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Der Weltgebetstag und ich.

Ich kann mich noch sehr gut erinnern: Ich war ein kleines Mädchen, vielleicht 7 oder 8 Jahre alt. Und es fand ein großer Gottesdienst zum Jubiläum des Weltgebetstags (WGT) in Nürnberg statt. Zu diesem Anlass kam eine Heilsarmee Musikgruppe aus Kassel. Mit Kontrabass, Akkordeon und Gitarren haben sie damals den musikalischen Rahmen gebildet.

Später, schon als Heilsarmeeoffizierin, war der WGT Anfang März eine immer wiederkehrende Pflichtveranstaltung. Immerhin wurden ja auch Statistiken abgefragt und die Teilnahme verlangt. Und ich erinnere mich an meinen schon verstorbenen Schwiegervater, einen schwäbischen Pfarrer, der mir erklärte: „Weltgebetstag… das ist dann, wenn Frauen dem lieben Gott etwas vorlesen“.

Inzwischen hat sich meine Meinung geändert. Seit ungefähr 15 Jahren arbeite ich nicht nur im lokalen WGT-Team vor Ort mit, sondern bin mit einer WGT-Vorbereitungsgruppe im Rheinland unterwegs. Über die Jahre haben sich nicht nur sehr gute Kontakte, sondern auch herzliche und gute Freundschaften entwickelt.

Mit dieser Gruppe habe ich gelernt, in die Weltgebetstagsarbeit einzusteigen. Also, nicht nur das vorhandene Material anzusehen, sondern mich über meinen Tellerrand hinweg zu informieren über das Leben vor Ort, über das Land und die Menschen, die Besonderheiten, die es aufweist. Über Politik und Kultur und auch über das Leben und die Herausforderungen von Frauen. Ich bin hier auch eingestiegen in die Werkstatt und Seminararbeit und lernte einzutauchen in das jeweilige Land und in seine Geschichte. Mit wachen und fragenden Augen. Und oft auch mit großer Dankbarkeit über die vielen Möglichkeiten, die ich als Christin und Heilsarmeeoffizierin in Deutschland habe.

Auf diese Weise hat sich mein Horizont stark erweitert. Ich habe erschütternde Berichte gelesen über Kuba. Und auch Ägypten, das gerade im damaligen Umbruch Weltgebetstagsland war. Sehr beeindruckt hat mich das Land Slowenien; mit der erstaunlichen Geschichte und dem reichen Land, dass von den Alpen bis zum Mittelmeer reicht. Aber auch Simbabwe, dass vor einigen Jahren das Land war, aus dem das Thema des WGT kam. Man sagt, dass das Paradies in Simbabwe gelegen sein muss, wenn wir zum Beispiel die Bilder von den erstaunlichen und wunderschönen Viktoriafällen sehen. Daneben hören wir, dass Simbabwe durch jahrzehntelange Misswirtschaft inzwischen eines der ärmsten Länder der Welt ist. Und trotzdem; hier gab es den Begriff „Ubuntu“ – der den Gemeinsinn des Landes prägt. Und es wurde berichtet von der Einrichtung von „Freundschaftsbänken“ um die zunehmenden Depressionen und Schwierigkeiten der Menschen aufzufangen.

In diesem Jahr haben wir uns wir uns mit Großbritannien (allerdings ohne Schottland) beschäftigt. Dieses Land ist uns vertraut durch so viele Fernsehserien und Bilder. Wir kennen alle Cornwall und die wunderschönen Landschaften durch etliche Rosemunde-Pilcher-Filme. Wir kennen so viele Krimis und Fernsehserien. Wir wissen Bescheid, dass die Briten manchmal etwas exzentrisch sind. Und wir verfolgen schon unser ganzes Leben das Leben, Lieben und Leiden der britischen Königsfamilie. Natürlich ist es ja auch unser Heilsarmeemutterland. Wir tragen als Heilsarmeeleute alle ein bisschen England in unserem Herzen.

Wie erschütternd ist es dann, dieses eigentlich so nahe Land durch das Weltgebetstagsthema nochmals näher kennenzulernen. Und wir stellen fest, dass England ein zwar nahes, aber doch fremdes Land ist. Erschütternd die Kluft zwischen Arm und Reich und die Herausforderungen in diesem Land vor allem für Arme Menschen und auch ganz besonders für Frauen. Und dann die Information, dass es ganz erstaunliche Initiativen gibt, wie das Ministerium gegen Einsamkeit. Oder die Zukunftspläne von Wales.

In diesem Jahr waren die Veranstaltungen durch die speziellen Bedingungen der Pandemie-Prävention geprägt. Aber wir schauen voller Mut in die Zukunft und freuen uns auf die kommenden Jahre. Denn immer wieder heißt es am ersten Freitag im März: Frauen (und auch die Männer) treffen sich zum Weltgebetstag.

Andrea Weber

Seit vielen Jahren feiern Christinnen in aller Welt den Gebetstag der Frauen. Die Heilsarmee war von Anfang an dabei und entsandte immer wieder Offizierinnen in das Komitee des Weltgebetstags.

Pandemiebedingt wollen die Frauen neue Wege in der Gestaltung des Weltgebetstages finden. Auf ihrer Homepage weltgebetstag.de laden sie Frauen aus allen Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften ein, am Weltgebetstag am 4. März 2022 teilzunehmen.

Die Ideen kommen in diesem Jahr von Christinnen aus England, Wales, Nordirland:

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