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Herausforderung Liebe!


von Redaktion


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Der Himmel über London war bewölkt und die Straßen waren voll Menschen, als ein Heilsarmeeoffizier eines Morgens beschloss, zu Fuß zur Arbeit zu gehen. Er hoffte, es würde nicht regnen, da er eine frisch gereinigte Uniform trug. Als er sich seinem Büro näherte, setzte der Regen leider doch ein. Plötzlich bemerkte er zwei Beine, die auf den Bürgersteig ragten. Als er näher kam, sah er, dass es ein junger Mann war, Mitte dreißig, der an einen Pfeiler gelehnt dasaß und weinte, die Tränen liefen ihm die Wangen hinunter. Der Offizier kannte ihn aus dem Obdachlosenasyl. Inzwischen goss es in Strömen. Der Heilsarmeeoffizier achtete nicht darauf, sondern kniete nieder, sprach freundlich mit dem Mann und trocknete seine Tränen. Die Passanten schauten angewidert, doch, wie dieser Offizier später schrieb, gab es nichts, was er lieber getan hätte, und keinen Ort, an dem er lieber gewesen wäre.

Wenige Tage, nachdem ich den Bericht dieses Offiziers gelesen hatte, geschah in meiner Gemeinde etwas Ähnliches. Wir hatten ein Mittagessen für ältere Menschen durchgeführt und außer wenigen, die noch aufräumten, waren alle gegangen. Plötzlich stürzte ein junger Mann mit wedelnden Armen in den Raum und stieß hervor: „Ich bin drogenabhängig und Alkoholiker." Er wiederholte es, fast als wäre er stolz darauf. Er kam auf uns zu und sagte: „Ich weiß, ich sollte zur Kirche gehen, aber ich verstehe das mit diesem Jesus nicht."

In diesem Moment kam die 92-jährige Gene aus der Küche, wo sie abgewaschen hatte, ging auf ihn zu und nahm ihn zur Begrüßung in die Arme. Der Mann schaute sie an und begann zu weinen. Sofort legte sie erneut die Arme um ihn und versuchte ihn zu trösten. Er erzählte ihr, dass seine Familie ihn enterbt habe und seine Schwester ihn nicht mehr leiden möge. Gene versicherte ihm, sie sei sicher, dass seine Schwester ihn lieb habe, ihn aber wahrscheinlich einfach nicht verstehe. Sie fragte ihn, ob er Hunger habe, und er nickte. Da zeigte sie ihm einen Platz zum Sitzen und brachte ihm einen großen Teller mit Essen. Als ich all das beobachtete, schämte ich mich etwas, dass die meisten von uns gezögert hatten, auf diesen Mann zuzugehen, als er hereinkam.

Diese beiden bewundernswerten Menschen hatten sich entschieden, den Unterprivilegierten und Ungeliebten zu helfen. Sie taten, was Gott von uns möchte. Ich hoffe, wenn ich wieder eine solche Gelegenheit bekomme, werde ich mich daran erinnern, dass Jesus sagt:

„Ich versichere euch: Was ihr für einen der Geringsten meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan!", Matthäus 25,40.

Joyce Johnston

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