Das geschriebene Wort!


von Alfred Preuß


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Worte, Gedanken und Ideen in schriftlicher Form weiterzugeben, war seit den ersten Tagen der Heilsarmee ein großes Anliegen ihres Gründers William Booth. Er brachte Bücher und Zeitschriften wie den Kriegsruf heraus, die stark zum Bekanntheitsgrad der Heilsarmee beitrugen, aber auch ein wichtiges Kommunikationsmittel zur Verbreitung der biblischen Botschaft von der Liebe Gottes waren. Etwas Geschriebenes in der Hand zu haben, ist aber weder die Erfindung moderner Kommunikationsstrategen noch die von William Booth. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, dass das geschriebene Wort seit langer Zeit einen großen Einfluss auf die Menschheit hat.

In einer Trödelshow im deutschen Fernsehen bot ein Kandidat vor etwa einem Jahr einen Adelsbrief von 1786 zum Verkauf an. Der Experte war begeistert von diesem seltenen Exemplar. Zu jener Zeit war Joseph II. Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation). Neben der Urkunde kam auch das kaiserliche Wachssiegel zum Vorschein. Dies war die Beglaubigung der Echtheit.

Das Sprichwort „Darauf gebe ich dir Brief und Siegel“ hat für mich seither eine noch tiefere und anschaulichere Bedeutung.

Die Bibel ist ein Buch der Kommunikation

Gott hat seine Gedanken aufschreiben lassen.

Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, hat sich uns Menschen offenbart. Nur wenige antike Schriftstücke sind so gut bezeugt wie die Bibel. Man könnte sagen, Gott ist ein Meister der Kommunikation. Er hat seine Gedanken aufschreiben lassen und sie sind uns bis heute erhalten. Die Zehn Gebote waren in Stein gemeißelt und wurden jahrhundertelang in der Bundeslade verwahrt. Wie alt die ersten Schriftstücke des Alten Testaments sind, lässt sich nicht eindeutig klären. Die Papyrusrollen wurden immer wieder von Hand abgeschrieben und die unleserlich gewordenen Reste wurden aus Angst vor Missbrauch vernichtet.

Dennoch bleibt die Bibel Gottes Offenbarungsurkunde. In diesem Liebesbrief zeigt Gott, wer er ist und wie er ist. Er offenbart sich als Schöpfer, als Lenker der Menschheitsgeschichte und als Erlöser für alle Menschen. Er macht seine Liebe zu uns Menschen bekannt. Eine Liebe, die sich besonders im Leiden und Sterben Jesu zeigt, der unsere Schuld auf sich genommen hat, um uns zu erlösen.

Von Generation zu Generation wurde Gottes Wort weitergegeben. Einer erzählte es dem anderen, so hörten es die Kinder von den Eltern oder Großeltern: „Gott, wir haben es mit eigenen Ohren gehört – unsere Vorfahren haben uns erzählt, was du vor langer Zeit getan hast“ (Psalm 44,2).

Josua soll vor seiner großen Aufgabe, Anführer des Volkes Gottes zu sein, keine Angst haben. Er soll Tag und Nacht Wort Gottes betrachten. Es soll nicht von „seinem Munde kommen“ (Josua 1,8). Also: Gottes Wort wird seine tägliche Speise. Denken wir beim Beten des Vaterunsers daran, dass „unser tägliches Brot gib uns heute“ auch bedeuten kann, lass uns täglich in der Bibel lesen?

„Dein Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, Herr, Gott Zebaoth“, (Jeremia 15,16).

Nehemia lässt von einer hölzernen Kanzel aus dem Volk das Wort Gottes verlesen und alle weinen und beten Gott an (Nehemia 8).

Josia, König von Juda (2. Könige 22–23), lässt den Tempel renovieren. Dabei findet man, als der Opferkasten ausgeräumt wird, Schriftrollen. Es handelt sich um das 5. Buch Mose. Josia lässt dieses Buch vorlesen und reformiert den jüdischen Gottesdienst.

Kommunikation

Gott spricht zu Menschen und fordert sie auf, das Gehörte niederzuschreiben: „Der Herr aber antwortete mir und sprach: Schreib auf, was du schaust, deutlich auf eine Tafel, dass es lesen könne, wer vorüberläuft!“ (Habakuk 2,2).

Gott spricht, er lässt aufschreiben und er möchte unsere Antwort, unsere Gebete, hören.

Heute sprechen wir von Kommunikation. Früher hätte man vielleicht eher das Wort „Dialog“, zu Deutsch etwa „Zwiegespräch“, benutzt. Dialog kann von seiner ursprünglichen Bedeutung her auch „Fließen von Worten“ bedeuten. Also miteinander reden, Worte austauschen und auch Worte wiederholen.

So ist es auch mit der Bibel, dem lebendigen Wort Gottes. Es ist lebendig, weil Jesus Christus selbst das Wort Gottes, der „Logos“, ist. Wir können die Bibel, ihre Botschaft, nur verstehen, wenn wir mit ihr und mit Gott in einen Dialog treten. Lesen, innehalten, erspüren, was dieses Wort mir heute, in meiner Situation, sagen will. Die Antwort wird uns nicht immer leichtfallen. Gottes Wort ist an vielen Stellen herausfordernd. Es stellt Ansprüche an unser Leben. Andererseits finden wir viele Texte, die uns ermutigen, die von der unendlichen Liebe Gottes zu uns sprechen und die uns einladen, Gott unser Vertrauen zu schenken.

Ob wir nun herausgefordert sind oder uns von Gottes Liebe berühren lassen, auf alle Fälle ist unsere Reaktion wichtig. Ob sich Gottes Wort auf unser Leben auswirkt, ob es uns verändert und ermutigt, hängt von unserer Antwort ab. Jedes noch so schön verpackte Geschenk verliert seinen Wert, wenn es in der Hand des Schenkenden bleibt und von uns nicht angenommen wird. Und wenn wir es in Händen halten, werden wir nur dann erfahren, was wir da so schön verpackt entgegengenommen haben, wenn wir die Verpackung aufreißen. Dann können wir uns an der Gabe Gottes erfreuen, sie gebrauchen und erkennen, wie sich unser Leben verändert.

Bei der heutigen Kommunikation, besonders bei der Werbung, ist Vorsicht geboten. Nicht alles, was glänzt, ist ein großer Gewinn für uns. Manche Produkte erweisen sich beim näheren Hinschauen als Lug und Trug. Das wird uns jeder bestätigen, dem schon mal beim Lesen des Kleingedruckten die Augen aufgegangen sind.

Die Botschaft, die Gott uns übermitteln will, ist abgesichert und vertrauenswürdig. Wenn wir die Bibel betrachten, werden wir feststellen, dass viele Gelegenheiten beschrieben werden, bei denen es um Briefe, Schriftstücke und Dokumente geht. Es ist aber auch interessant, wie oft vom Siegel gesprochen wird. Die Worte Siegel bzw. versiegelt kommen mehr als fünfzigmal in der Bibel vor.

Im zweiten Buch Mose im Kapitel 28 wird die Priesterkleidung beschrieben. Neben Hinweisen zu all den kunstvollen Stoffen, aus denen die Kleider gemacht werden sollen, gibt es Anweisungen für zwei Edelsteine, die in Gold gefasst werden. Auf ihnen sollen die Namen der Söhne Israels wie auf einem Siegel eingraviert werden. Dann soll ein Brustschild mit zwölf unterschiedlichen Edelsteinen angefertigt werden, auf jedem Stein soll der Name eines der Stämme Israels eingraviert werden.

„Die zwölf Steine stehen für die zwölf Stämme Israels; auf jedem Stein soll ein Stammesname eingraviert werden, auf dieselbe Art, wie man ein Siegel herstellt“ (2. Mose 28,21).

Der Hohepriester soll die zwei Steine auf der Schulter tragen und das Brustschild auf der Brust. So soll deutlich gemacht werden: Gott trägt sein Volk auf den Schultern und auf seinem Herzen.

Das Siegel und der gleiche Gedanke findet sich auch im Neuen Testament: „Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt“ (2. Timotheus 2,19).

Gott kennt die Seinen. Er gibt uns Brief und Siegel darauf, dass jeder, der an ihn glaubt, ein Kind Gottes ist. Teuer erkauft, durch das Blut, das Jesus am Kreuz vergoss. Er ermöglicht uns, ein reines, gottgefälliges Leben zu führen. Bleiben Sie im Dialog (in Kommunikation) mit ihm!

Übrigens: Der Kandidat in der Trödelshow konnte seinen Adelsbrief mit dem Siegel nicht verkaufen. Die Händler fanden es außergewöhnlich und interessant, waren aber nicht bereit, den Preis zu bezahlen.

Gottes Kind zu werden, kostet uns nichts. Gott verleiht uns diesen Adelstitel völlig kostenfrei.

Major Alfred Preuß

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