Bild: Lucian Milasan - Fotolia.com

Versprochenes Glück


von Frank Honsberg


0 Kommentare

Mit dem Rauchen aufhören, Sport treiben, endlich mehr Zeit haben: Diese und ähnliche Vorsätze werden häufig zum Jahreswechsel gemacht. Doch wie wäre es, das Jahr unter ein bestimmtes Motto zu stellen? Genau das machen Christen seit mehr als 80 Jahren mit der „Jahreslosung“. Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen bestimmt hierbei einen Bibelvers, der das ganze Jahr über als eine Art Leitvers gilt. Für 2014 ist das ein Satz aus einem alttestamentlichen Psalm: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ Heilsarmeeoffizier Frank Honsberg hat über diese Jahreslosung nachgedacht.

Der Satz „Gott nahe zu sein ist mein Glück“ (Psalm 73,28) ist Teil eines Liedes und stammt von Asaf, einem Liedermacher aus der Bibel. Asafs Begabung war auch sein Beruf. Wie vielen anderen Musikern gelingt es ihm, Gefühle, die wir alle kennen, in Worte zu fassen. Sein Lied –  der Psalm 73 – beginnt er mit einem Statement: „Dem, der sich ein reines Herz bewahrt, erfährt Gottes Güte.“ Doch dann macht er Beobachtungen, die ihn fast vom Glauben abbringen.

Einigen seiner Mitmenschen ist nämlich nichts heilig – und trotzdem erfahren sie Gutes. Sie kümmern sich einen Dreck um ihre Nachbarn und Kollegen. Sie sehen nur sich selbst, betrügen und leben auf Kosten anderer. Sie beuten aus und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben. Sie werden immer reicher, was sie immer überheblicher werden lässt. Asaf wundert sich: Wenn Gott Gerechtigkeit liebt, warum lässt er sie dann gewähren? Warum sollte ich ehrlich und bescheiden sein? Warum meinen Nächsten lieben? Das lohnt sich doch nicht!

Zerbrechliches Glück

Doch bevor Asaf seine Ideale verwirft, sucht er die Nähe Gottes im Gebet. Und hier geschieht etwas Unerwartetes. In Gottes Gegenwart verändert sich sein Blick auf die Scheinerfolge der Gottlosen. Er sieht auf einmal, wie begrenzt ihr Gewinn ist. Eine Zeitlang geht es ihnen gut, aber dann bezahlen sie mit innerer Einsamkeit und Unzufriedenheit. Ja, ihre ganze Hoffnung gründet sich auf brüchige Fundamente. Ein Börsencrash, ein Hochwasser, eine Fehlinvestition – und alles ist verloren. Und noch etwas: Sie können sich edle und bequeme Betten kaufen – aber nicht den Schlaf. Sie können sich alle Kostbarkeiten dieser Welt beschaffen – aber nicht den Appetit.

Asaf sucht Gott im Tempel. Er kann ihn nicht mit seinen Augen sehen. Aber trotzdem ist die Begegnung mit ihm real. Er liest in der Bibel und betet – und Gott antwortet. Seine Verbitterung über das Glück der Überheblichen verschwindet. Er kann loslassen und merkt: Gott ist doch gut zu mir. Was er mir gibt, geht weit über das hinaus, was ich in der Welt finden kann. Sogar im Tod verliere ich nichts. So schreibt er gegen Ende des Liedes „Du bist mir wichtiger als alles andere auf der Erde. Bin ich auch krank und völlig geschwächt, bleibt Gott der Trost meines Herzens, er gehört mir für immer und ewig“ (Psalm 73,25.26)“

Ich kann gut nachvollziehen, was Asaf meint. Als ich vor sechs Jahren an einem bösartigen Tumor erkrankte, forschte ich neu, was das wahre Glück sei. Ich fand es in der Nähe Gottes. Das war mehr als ein Gefühl. Ich wurde gesund. An Leib und Seele. Das ist mehr als ein Zufall. Das Glück, das wir in der Nähe Gottes finden, ist ein Versprechen. Gott löst es bei jedem ein, der ihn von Herzen sucht.

 

 

Frank Hornsberg ist Sekretär für die Entwicklung geistlichen Lebens bei der Heilsarmee in Deutschland.

 

Erschienen im Heilsarmee-Magazin, Ausgabe 01/2014

Zurück

Kommentare