Leiterin sein


von Marie Willermark


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Nachfolgender Text ist ein Auszug aus der Ausgabe 3/2017 des Heilsarmee-Magazins.

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In Europa gibt es immer noch viele Berufe, die entweder von Männern oder von Frauen dominiert werden. Manchmal gibt es biologische Gründe dafür, doch in vielen Fällen liegt es einfach an der Tradition. Manchmal spielen religiöse Überzeugungen eine Rolle. Einige Kirchen und Religionen lassen keine Frauen im Priesteramt zu, beauftragen sie aber gerne, Kinder und Erwachsene außerhalb des Priesteramts zu leiten und zu lehren.

Die Heilsarmee-Tradition, dass sowohl Männer als auch Frauen Leitungspositionen und Predigtamt innehaben, geht auf unsere historischen Wurzeln zurück und auf das Vorbild von William und Catherine Booth. Als Catherine sich 1860 vom Heiligen Geist aufgefordert sah, ein paar Worte in einer öffentlichen Versammlung zu sagen, war William noch kein Befürworter des Predigtamts von Frauen. Doch die Kraft in ihrer Ansprache und die Wirkung, die sie auf die Menschen hatte, brachten ihn dazu, seine Meinung zu ändern.

Gleichberechtigung fördern
Diese Begebenheit stellte die Weichen für die Heilsarmee und ihre Tradition der Frauen in Leitungspositionen – auch wenn das damals in der Gesellschaft insgesamt nicht üblich war. Und trotz unseres geschichtlichen Hintergrunds ist es nach wie vor notwendig, Gleichberechtigung in Leitungsaufgaben zu fördern. Meine Erwartung ist, dass unser Territorium auch weiterhin viele gute Beispiele des gemeinsamen Dienstes von Ehepaaren erlebt, wo Mann und Frau jeweils das tun, wozu sie begabt sind. Manchmal kann das auch bedeuten, dass die Frau eine höhere Position erhält als ihr Mann.

Bei Alleinstehenden bringt das Leitungsamt manchmal andere Herausforderungen mit sich, doch wichtig ist, dass sich jeder seinen Fähigkeiten entsprechend in die Gemeinschaft und die Mission einbringen kann. Was sind nun meine Erfahrungen als Leiterin? Vielleicht habe ich es in dieser Hinsicht gut getroffen. Da ich aus Schweden komme, habe ich immer Seite an Seite mit Männern geleitet. Schon in meiner Jugend, als ich Leiterin bei den Pfadfindern war, haben immer Männer und Frauen zusammengearbeitet. Als Heilsarmee-Offizierin habe ich gute männliche und weibliche Vorbilder gehabt. Meine gesamte Ausbildung als Leiterin verlief sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Vielleicht erklärt das ein bisschen, warum ich persönlich nie das Gefühl hatte, mit Männern zu konkurrieren.

Jesus als Vorbild
Das Fundament für christliche Leiter beiderlei Geschlechts liegt immer in Jesus. In seinem Leben und seiner Lehre habe ich dieses vollkommene Gleichgewicht zwischen Selbstverleugnung und Selbstbehauptung gefunden. Er lehrt uns, keinen Lohn zu erwarten, andere an die erste Stelle zu setzen, gehorsam zu dienen und andere Eigenschaften, die für sich genommen sehr passiv und unterwürfig werden können. Doch auf der anderen Seite der Skala zeigt er auch Zielstrebigkeit und Entschlossenheit. Er lebt, leitet und lehrt mit einem klaren Ziel. Er wird den Willen seines Vaters erfüllen, was es auch kosten mag. Er verbindet harte Wahrheiten mit einer überreichen Gnade und rüstet das Team seiner Nachfolger aus, damit sie sein Werk weiterführen können, ohne um Posten zu konkurrieren.

Nun werden Sie sicher verstehen, dass ich männlich oder weiblich nicht als eine besondere Definition von Leitungsstilen sehe. Wir können alle voneinander lernen, und wir sollen immer von Jesus lernen.

 

Kommandeurin Marie Willermark
Leiterin der Heilsarmee in Deutschland, Litauen und Polen

 

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