von Alfred Preuß(Kommentare: 0)

Freundschaft für alle

Denen ein Freund sein, die keinen Freund haben.

Freundschaft ist schon für Kinder sehr wichtig - und bleibt es ein Leben lang.

Heilsarmee-Offiziere versprechen bei ihrer Ordination, denen ein Freund zu sein, die keine Freunde haben. Wie lebt man das im Alltag? Der Internationale Tag der Freundschaft an 30. Juli ist ein guter Anlass, einmal nachzufragen.

Freundschaft ist ein wiederkehrendes Thema in der Bibel – sie zeigt, wie wichtig echte Beziehungen sind, sowohl unter Menschen als auch zu Gott. Der Begriff „Freund“ kommt in der Bibel etwa 120-mal vor. Im Jakobusbrief Kapitel 2 Vers 23 schreibt der Apostel: „So ist die Schrift erfüllt, die da spricht: »Abraham hat Gott geglaubt und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden«, und er wurde »ein Freund Gottes« genannt.

Offiziere (Pastoren) der Heilsarmee stehen den Menschen in ihren Nöten, die sehr unterschiedlich sein können, bei. Es können Lebensmittel, Kleidung oder Hilfe bei behördlichen Anliegen sein, aber auch ein offenes Ohr zu haben, seelsorgerlichen Beistand zu geben oder einfach einen respektvollen und würdigen Umgang zu pflegen. Offiziere versprechen bei ihrer Ordination: Denen ein Freund zu sein, die keinen Freund haben.

Kapitän David Cole, der mit seiner Frau Tabea Cole die Arbeit der Heilsarmee in Freiburg leitet, hat dieses Versprechen abgelegt. Wie er Freundschaft in seiner ersten Stelle als Pastor ge- und erlebt hat, lesen Sie hier:

Mein Freund Wolfgang

Wir kamen frisch von der Ausbildung zu Heilsarmee-Offizieren nach Bremen. Man vergisst nie seine erste Bestallung. Für mich war es Korpsoffizier (Pastor) zu sein. Mit Elan und voller Ideen, aber ehrlich gesagt ohne jede Ahnung, wie ich anfangen oder was ich zuerst tun sollte.

Als wir ankamen und von unseren Divisions-Offizieren begrüßt wurden, wurde uns auch Wolfgang* zum ersten Mal vorgestellt.

Wolfgang war eines der letzten verbliebenen Mitglieder des Korps in Bremen. Trotz vieler Offizierswechsel und wiederholter Schließungen blieb Wolfgang treu – immer bereit zu helfen oder zu dienen, wo auch immer er konnte.

An diesem besonderen Tag kam Wolfgang, um uns die Schlüssel für das Korpsgebäude und unsere angrenzende Wohnung zu übergeben. Er hatte sich um das Gebäude gekümmert, solange kein hauptamtlicher Offizier vor Ort war. Wir tauschten Begrüßungen aus und drückten unsere Freude darüber aus, endlich angekommen zu sein. Wolfgang war sofort ermutigend und versprach, uns zu helfen, wo er nur konnte.

Er kam jeden Sonntag, saß still da, sagte nicht viel. Seine Kleidung war abgetragen, seine Augen müde, sein Auftreten bescheiden. Nach dem Gottesdienst nahm ich mir immer Zeit für ein paar freundliche Worte und fragte ihn nach seiner Woche.

Woche für Woche kam Wolfgang – manchmal sogar früher als wir – und half beim Aufstellen der Stühle oder beim Kaffeekochen. Manchmal war er der Einzige, der zum Gottesdienst kam, und wir hielten eine spontane Gebetsrunde ab. Wolfgang dankte Gott stets, dass er dabei sein konnte, und betete für die Kranken im Korps. Danach saßen wir einfach zusammen und unterhielten uns.

Da mein Deutsch damals noch sehr begrenzt war, hörte ich meistens zu, während Wolfgang mir Geschichten aus seinem Leben erzählte und davon, wie er zum Korps gekommen war. Nach kurzer Zeit war Wolfgang nicht mehr nur ein Korpsmitglied, sondern ein Freund. Damit hatte ich nicht gerechnet – ich dachte, ich tue nur das, was ein Offizier eben tun sollte: offen und ansprechbar sein.

Wolfgang sagte einmal, ich sei ein guter Zuhörer – das war einfach, weil ich die deutsche Sprache nicht gut beherrschte!

Mit der Zeit lernte unsere ganze Familie Wolfgang kennen. Er machte mit meinen beiden Söhnen morgens vorm Gottesdienst Kaffee und spielte „Kuckuck“ mit unserer neugeborenen Tochter. Wenn wir in den Urlaub fuhren, kümmerte sich Wolfgang um unsere Katze. Wenn wir ihm in der Stadt oder in der Straßenbahn begegneten, freuten sich unsere Kinder jedes Mal riesig, ihn zu sehen.

Passanten blickten oft verwundert, wenn sie uns zusammen sahen – eine junge Familie mit einem äußerlich rau wirkenden Mann. Ich fand das immer amüsant, denn für uns war das ganz normal. Wir waren gute Freunde – ohne Unterschied in Status oder Lebensumständen. Vielleicht brauchte Wolfgang einen Freund – aber Gott wusste, dass auch ich einen Freund brauchte.

Wolfgangs Gesundheit war immer ein Thema, und in einer besonders schweren Zeit musste er ins Krankenhaus – er brauchte eine Herzoperation und wurde obendrein auch noch von seinem ungerechten Vermieter aus der Wohnung geworfen. Ich werde nie vergessen, wie er trotz Krankheit und all seiner Probleme einen festen Glauben hatte und trotzdem seinen Humor nicht verlor. Ich habe ihn so oft wie möglich im Krankenhaus besucht, immer mit dem Gedanken, dass es vielleicht das letzte Mal sein könnte. Gleichzeitig habe ich, leider erfolglos versucht, eine neue Wohnung für ihn zu finden und ihm versichert, dass er im Notfall in unserem Gästezimmer unterkommen könnte. Gott erhörte unsere Gebete und so verlief Wolfgangs Herzoperation erfolgreich, und er fand sogar eine Wohnung, die sehr gemütlich war und viel besser zu ihm passte. Er hat beim Beten nie vergessen, Gott für die neue Wohnung und seine bessere Gesundheit zu danken.

Tabea und David Cole schenkten Wolfgang Freundschaft - und bekamen viel zurück. Das Bild ist aus dieser Zeit.
Ein gemeinsamer Besuch im Weserstadion

Wir verbrachten sieben wunderbare Jahre in Bremen. Kurz bevor wir gingen, unternahmen wir noch etwas Besonderes: Wir gingen zusammen zu einem Fußballspiel im Weserstadion. Obwohl Wolfgang schon viele Jahre in Bremen lebte, war er noch nie im Stadion gewesen. Es war wunderschön, sein glückliches Gesicht zu sehen, während wir gemeinsam das Spiel verfolgten.

Leider verstarb Wolfgang kurz nach unserem Wegzug. Als wir die Nachricht erhielten, weinten wir – nicht, weil wir ein ehemaliges Korpsmitglied verloren hatten, sondern weil wir einen Freund verloren hatten. Ich nahm an seiner Beerdigung teil. Trotz der Trauer war ich dankbar dafür, dass Gott mir diese unerwartete Freundschaft geschenkt hatte.

Wolfgang* der Name wurde von der Redaktion geändert.

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