Von Gurken und Bananen

Was daraus entstehen kann, wenn Menschen mit Herz geben


von Anni Lindner


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Zu unserer Familie gehören drei possierliche Nager namens Lucy, Mia und Svenja. Die meiste Zeit teilen sie sich friedlich ihren Wohnplatz, klettern, kuscheln und spielen in zufriedener Eintracht. Aber wehe, ich nähere mich mit ihrem Lieblingsessen. Sobald ich die sorgfältig abgezählten Gurkenscheiben in den Käfig lege, geht es los: Eins der Nager-Mädels erschnuppert die Beute als Erste und hetzt in den Fressbereich, um sich das wertvolle Gut zu schnappen.

Dann saust es durch den ganzen Käfig, dicht gefolgt von ein bis zwei anderen, die versuchen, ihm das Fressen zu entreißen. Ein wildes Kämpfen entwickelt sich, bis der Sieger es schafft, sich in eine sichere Ecke zu verdrücken und dort in Hast und Eile die Gurke in sich hineinzustopfen – bevor sie ihm noch einmal streitig gemacht werden kann. Die beiden anderen Tiere tun das Gleiche: Sie stopfen sich das übrige Fressen (schließlich habe ich für jeden eine Scheibe mitgebracht) so weit es geht in den Rachen und verstecken sich, um hastig, von den Geschwistern abgewandt, die Gurke zu verschlingen. Es ist amüsant, sie dabei zu beobachten, aber jedes Mal denke ich: Wie schade, dass sie das Fressen so gar nicht genießen können, aus lauter Angst, vielleicht teilen zu müssen.

Von kostbar bis bananen-banal
Ich bin mit meinen Eltern und zwei Geschwistern in der DDR aufgewachsen. Wir hatten genug zu essen, aber eines war sehr rar: Bananen. Einmal bekam meine Schwester im Kindergarten eine Banane zum Nachtisch. Sie aß sie nicht sofort auf, sondern brachte sie mit nach Hause, wo das wertvolle Stück in vier gleich große Teile geschnitten wurde. Nur vier, weil mein Vater behauptete: „Ich mag keine Bananen.“ Nach der Wende wurden Bananen ein normaler Teil unseres Einkaufs und Lebens. Und mein Vater aß die meisten davon: Er ist ein Bananen-Fan, hatte aber früher auf seinen Teil verzichtet, um seine Familie glücklich zu machen. Angesichts dieser Betrachtung in Sachen Genuss bleibt mir nur zu fragen: „Nagst du noch, oder teilst du schon?“

„Ein habgieriger Mensch will schnell reich werden, aber das treibt ihn nur in die Armut.”

Sprüche Salomo 28,22

 

Anni E. Lindner ist Offizierin der Heilsarmee und
mag sowohl Gurken als auch Bananen!

 

Erschienen im Heilsarmee-Magazin, Ausgabe 07/2014

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