Heilsarmee solche Dienste möglich macht. Und es ist ein Weg unter vielen, um deutlich werden zu lassen, dass wir – wie Jesus – unseren Einsatz geben wollen, um "Verlorene" zu suchen und ihnen die offene Tür nach Hause zu zeigen.

Lesen Sie nachfolgend einige Berichte aus unserer Arbeit.

Suchanfrage aus Australien

Sohn Erich aus Australien sucht seinen Vater. Er stellt einen Suchantrag in Australien, da er in Australien wohnt. Er weiß weder Geburtstag (evtl. 1929) noch Geburtsort - nur Geburtsland, und das war Deutschland. Zuletzt hat er 1970 von ihm gehört und er glaubt zu wissen, dass der Vater das Land verlassen hat. Gründe waren Eheprobleme und die Suche nach Arbeit.

Das waren natürlich denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Suche. Doch auf unsere Rückfrage hin schickte der Sohn uns seinen Taufschein, auf dem der Wohnort am Tauftag angegeben war, und einen alten Brief seines Vaters mit einer Adresse in Bayern. Jetzt konnte die Suche losgehen.

Sie startete beim Meldeamt M. und ging dann immer weiter. Immer wieder war der Vater in eine andere Stadt gezogen. Die ganze Sache zog sich fast über drei Jahre hin. Zuletzt erhielten wir eine Adresse, wo er noch wohnen sollte. So schrieb ich ihm im Januar, dass sein Sohn aus Australien ihn suchte. Drei Tage später hatte ich einen Anruf von einem überglücklichen, total aufgeregtem Vater. Dass wir ihn gefunden hätten!!! Viele Jahre lang hatte er auch nach seinem Sohn gesucht und ihn nicht gefunden. Er hatte schon einen Herzinfarkt hinter sich und konnte nicht schnell genug die Telefonnummer von seinem Sohn in Australien bekommen, um mit ihm zu sprechen zu können.

Ein Geschwisterpaar

Ein Mann aus Schweden sucht seine Halbschwester Renate K.. Geburtsort Leipzig, Geburtsjahr 1940-1942. Er weiß, dass sie 1961 geheiratet hat und auch gern Kontakt zu ihm gehabt hätte, doch die Großmutter, bei der die Halbschwester wohnte, hat das verhindert. Bekannt war nur die Adresse der Großmutter, bei der sie bis zur Heirat gewohnt hatte.

Es ging also darum, den neuen Namen zu erfahren und evtl. den Wohnort. Glücklicherweise teilte man mir mit diesen Informationen auch das genaue Geburtsdatum mit. Doch auch von dem genannten Wohnort war Renate verzogen. Auf meine Anfrage hin teilte man mir ihren neuen Wohnort mit und dass sie einen anderen Namen trug. Nun schrieb ich die Frau an, und sie antwortete postwendend: Sie war sehr überrascht, die Neugierde war groß, etwas über ihren Vater zu erfahren und sie wollte schnell die Adresse ihres Halbbruders haben.

Ein ganz "einfacher Fall"

Eine Frau aus Australien sucht ihren Vater. Bekannt sind der Geburtsort und ein ungefähres Geburtsjahr zwischen 1942 und 1945. Nun - wenn ich eine neue Anfrage erhalte, versuche ich zunächst etwas über meine Telefon-CD. Dort kann ich u. a. den Namen der gesuchten Person eingeben, z. B. "Hanni Mustermann", und dann zeigt man mir alle Hanni Mustermann in Deutschland an, die unter diesem Namen Telefon haben (allerdings keine Geheimnummern).

So gab ich den gesuchten Namen ein und fand eine Person mit diesem Namen in der Gegend von Hamburg. Ich rief dort an, und Klaus Peter meldete sich. Es war die gesuchte Person. Er gab gern die Einwilligung, seine Adresse an seine Tochter weiterzuleiten. Doch er sagte auch: "Es ist ein Wunder, dass Sie mich gefunden habe. Ich bin erst ganz kürzlich wieder nach Deutschland zurückgekehrt, ich habe neun Jahre in Portugal gewohnt." Manchmal geht es eben auch so einfach ...

Die kleine Notiz

Ein Mann aus Dänemark suchte seine Mutter, die ihn zur Adoption freigegeben hatte, also ein etwas heikler Fall. Letztbekannter Wohnort im Jahr 1961 war H. Von dort erhielt ich die Information, dass sie sich 1966 nach B. abgemeldet hatte. Dort jedoch hatte man keinen Eintrag. Nach vergeblichen weiteren Versuchen, über das Standesamt evtl. Auskünfte zu erhalten, ging ich einen anderen Weg.

Über meine Telefon-CD versuchte ich herauszufinden, wer evtl. in B. im gleichen Haus gewohnt haben könnte, und stellte dabei fest, dass die genannte Adresse ein Krankenhaus war. So habe ich dort angerufen und gefragt, ob man evtl. Auskünfte erhalten könnte. Ich wurde an die Personalabteilung des Krankenhauses verwiesen. Ich schickte eine Anfrage dorthin (telefonisch werden prinzipiell keine Auskünfte erteilt) und erhielt die Nachricht, dass die gesuchte Person bei ihrer Mutter gewohnt hatte und dort eine Krankenpflegeschule besucht hat und welchen Namen die gesuchte Mutter jetzt trägt.

Ich habe dann bei der Personalstelle angerufen und mich bedankt. Da meinte die Dame: "Ich wollte die Sache schon als unmöglich zu erledigen weglegen, als ich doch noch eine kleine Notiz fand." Über die Adresse der Mutter der gesuchten Person erhielt ich dann die Adresse von Christina Sch. Ich habe sie angerufen, und sie war sehr glücklich zu erfahren, dass ihr Sohn sie sucht. "Gestern hatte er Geburtstag", sagte sie. Doch damals war sie zu jung (gerade 17 Jahre), um die Verantwortung für einen Sohn zu übernehmen. Jetzt aber war sie so glücklich, dass sie gleich Adresse und Telefonnummer haben wollte, um ihn anzurufen oder ihm zu schreiben.

Suchanfrage aus Australien führte - nach Australien

Eine Frau aus Australien suchte ihre Mutter, von der sie seit 1962 nichts mehr gehört hatte, da ihre Eltern sich scheiden ließen und die Mutter wohl nach Deutschland zurückgekehrt war. Die Tochter wagte es, ihre Mutter zu suchen, weil ihr Vater verstorben war. Das einzige, was ein Meldeamt mir mitteilen konnte, war, dass sie mit ihrer Tochter in ein Flüchtlingslager nach Sch. verzogen war. Es schien also aussichtslos, die Mutter zu finden.

Da sie aber einen ungewöhnlichen Geburtsnamen trug, habe ich alle Personen in Deutschland, die diesen Namen trugen und einen Telefoneintrag hatten, angeschrieben in der Hoffnung, vielleicht könnte der eine oder andere Hinweise geben. Und tatsächlich - einer rief mich an. Er sagte: "Ich hatte Ihren Brief schon weggelegt; doch als ich mich nachmittags ein wenig hingelegt hatte, meinte ich, mich doch an diese Frau zu erinnern." Ich gab ihm dann weitere mir bekannte Informationen und er versprach, sich umzuhören.

Und dann erhielt ich die Adresse der Tante der gesuchten Person. Die Tante wiederum gab mir die Telefonnummer der Schwester der gesuchten Person. Und diese sagte mir: "Ich werde mit meiner Schwester sprechen. Wenn sie einverstanden ist, gebe ich Ihnen die Adresse".

Ich bekam ein Fax. Darin stand: "Meine Schwester ist überglücklich. Viele Jahre hat sie darum gebetet, dass einmal der Tag kommen würde, wo sie wieder mit ihren Töchtern sprechen und viele Dinge erklären könnte. Hier ist ihre Adresse". Das Erstaunliche war: Die Mutter wohnte gar nicht in Deutschland, sondern wie ihre Kinder in Australien. Unser Suchdienst in Australien hat dann mit der Frau gesprochen, und man war erschüttert, was die Frau alles mit ihrem Mann erlebt hat und warum sie gehen musste, ohne zu sagen, wohin. Denn schon einmal war sie nach Deutschland geflohen,und ihr Mann hatte sie wieder zurückgeholt. Doch jetzt war ihr Mann tot, und sie konnte frohen Herzens den Kontakt mit Ihren Töchtern wieder aufnehmen.

Nicht immer ist der Kontakt erwünscht

Ein Mann aus Australien suchte seine Mutter, die er gar nicht kennt. Er ist 1968 geboren, und der letzte Kontakt war 1968. Grund: Scheidung der Eltern. Ich schrieb das Meldeamt an, wo die Mutter 1968 gewohnt hatte. Ich bekam eine Adresse in G. Ich schrieb dorthin und bekam eine Adresse in O. Dort war sie aber nicht zu ermitteln. Es ging hier also nicht weiter.

Ich schrieb nun an das Standesamt in der Stadt, wo die Frau geboren war. Dort informierte man mich, dass dort eine 4. Ehe eingetragen ist und wohl in B. geschlossen wurde. Freundlicherweise schrieb das Standesamt an das Meldeamt in B., und von dort erhielt ich endlich den heutigen Namen und die heutige Adresse. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, sie zu sprechen, klappte es endlich.

Leider lehnte sie es kategorisch ab, einen Kontakt mit ihrem Sohn aufzunehmen. Sie sagte: "Meine Gesundheit ist nicht stark genug, um mit einer veränderten Situation fertig zu werden." Ich habe ihr aber die Adresse ihres Sohnes gegeben. Wenn sie eines Tages doch den Wunsch hat, mit ihm Kontakt aufzunehmen, kann sie es tun. So etwas bedauern wir natürlich sehr, doch man hat auch solche Entscheidungen zu akzeptieren und zu respektieren.