Die andere Wange hinhalten


von Philippa Smale


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Der berühmte amerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King war früher der Ansicht gewesen, dass „sich die Ethik Jesu nur innerhalb persönlicher Beziehungen umsetzen lässt". Er sah Rassen und Nationen im Konflikt miteinander und kam zu dem Schluss, dass die Grundsätze, „die andere Wange hinzuhalten" und „seine Feinde zu lieben" nicht in Situationen funktionieren würden, die mehr als eine Handvoll Leute betreffen.

Doch King änderte seine Meinung, als er über die Grundsätze von Mahatma Gandhi las. Gandhi war vom gewaltlosen Widerstand überzeugt und wirkte als politischer und ideologischer Anführer der Unabhängigkeits-bewegung in Indien.

Martin Luther King schrieb: „Liebe war für Gandhi ein wirksames Instrument für soziale und gesellschaftliche Veränderungen. In dieser Konzentration Gandhis auf Liebe und Gewaltlosigkeit entdeckte ich die Methode für soziale Reformen, nach der ich suchte."

King machte auch deutlich, dass ein gewaltloser Protest die Gedanken und Gefühle der Unterdrücker wahrscheinlich nicht über Nacht verändert. Er sagte: „Er bewirkt zuerst etwas in denen, die sich an ihm beteiligen. Er gibt ihnen eine neue Selbstachtung; er aktiviert Quellen der Kraft und des Mutes, die sie bislang nicht bei sich vermutet hatten."

Im Neuen Testament sagt Jesus:

„Wehrt euch nicht, wenn euch jemand Böses tut! Wer euch auf die rechte Wange schlägt, dem haltet auch die andere hin" (Matthäus 5,39).

Diese Worte wurden in einer Zeit gesprochen, als die Römer Palästina besetzt hatten und römische Soldaten ein häufiger Anblick waren. Ein brutales Vorgehen vonseiten der Besatzer sollte nicht mit Vergeltung beantwortet werden. Jesus wusste, dass Gewalt zu weiterer Gewalt führt, und lehrte Zurückhaltung – „die andere Wange hinzuhalten".

Auch heute bedeutet dieser Ausdruck noch, auf Rache zu verzichten, wenn uns jemand Unrecht getan hat. Das ist nicht leicht. Wir wollen uns verteidigen. Doch wie Gandhi und King herausfanden, hat Gewaltlosigkeit die Kraft, alle Gegner zu bezwingen.

Philippa Smale

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