Ganz oder gar nicht


von Christine Schollmeier


0 Kommentare

Nachfolgender Text ist ein Auszug aus der Ausgabe 15/2015 des Heilsarmee-Magazins.

Unter folgendem Link erfahren Sie, wie Sie das Heilsarmee-Magazin bestellen können:

www.heilsarmee.de/magazin

Neul ha ich ein Anda geles (od vers zu les …); sie wa nu hal geschrie. E gin, wa ab müh. Es gin um da Them „ ei hal Chris is ein ganz Uns.“ Bevor Sie nun kopfschüttelnd denken, ich hätte schlecht geschlafen, schreibe ich wieder normal, in ganzen Wörtern. Schließlich wird nur verstanden, was vollständig und klar ist. Das gilt für mich auch für den Glauben an Jesus Christus. Denn der Satz – ob verkürzt oder voll ausgeschrieben – stimmt: Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn. Entweder ist es einem etwas wert, dass man es mit ganzem und ungeteiltem Herzen tut, oder man kann es gleich sein lassen. Insofern kann ich die Menschen verstehen, die am 26. Juli den „Alles-oder-Nichts-Tag“ feiern. Das ist einer dieser kuriosen Feiertage, die vor allem in den USA begangen werden. Keine Ahnung, wer sich den ausgedacht hat. Seine Kernaussage: Carpe diem – genieße den Tag. Oder anders: lange herausgezögerte Entscheidungen endlich anpacken! Heute Probleme über Bord werfen, alles auf eine Karte setzen.

Doch dies ist keine Aufforderung, im nächsten Casino oder der Spielhalle das Monatsgehalt oder die Rente auf eine einzige Zahl zu setzen oder sonstigen Unsinn zu treiben. Ich verknüpfe den Tag einfach einmal mit der Bitte an Sie, eine lauwarme, schwächelnde Zugehörigkeit per Tradition zum Christentum gegen eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus einzutauschen. Ganze Sache zu machen! Mein Vater war ein guter Papa. Von Gott wollte er allerdings nicht viel wissen. „Ich glaube zwar nicht an Gott so wie du“, meinte er einmal zu mir, „aber ich bin genauso ein guter Christ wie du auch!“

Er hatte es nicht verstanden: Christsein hat nichts mit Heiligabend-in-die Kirche-gehen, Verzichten in der Fastenzeit oder großzügigen Spenden an die Heilsarmee zu tun. Christsein bedeutet: ganz oder gar nicht. Halbheiten, windige Kompromisse, Lauheit ade. Die Notlage unserer Welt erfordert einen radikalen Einsatz. Es braucht Menschen, die, getrieben von der Liebe Gottes, für andere alles tun und ihr Bestes geben.

Wie heißt es in dem alten Spruch? „Sei ganz sein oder lass es ganz sein.“ Ich bin noch nicht ganz fertig damit. Aber ich übe!

  

Christine Schollmeier

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben