Der Löwenbändiger


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Ich bin vierfache Mutter, Ehefrau, Hauslehrerin und Schriftstellerin. Manchmal fühle ich mich, als würde ich einen Zirkus mit drei Manegen leiten. Ich bin die Frau meines Mannes, die Mutter meiner Kinder, ich sorge mich um Erkältungen und gebrochene Arme. Ich balanciere zwischen Romantik und Mutterschaft. Ich ringe mit Socken, kaufe mit knappem Budget ein, zaubere mit Abgabeterminen und besänftige Wutanfälle. Manchmal schaffe ich es kaum, alle Teller in der Luft zu halten. Auch wenn es mir peinlich ist, gebe ich zu, dass ich an manchen Abenden so müde bin, dass ich nicht mehr bete, sondern nur noch unter die Decke krieche und die Stille genieße.

Unsere moderne Welt ist sehr gut darin, uns zu sagen, dass wir nichts tun, wenn wir nicht alles tun. Sie ähnelt sehr einem brüllenden Löwen, der uns verhöhnt und uns ständig daran erinnert: Wenn wir etwas gut machen, wird es immer jemanden geben, der es besser macht, darüber im Internet schreibt und es anschließend als Buch veröffentlicht, das irgendwann verfilmt und ein Kassenschlager wird.

Geht es Ihnen manchmal auch so? Hat das Leben Sie so entmutigt, dass Sie nicht mehr wie früher beten und Gott loben können?

Wir stellen uns den Teufel oft mit Hörnern und Dreizack vor. Wenn wir Misserfolge bei der Arbeit haben und Schwierigkeiten in der Ehe, dann drehen wir uns um und zeigen auf ihn. Der Teufel spielt zwar häufig eine Rolle bei unseren größten Misserfolgen, aber er schlägt gerade dann zu, wenn wir besonders müde und gestresst sind. Egal, wie er es anstellt – wenn er uns die Freude an den kleinen Dingen rauben kann, hat er besonders leichtes Spiel.

Die Bibel beschreibt den Teufel so: „Wie ein brüllender Löwe streift er umher und sucht nach einem Opfer, das er verschlingen kann.“ Und wenn ich an Löwen denke, dann fällt mir sofort auch Daniel ein.

Kennen Sie die Geschichte von Daniel? Nur weil er zu Gott gebetet hatte, der ihn liebte, wurde er den Löwen vorgeworfen und kauerte dort unten in der Löwengrube. Wir wissen nicht, was er gebetet hat, was er gedacht oder gefühlt hat. Doch ich bin sicher, dass wir alle uns ein Stück weit mit Daniel identifizieren können, wie er da in die Ecke gedrängt war und keinen Ausweg sah ... bis Gott einen Weg bahnte. Er verschloss den Löwen die Mäuler und rettete Daniel aus der Grube.

Was mir oft die Freude stiehlt, ist der Gedanke, dass ich nicht gut genug bin. Wenn ich nicht alles schaffe und diese Teller in der Luft halten kann, bin ich vielleicht nicht gut genug. Vielleicht hätte meine Familie mehr verdient. Was stiehlt Ihnen die Freude? Vielleicht geht es Ihnen ähnlich und Sie sind sich selbst gegenüber nicht so vergebungsbereit und barmherzig wie gegenüber anderen. Oder vielleicht wird Ihnen die Freude auf andere, buchstäblichere Weise gestohlen. Vielleicht kommen Sie sich vor, als säßen Sie in der Grube mit einer Gewohnheit, die Sie nicht aufgeben können, oder mit den Folgen einer Entscheidung, die Ihr Leben verändert hat.

In Zeiten, in denen der Drei-Manegen-Zirkus Sie niederdrückt, möchte ich Sie daran erinnern, dass unser Gott nicht nur ein unsichtbares Stück Himmel ist. Er ist ein Löwenbändiger. Er verschließt dem das Maul, was uns verschlingen will. Er zähmt den, der unsere Freude stehlen möchte. Er hält die Teller oben, wenn wir es nicht mehr können. Doch vor allem liebt er uns genau so, wie wir sind.

Ob Sie einen Drahtseilakt vollführen, die Balance für Ihren Haushalt suchen, mit dem Leben jonglieren oder sich wie das Monstrositätenkabinett vorkommen, weil offenbar alle nur auf Ihre Fehler schauen: Sie dürfen wissen, dass Gott Sie so liebt, wie Sie sind. Und es gibt keinen Löwen, den er nicht zähmen kann.

Brooke Keith
HM 2013-09

Aus der US-amerikanischen Heilsarmeezeitschrift „The War Cry“
Bild: Robek und Wulfstan - Wikimedia Commons

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