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Die Felder sind reif

Kapitel 17 aus „Begegnung mit Jesus“

Howard Webber: Begegnung mit Jesus

Howard Webber ist hauptamtlicher Geistlicher bei der Heilsarmee (Offizier) aus England. Er beschreibt sich als ein schüchterner Mensch, der nicht gerne redet und schon gar nicht gerne von Jesus. Was aber passiert, wenn er es trotzdem tut und wie Gottes Liebe dadurch Menschen verändert, - das beschreibt er in seinem Buch „Begegnung mit Jesus“.

Mich haben seine Erlebnisse und Begegnungen mit Jesus sehr berührt. Und genau das wünsche ich mir für mich und uns als Heilsarmee auch – dass wir mitten in unserem Alltag, in den täglichen herausfordernden Situationen, Jesus begegnen. Und erleben, was er bewirken kann.

Nach und nach stellen wir Ihnen monatlich jeweils eine der 20 Lebensgeschichten aus dem Buch von Howard Webber vor. Übersetzt von der Heilsarmee in der Schweiz danken wir herzlich für diese Bereicherung.

Viel Gewinn beim Lesen wünsche ich uns,

Anette Janowski
Entwicklung geistlichen Lebens

 

PS: Das vollständige Buch kann unter diesem Link bestellt werden.

Als die Jünger Essen für Jesus aus der Stadt mitbrachten und die Frau wieder ging, wandte er sich an sie alle und sprach: „Ich dagegen sage euch: Macht doch eure Augen auf und seht euch die ­Felder an! Das Getreide ist schon reif für die Ernte.“ (Johannes 4,35). Dieser Vers hat mich jahrelang beschäftigt, vor allem der Abschnitt: „Das ­Getreide ist schon reif für die Ernte.“ Ich schaute auch in ­andere Übersetzungen, da ich mich damit nicht mehr so unwohl fühlen wollte, doch keine davon fand ich versöhnlich. ­Jesus sagt klar und deutlich, dass die Früchte reif für die Ente sind, obwohl sein Umfeld skeptisch reagiert und meint, dass die Zeit für die Ernte noch nicht gekommen sei. „Habt ihr nicht selbst gesagt“ meint ­Jesus, „es dauert noch vier Monate, dann beginnt die Ernte?“ Weder hat er selbst das je behauptet, noch entspricht das seiner eigenen Überzeugung.

Wenn wir uns ernsthaft bemüht haben, Männer und Frauen zu Christus zu führen und dabei immer wieder kläglich scheitern oder kaum Erfolge haben, dann sind wir schnell am Ende unserer Vor­stellung angelangt, am Ende unseres Einfallsreichtums und unserer Energie und suchen Zuflucht vor unserer Selbstverdammung, ­unserer Schuld und unserem Versagen, indem wir uns einreden, wir wären eben die Leute die säen und nicht diejenigen, die die Ernte einbringen. Wir reden uns dann ein, dass die Ernte bereits vorüber ist oder dass sie erst noch kommt. Oder wir sagen uns, dass das Evangelium in dieser modernen Zeit, dieser Postmoderne, diesem Post-Christentum, nicht mehr die Kraft hat, den Zeitgeist und die Gedankenwelt unserer Mitmenschen zu durchdringen.

Wir lesen die Worte Jesu im Matthäusevangelium, 13:14-15, der Jesaja zitiert: „Ihr werdet hören und doch nichts verstehen, sehen und doch nichts erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist hart und gleichgültig. Sie sind schwerhörig und verschließen die Augen. Deshalb sehen und hören sie nicht. Sie sind nicht einsichtig und wollen nicht zu mir umkehren, darum kann ich ihnen nicht helfen und sie heilen.“

„Deshalb können wir keine Ernte einbringen“, sagen wir uns dann. „Die Menschen sehen und hören einfach nicht richtig!“ Diese Überlegungen untermauern wir dann mit anderen Bibelversen. Doch es bleibt immer ein gewisses Unbehagen zurück. Wir fühlen uns unwohl, denn wir wissen genau, dass trotz der Dornenbüsche, des harten, ­felsigen Untergrunds, genug fruchtbarer Boden vor­handen ist und dass Jesus eine reiche Ernte verspricht. (Markus 4,1-9, 13-20). Auch in ­einer tauben Welt gibt es jene, die bereit sind, zu hören. Auch in einer blinden Welt gibt es jene, die bereit sind, zu sehen.

Bei wem liegt nun also die Schuld? Sehen wir uns doch mal eine andere Metapher an. Im Lukasevangelium 5:2 erfahren wir, dass die Fischer, die schon bald Jesu Jünger sein würden, einmal frustriert die Fischerei aufgaben, weil sie nichts gefangen hatten. Sie hatten die Boote aus dem Wasser gezogen und reinigten resigniert ihre Netze, weil sie versagt hatten.

Lag es etwa daran, dass keine Fische da waren? Oder daran, dass die Fische sich einfach nicht fangen ließen? Die folgenden Verse ­verdeutlichen uns, dass nichts davon schuld an ihrem kläglichen Versagen war. Sie waren auch nicht zu faul oder untätig gewesen. Trotz all ihrer Hingabe, ihrer Geduld und ihres Könnens hatten ­Simon und seine Gefolgsleute keinen einzigen Fisch an Land gezogen. Simon sagt: „Herr, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts ­gefangen.“ (Vers 5).

Das waren beileibe keine faulen Männer. Sie hatten zweifelsohne die Nacht durchgearbeitet, es mit aller Raffinesse, all ihrem Wissen und ihrer Erfahrung versucht, und doch waren sie gescheitert. ­Selbst jetzt noch waren sie nicht untätig und säuberten ihre Netze, wie es die Fischer nun mal tun. Diese mühsame Aufgabe würde ­ihnen ganz sicher keine Fische einbringen. Sie waren ja nicht mehr draußen auf dem Wasser.

Sie wecken unser Mitgefühl, ob wir es wollen, oder nicht, so ähnlich sind sie uns. Wenn wir mal wieder keine Fische für Gottes Königreich gefangen haben, geben wir schnell auf und widmen uns ­irgendeiner anderen Aufgabe, die vielleicht auch wichtig sein mag, die uns aber keine Fische einbringt. Dann versichern wir uns selbst, dass wir doch „guten Glaubens“ sind, dass wir „dranbleiben“, dass wir einen ­„Einfluss“ haben, der schon ausreichen wird und dass der Rest in Gottes Hand liegt.

Vielleicht kennen einige von uns ja auch den Cartoon von einem Fischer, der mit seinen Anglerhosen mitten im Fluss steht, die Angel ausgeworfen, das Netz zur Hand.

Er wird gefragt, ob er denn schon etwas gefangen hat. Er antwortet, dass er zwar noch nichts gefangen hat, aber er hat doch schon so manchen Fisch beeinflusst!

„Es sind seine Werke, nicht unsere“, sagen wir uns. „Noch vier ­Monate“, sagen wir uns. „Wenn die Kirche die nötigen ­Veränderungen vollzogen hat“, sagen wir uns. Wir reden von Verkündigung und schieben unsere ausbleibenden Erfolge auf diese ignorante Welt, in der wir leben.

Wir laden unsere Mitmenschen zu den Treffen ein und werfen ­ihnen Broschüren in den Briefkasten. Einige halten auch Gottesdienste auf offener Straße ab, bringen einige gegen uns auf, sind aber anderen auch zum Segen. Wir tun gute Werke und erinnern uns, was Jesus über jene gesagt hat, die unsere guten Taten sehen und unseren Himmlischen Vater preisen (Matthäus 5,16) und dabei nicht bemerken, dass wir die Ehre und Dankbarkeit für uns selbst einkassieren, die eigentlich nur ihm allein gehört. Satan, dem Vater aller Lügen, ist es ein Leichtes, die Wahrheit so zu drehen, dass die Leichtgläubigen davon verwirrt oder überzeugt werden. Diesen Betrug untermauert er dann mit plausiblen Gründen oder sogar mit Bibelversen. Natür­lich hält Jesus uns zu „guten Werken“ an - wir sollen den Geringen einen Becher Wasser geben (Matthäus 10,42), die Hungrigen speisen, die Nackten kleiden (Matthäus 25,34-46). Natürlich müssen auch die Netze gereinigt werden - man wird nichts fangen, wenn man sie nicht in Stand hält. Doch Satan betrügt uns auf so kluge und subtile Art, dass es uns erscheint, als würden wir an den Weisungen Christi selbst zweifeln.

Wir können all diese guten Werke tun und dabei doch nicht ­begreifen, worum es im Evangelium wirklich geht, worauf es ­Christus wirklich ankommt: Die Verlorenen zu suchen (Matthäus 18,12), die Sünder zu erretten (1. Timotheus 1,15). Im Wesentlichen geht es doch hier um die Ewigkeit. So wichtig die Gegenwart und das ­Wohlergehen eines Menschen im Hier und Jetzt ist, ist es doch nicht das, worauf es letztlich ankommt. Das Allerwichtigste ist die ­Beziehung eines Menschen zu Gott und wo dieser Mensch die Ewigkeit verbringt. ­Darauf muss sich die Kirche zurückbesinnen. Der berühmte ­Evangelist D.L. Moo­­dy sagte im 19. Jahrhundert: „Es geht in der Hauptsache darum, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.“ Ich gehe noch weiter: Wir müssen die Hauptsache erst wieder zur Hauptsache erklären. Wenn unsere Boote nun wieder an Land sind und das Seelenheil der Menschen nicht mehr unsere drängendste Aufgabe ist, dann sind auch all ­unsere guten Werke, die eigentlich der Errettung der ­Verlorenen dienen sollten, nicht mehr als ein bloßer Ersatz.

Ich denke, das Leben ist wie ein Wartesaal für die Hölle für all jene, die Jesus nicht kennen. Dort wo dieser Wartesaal ungemütlich, dreckig und unwirtlich ist, gehen wir Christen hin und gestalten ihn freundlicher. Wir verlegen Teppich, schließen Wasser und Heizung an und stellen neue Möbel und andere Annehmlichkeiten hinein, ­damit die Wartenden bei Laune gehalten werden. Die meisten von ­ihnen sind dankbar und nehmen die Hilfe an. Und trotzdem ist und bleibt es der Wartesaal der Hölle. Wir müssen die Wartenden daraus befreien. ­Sicherlich müssen wir uns um die Bedürftigen, die ­Hungrigen, die Einsamen, die Mittellosen und die Gebrochenen kümmern. Das sollten wir. Das müssen wir sogar. Doch es sollte unsere oberste Pflicht sein, sie aus diesem Wartesaal der Hölle zu holen - koste es, was es wolle - und sie zu Jesus und in den Himmel zu führen.

Dr. Edward Jenner, Arzt und Entdecker der Pockenimpfung, wurde einmal dem bekannten Prediger Sir Rowland Hill vorge­stellt mit den Worten, er habe mehr Leben gerettet, als jeder andere Mensch auf der Welt. Da antwortete Dr. Jenner: „Ich mag vielleicht mehr Leben gerettet haben als jeder andere Mensch auf der Welt. Aber mir wäre es viel lieber, wenn man von mir eines Tages einmal dasselbe sagen würde wie von Ihnen, nämlich, dass ich viele Seelen gerettet habe!“

Catherine Booth sagte noch kurz vor ihrem Tod im Jahr 1890: „Ich erinnere mich an eine Art inneres Mitleid für das, was ich dachte seien die kleinen Erwartungen der Kirche… Ich weiß noch, wie enttäuscht ich über die vergleichsweise kleinen Ergebnisse war, die Erfüllung zu geben schienen.“

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