Foto: NeONBRAND, unsplash.com

Der Glanz des Glaubens


von Ralf Achter


0 Kommentare

„Jetzt fängt die glänzende Zeit wieder an“, schwärmte der Redakteur ei­ner großen Tageszeitung in einem Artikel über den Beginn der Advents­wo­chen. Was ihn zu dieser Aussage bewegt haben mag, ist unschwer zu erraten: Es ist die opulent leuchtende Dekoration, der unsere Augen in diesen Wochen überall in unseren Städten ausgesetzt sind. Wer die Lich­terketten auf den Weihnachtsmärkten, die Auslagen in den Schau­fenstern der Geschäfte, das Lametta und die Kugeln an den Weihnachts­bäumen und noch vieles mehr auf sich wirken lässt, der wird es sofort bestätigen können: Von allen Seiten her glänzen, glitzern, funkeln und strahlen uns in diesen Tagen die schönen Weihnachtsangebote entge­gen und möch­ten uns zum Kaufen animieren. Ja, es stimmt: Die Wochen vor Weihnach­ten sind tatsächlich eine „glänzende Zeit.“

Menschen des Glaubens dürfen neben diesem äußeren Glanz der Ge­schäfte und Dekorationen aber noch einen anderen Glanz erfahren. Es ist der Glanz Gottes, der in das Leben eines Menschen hineinstrahlen möchte. Wer sein Herz für den Ruf der Liebe und der Vergebung Gottes geöffnet und ihm darauf Antwort gegeben hat, der kann aus eigener Er­fahrung von dem Glanz des Glaubens berichten, mit dem Gott sein Le­ben erfüllt hat.

Die Bibel berichtet uns immer wieder von diesem ganz besonderen Glanz, den Gott seine Kinder nicht nur im Advent erfahren lassen will. Wir dürfen in Gottes Wort entdecken, dass unser Herr uns seinen Glanz in einer drei­fachen Art und Weise mitteilen möchte. Es ist

  1. Der Glanz seiner Herrlichkeit
  2. Der Glanz seiner Niedrigkeit
  3. Der Glanz seiner Ewigkeit

Lassen Sie mich diesen dreifachen Glanz Gottes im Folgenden noch et­was genauer betrachten.

1. Der Glanz der Herrlichkeit Gottes

Der erste Glanz, mit dem Gott in das Leben seiner Kinder hineinleuchten will, ist der Glanz seiner Herrlichkeit. Diesen Glanz hat bereits Mose im Alten Testament erfahren dürfen, der in der Begegnung mit Gott einmal eine kühne Bitte geäußert hatte, als er zu Gott sagte: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen!“ (2.Mose 33,18).

Gott erfüllte seinem Knecht diesen Wunsch. Mose durfte zwar nicht das Angesicht Gottes sehen, denn Gott hatte gesagt: „Kein Mensch wird le­ben, der mich sieht.“ Aber indem Gott den Mose in eine Felskluft gestellt und seine Hand über ihn gehalten hat, erlaubte er seinem Knecht immer­hin, hinter ihm herzusehen.

Den Glanz der Herrlichkeit Gottes durfte Mose dann kurz darauf auch noch einmal besonders auf dem Berg Sinai erleben, den er bestieg, um aus der Hand seines Herrn die beiden Tafeln mit den zehn Geboten in Empfang zu nehmen. Als Mose von dieser Begegnung mit Gott auf dem Berg zum Volk Israel zurückkehrte, wird uns in der Bibel dort etwas Merk­würdiges berichtet. Da lesen wir nämlich: „Als Mose vom Berg Sinai her­abstieg, hatte er die zwei Tafeln des Gesetzes in seiner Hand und wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte. Als aber Aaron und alle Israeliten sahen, dass die Haut seines An­gesichts glänzte, fürchteten sie sich, ihm zu nahen“ (2.Mose 34,29+30).

Mose hatte in der Begegnung auf dem Berg Sinai den Glanz der Herr­lich­keit Gottes erleben dürfen. Und dieser göttliche Glanz hatte sich auf ihn übertragen und war auch an seinem eigenen Leben sichtbar gewor­den, so dass andere diese Veränderung wahrnehmen konnten.

Auch wir können heute noch den Glanz der Herrlichkeit Gottes in unse­rem eigenen Leben erfahren. Dazu brauchen wir nicht – so wie Mose es getan hat – auf einen hohen Berg zu steigen. Gott kann uns den Glanz seiner Herrlichkeit beim Hören einer Predigt, in unserer Stillen Zeit mit Gott oder in der Gemeinschaft mit Glaubensgeschwistern offenbaren. Und in der Beschäftigung mit der Bibel hat es sicher schon so mancher erfahren dür­fen, dass plötzlich ein Vers oder ein Gotteswort angefangen hat zu glän­zen und aus allen anderen Worten heraus leuchtete, sodass wir es für uns ganz persönlich annehmen und verstehen durften.

Wenn wir einen so vertrauten Umgang mit Gott pflegen, dann ist das ja oft ein ganz stiller und unspektakulärer Vorgang, bei dem uns oft selber gar nicht bewusst ist, wie sehr wir dadurch verwandelt und verändert werden. So wird uns ja auch von Mose berichtet: „Er wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts glänzte, weil er mit Gott geredet hatte.“

Menschen, die den Glanz der Herrlichkeit Gottes in ihrem Leben erfah­ren haben, wollen vor anderen nicht mit ihren eigenen Vorzügen oder Quali­täten glänzen. Sie möchten mit ihrem ganzen Leben auf das wahre Licht, das von Gott kommt, hinweisen und dieses Licht weitergeben.

Wenn eine Lichtquelle auf einen matten und dumpfen Gegenstand scheint, kann kein Glanz entstehen. Nur eine empfangsbereite und licht­durchlässige Oberfläche ist in der Lage zu glänzen und das Licht zu re­flektieren. So sollen auch wir mit unserem Leben Reflektoren der Liebe Gottes sein, die seine Herrlichkeit in allem, was wir tun, abbilden und wi­derspiegeln.

Wer so im Glauben steht, darf es mit den Worten eines bekannten Lie­des vor Gott bekennen:

„Schaun wir, König, zu deinem Glanze auf,
dann strahlt dein Bild auf unserem Antlitz auf.
Du hast Gnade um Gnade gegeben,
dich widerspiegelnd erzählt unser Leben
von deinem Licht!“

2. Der Glanz der Niedrigkeit Gottes

Gott will seinen Glanz aber auch noch auf eine zweite Weise in unserem Leben offenbaren. Es ist der Glanz seiner Niedrigkeit, mit der er alle die­jenigen umstrahlen möchte, die dazu bereit sind, sich auf seine Gnade und sein Erscheinen einzulassen.

Der Evangelist Lukas berichtet uns in seinem Weihnachtsevangelium da­von, wenn er die Nacht in Bethlehem, in der Jesus geboren wurde, mit den folgenden Worten schildert: „In jener Nacht hatten ein paar Hirten auf den Feldern vor dem Dorf ihr Lager aufgeschlagen, um ihre Schafe zu hüten. Plötzlich erschien ein Engel des Herrn in ihrer Mitte. Der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Die Hirten erschraken, aber der Engel beru­higte sie. »Habt keine Angst!«, sagte er. »Ich bringe eine gute Botschaft für alle Menschen! Der Retter - ja, Christus, der Herr - ist heute Nacht in Bethlehem, der Stadt Davids, geboren worden!“ (Lukas 2,8-11 in der Bi­belübersetzung „Neues Leben“).

Dieser Glanz Gottes ist wahrlich ein Glanz der Niedrigkeit. Denn in der Nacht seiner irdischen Geburt hat Gottes Sohn den Glanz seiner himmli­schen Herrlichkeit verlassen und ist in die Niedrigkeit unseres menschli­chen Daseins hineingekommen. Zu Weihnachten hat Jesus Christus das prachtvolle Leben an der Seite seines himmlischen Vaters aufgege­ben, um seinen Alltag mit uns zu teilen.

Die Hirten auf dem Feld vor Bethlehem werden von diesem göttlichen Glanz umstrahlt und umleuchtet. Sie sind Menschen gewesen, die in ih­rem bisherigen Leben wohl noch nie im Rampenlicht gestanden haben und die von vielen ihrer Zeitgenossen nicht wahrgenommen wur­den.

Vor einigen Wochen konnte man in unseren Kinos einen Film mit dem Titel „Der Glanz der Unsichtbaren“ sehen. Dieser Film spielt in einem Ta­ges­zentrum für wohnungslose Frauen und erzählt die Geschichte der Bewoh­nerinnen dieser Einrichtung. Trotz ihrer notvollen Lebenslage, die von der Gesellschaft weitgehend ignoriert wird, können sich diese Frauen auf ein­drucksvolle Weise ihre leuchtende Würde bewahren.

Auch die Hirten von Bethlehem durften damals diesen „Glanz der Un­sicht­baren“ erfahren. Der Engel Gottes holte diese Menschen mit seinem Glanz aus ihrer Unsichtbarkeit heraus und stellte sie in das Rampenlicht seiner Barmherzigkeit hinein. Als sie dann später in Bethlehem das neu­geborene Kind mit ihren eigenen Augen sahen, leuchtete ihnen aus die­sem dunklen Stall der Glanz der Liebe und Gnade Gottes entgegen.

Der niederländische Maler Gerrit van Honthorst hat diesen Glanz, der im Stall von Bethlehem von dem neugeborenen Kind auf die Hirten ausge­strahlt hat, in seinem bekannten Gemälde „Anbetung der Hirten“ beson­ders eindrucksvoll dargestellt:

„Anbetung der Hirten“, Gerard van Honthorst (Wikimedia, Public Domain)
„Anbetung der Hirten“, Gerard van Honthorst (Wikimedia, Public Domain)

Mit den Worten eines alten Liederdichters konnten die Hirten nach dieser Erfahrung dann vor den Menschen bezeugen:

„Lass dich erleuchten, meine Seele,
versäume nicht den Gnadenschein;
der Glanz in dieser kleinen Höhle
streckt sich in alle Welt hinein;
er treibet weg der Höllen Macht,
der Sünden und des Kreuzes Nacht.“

Unsere natürlichen Augen können in den irdischen Lebensumständen von Jesus Christus zwar nur wenig äußeren Glanz wahrnehmen. Das gilt für seine Geburt, seine bescheidenen Wohnverhältnisse und erst recht für seinen Weg ans Kreuz, an dem er stellvertretend für unsere Schuld und unsere Verfehlungen in den Tod gegangen ist.

Wer aber im Glauben mit „erleuchteten Augen des Herzens“ (Epheser 1,18) unter diesem Kreuz von Gott Vergebung und ein neues Leben emp­fangen hat, der weiß etwas davon zu berichten, wie von dieser Hin­rich­tungsstätte auf dem Hügel Golgatha auch heute noch ein ganz be­sonde­rer Glanz ausgehen darf – ein Glanz, den die Welt aus sich selbst heraus nicht hervorbringen kann.

Manchmal lässt Gott diesen Glanz seines Kreuzes auch für das natürli­che Auge sichtbar werden. So ging nach dem furchtbaren Großbrand der Ka­thedrale Notre-Dame in Paris im April dieses Jahres ein Foto um die Welt, das den dunklen und teilweise stark beschädigten Innenraum die­ser be­rühmten Kirche zeigte (Anm. d. Redaktion: Klicken Sie hier, um sich das erwähnte Bild anzusehen). Inmitten dieser Zerstörungen und der Rauch­schwaden, die noch sichtbar waren, hängt ein großes und strah­lend glän­zendes Kreuz, das das von oben einfallende Licht auf wunder­bare Weise reflektiert:

Goldenes Kreuz in der Notre Dame (vor dem Brand); Foto Omar David Sandoval Sida, CC BY-SA 4.0, bit.ly/2P4fkfO
Goldenes Kreuz in der Notre Dame (vor dem Brand); Foto Omar David Sandoval Sida, CC BY-SA 4.0, bit.ly/2P4fkfO

In diesem Motiv können wir ein beeindruckendes und gleichnishaftes Bild für unsere Zeit und unsere Gesellschaft erkennen. So wie in dieser be­schädigten Kathedrale strahlt der göttliche Glanz des Kreuzes bis heute in unsere dunkle und zerstörerische Gegenwart mit all ihren zahl­losen Nö­ten, Problemen und Hoffnungslosigkeiten hinein und ruft uns immer wie­der eindringlich zu: „Lasst euch versöhnen mit Gott!“

Gott hat seinen Sohn aus den Toten auferweckt. Die Frauen, die im Glanz der Ostermorgensonne zu seinem Grab kamen, fanden ihn dort nicht mehr vor, sondern begegneten ihm später als dem Auferstande­nen. So dürfen auch wir ihn heute noch erfahren: Ihn, der wieder zurück­gekehrt ist in die himmlische Herrlichkeit bei seinem Vater.

3. Der Glanz der Ewigkeit Gottes

Noch ein dritter Glanz Gottes begegnet uns in der Bibel, an dem alle Men­schen teilhaben dürfen, die die befreiende und rettende Erlösung durch Jesus Christus in ihrem Leben bejaht und angenommen haben.

Wenn wir dazugehören, ist auch uns eine Zukunft in Gottes Ewigkeit ver­heißen, in der wir für immer in seiner Nähe wohnen werden und es kei­nen Tod, kein Leid, kein Geschrei und keine Schmerzen mehr geben wird. Auf diesen Glanz seiner Ewigkeit dürfen wir uns schon jetzt freuen.

Im letzten Buch der Bibel gewährt uns Gott durch seinen Apostel Johan­nes einen kleinen Einblick in diesen himmlischen Glanz, auf den erlöste Kinder Gottes zugehen dürfen. Er beschreibt das neue Jerusalem als eine heilige Stadt, die Gott aus dem Himmel herabkommen lässt und teilt uns mit, wie wir uns diese himmlische Stadt vorzustellen haben:

„Die Stadt hatte die Herrlichkeit Gottes; ihr Licht war gleich dem aller­edels­ten Stein, einem Jaspis, klar wie Kristall“ (Offb. 21,11). „Und ihr Mauerwerk war aus Jaspis und die Stadt aus reinem Gold, gleich reinem Glas. Und die Grundsteine der Mauer um die Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen“ (Offb. 21,18.19). „Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, ein jedes Tor war aus einer einzigen Perle, und der Markt­platz der Stadt war aus reinem Gold wie durchscheinendes Glas“ (Offb. 21,21).

„Civitas Dei“ Mosaik im Aachener Dom; Foto: Peter Kaul, CC BY-SA 4.0, bit.ly/2P5G53v
„Civitas Dei“ Mosaik im Aachener Dom; Foto: Peter Kaul, CC BY-SA 4.0, bit.ly/2P5G53v

Die Bibel macht deutlich, dass die wesentlichen Bauelemente dieser himmlischen Stadt aus glänzenden Materialien hergestellt sind. In dieser Stadt wird es keine natürlichen Lichtquellen mehr geben. Allein der er­höhte Herr Jesus Christus wird in dieser Stadt das Licht sein und alle und alles um ihn herum zum Glänzen bringen.

„Aus Zion, der Vollendung der Schönheit, strahlt der Glanz Gottes her­vor“, konnte deshalb bereits der Psalmsänger Asaf bezeugen (Psalm 50,2). Und die gläubige Gemeinde darf mit den Worten eines alten Kir­chenliedes in diese Faszination des Glaubens mit einstimmen:

„Morgenglanz der Ewigkeit, Licht vom unerschöpften Lichte,
schick uns diese Morgenzeit deine Strahlen zu Gesichte
und vertreib durch deine Macht unsre Nacht!“

Wir dürfen wissen: Auf die erlöste Gemeinde Jesu Christi wartet in jedem Fall eine glänzende Zukunft – auch wenn wir vorher noch durch viele Dun­kelheiten gehen müssen. Es wird doch noch das Wort Gottes in Er­füllung gehen, in dem uns zugesagt wird: „Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag“ (Sprüche 4,18).

Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass diese glänzende Wahrheit des Glaubens Sie in dieser Advents- und Weihnachtszeit trösten, stärken und frohmachen kann. Aller äußere Glanz, den unsere Augen in diesen Tagen wahrnehmen, will uns immer wieder an diesen eigentlichen Glanz des Glaubens erinnern, mit dem Gott uns mit seiner Herrlichkeit, durch seine Niedrigkeit und in seiner Ewigkeit begegnen möchte.

Gott schenke Ihnen in diesem Sinne eine gesegnete und glänzende Ad­vents- und Weihnachtszeit 2019.

Ralf Achter

Zurück

Kommentare