Von langer Hand geplant: Spannendes im Alten Testament


von Redaktion


0 Kommentare

Nachfolgender Text ist ein Auszug aus der Ausgabe 4/2019 des Heilsarmee-Magazins.

Unter folgendem Link erfahren Sie, wie Sie das Heilsarmee-Magazin bestellen können:

www.heilsarmee.de/magazin

„Als ich bei euch war, habe ich euch erklärt, dass alles, was bei Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich geschrieben steht, in Erfüllung gehen muss“ (Lukas 24,44 NLB). Das sagte Jesus nach der Auferstehung zu seinen Jüngern. Und dann half er ihnen, es zu verstehen. Leider ist uns nicht überliefert, was genau er ihnen erklärte, doch an vielen Stellen in den Evangelien werden Texte aus den heiligen Schriften (unserem Alten Testament) erwähnt, die auf Jesus hinweisen.

Von Anfang an
Schon zu Beginn der Menschheitsgeschichte findet sich auch ein erster Hinweis auf den kommenden Erlöser. Gott spricht zur Schlange, die die Menschen zur Sünde verführt hatte: „Von nun an setze ich Feindschaft zwischen dir und der Frau und deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen. Er wird dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in seine Ferse beißen“ (1. Mose 3,15 NLB). Diese Aussage kann man nicht nur auf die allgemeine Feindschaft zwischen Menschen und Schlangen beziehen, sondern auch auf den Vernichtungskampf zwischen einem ganz bestimmten Nachkommen der Frau und dem Satan. Jesus besiegt den Satan und die Sünde. Dabei wird er selbst „gebissen“ und stirbt.

Um das Jahr 1450 v. Chr. verließen die Israeliten Ägypten und machten sich auf den Weg durch die Wüste in das von Gott verheißene Land. Doch bevor die Ägypter sie ziehen ließen, musste Gott zehn Plagen schicken. Um bei der letzten – dem Tod des ältesten Sohnes – selbst bewahrt zu bleiben, sollten die Israeliten für jede Familie ein Lamm schlachten und dessen Blut an die Türpfosten streichen. Zur Erinnerung daran feierten sie fortan jährlich das Passahfest. In den Anweisungen dafür lesen wir in 2. Mose 12,46 (NLB): „Ihr dürft nichts vom Fleisch des Opferlammes nach draußen tragen und keinen seiner Knochen zerbrechen.“ Hierauf bezieht sich Johannes, als er berichtet, wie Jesus vom Kreuz abgenommen wird: „Doch als sie zu Jesus kamen, sahen sie, dass er schon tot war, deshalb brachen sie ihm nicht die Beine. ... Diese Dinge sind geschehen, damit sich erfüllt, was in der Schrift vorausgesagt ist: ‚Nicht einer seiner Knochen wird zerbrochen werden‘“ (Johannes 19,33–36 NLB). Johannes identifiziert damit Jesus als das neue Passahlamm, dessen Blut vergossen wurde, um uns vor dem Tod zu bewahren.

Der leidende Messias
In der Beschreibung des leidenden Gottesknechts (Jesaja 53), etwa 700 Jahre vor der Zeit Jesu verfasst, finden sich erstaunliche Parallelen zu Jesus: Er wurde verachtet und misshandelt (Jesaja 53,3–7/Matthäus 27,30), er schwieg zu den Anklagen, verteidigte sich nicht (Jesaja 53,7/Matthäus 27,12), er betete für seine Peiniger (Jesaja 53,12/Lukas 23,34), er wurde als Übeltäter angesehen (Jesaja 53,9.12/Lukas 22,37; Matthäus 27,38) und in das Grab eines Reichen gelegt (Jesaja 53,9/Matthäus 27,57–60).

Vor allem aber wird deutlich, warum dies alles geschieht: „Er nahm unsere Krankheiten auf sich und trug unsere Schmerzen. Und wir dachten, er wäre von Gott geächtet, geschlagen und erniedrigt! Doch wegen unserer Vergehen wurde er durchbohrt, wegen unserer Übertretungen zerschlagen. Er wurde gestraft, damit wir Frieden haben. Durch seine Wunden wurden wir geheilt! ... Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Diener Gerechtigkeit für viele erwirken, denn er wird ihre Sünden auf sich nehmen. Deshalb werde ich ihm seinen Anteil unter den Großen geben; mit Mächtigen wird er Beute teilen, denn er hat sein Leben geopfert und sich zu den Sündern zählen lassen. Tatsächlich aber hat er die Sünden vieler getragen und ist für die Sünder eingetreten“ (Jesaja 53,4–12 NLB).

Bereits die ersten Jünger haben diese Prophezeiung auf Jesus gedeutet, zum Beispiel auf seine Heilungen (Matthäus 8,16–17), aber vor allem auf sein stellvertretendes Leiden für unsere Sünde (z. B. Apostelgeschichte 8,26–40; 1. Petrus 2,21–24).

Etwa hundert Jahre nach Jesaja überbrachte der Engel Gabriel dem Propheten Daniel folgende Botschaft: „Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wiederaufgebaut werden, bis ein Gesalbter, ein Fürst, kommt, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen lang wird es wieder aufgebaut sein mit Plätzen und Gräben, wiewohl in kummervoller Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden, und niemand wird ihm helfen. Und das Volk eines Fürsten wird kommen und die Stadt und das Heiligtum zerstören, aber dann kommt das Ende durch eine Flut, und bis zum Ende wird es Krieg geben und Verwüstung, die längst beschlossen ist“ (Daniel 9,25–26).

Die hier als „Wochen“ bezeichneten Zeiträume stehen für jeweils sieben Einheiten, die nicht näher bekannt sind. Den Tod und die Verlassenheit des Gesalbten (hebräisch „Messias“, griechisch „Christus“) können wir als eine Voraussage auf das Leiden Jesu sehen. Und selbst die Zerstörung von Jerusalem mitsamt seinem Tempel im Jahr 70 n. Chr. lässt sich in diesen Worten erkennen.

An anderen Stellen bezeichnet Daniel den Messias als „Menschensohn“ (z. B. Daniel 7,13). So nennt sich Jesus auch immer wieder selbst, unter anderem, als er den Jüngern ankündigt, was mit ihm geschehen wird: „Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen“ (Markus 8,31).

Ein Psalm am Kreuz
Die Psalmen waren das Gebet- und Gesangbuch Israels. Auch Jesus greift auf diese überlieferten Worte zurück, als er am Kreuz aufschreit: „Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Matthäus 27,46).

Mit diesen Worten beginnt ein Psalm, den König David etwa 1000 Jahre vor der Geburt Jesu verfasst hat:

„Mein Gott, mein Gott! Warum hast du mich verlassen? Warum bist du so fern und hörst meine Hilferufe nicht?“ (Psalm 22,2 NLB)

Wir finden darin nicht nur die Not des Leidenden, sondern auch das Verhalten der anderen Menschen:

„Wer mich sieht, macht sich über mich lustig, lacht höhnisch und schüttelt den Kopf: ‚Ist das der Mensch, der sich auf den Herrn verlässt? Dann soll der Herr ihn doch retten! Wenn der Herr ihn so sehr liebt, soll er ihn auch befreien!‘“ (Verse 8–9)

„Meine Gegner sehen mich schadenfroh an. Sie teilen meine Kleider unter sich auf und würfeln um mein Gewand.“ (Verse 18b–19)

Genauso erlebt es später Jesus (z. B. Matthäus 27,41–43; Johannes 19,23–24).

Seelische und körperliche Qualen werden im Psalm beschrieben, die denen des Gekreuzigten entsprechen:

„Mein Herz ist in meinem Inneren wie zerschmolzenes Wachs. Mein Körper ist ausgetrocknet wie eine Scherbe aus Ton. Meine Zunge klebt mir am Gaumen. Du hast mich in den Staub gestoßen und wie tot liegen lassen. Wie ein Rudel Hunde umkreisen mich meine Feinde und eine Rotte von Bösen treibt mich in die Enge. Sie haben mir Hände und Füße durchbohrt.“ (Verse 15b–17)

Seinen Durst erträgt Jesus bis kurz vor dem Ende schweigend: „Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, und um zu erfüllen, was in der Schrift vorausgesagt war, sagte er: ‚Ich habe Durst‘“ (Johannes 19,28 NLB).

Doch Gott greift ein – damals bei David, bei Jesus und bei unzähligen Menschen auf der ganzen Welt. Hier noch zwei Verse, in denen die prophetische Sicht des Psalmisten zu erkennen ist:

„Die ganze Erde wird den Herrn anerkennen und zu ihm zurückkehren. Die Menschen aller Völker werden sich vor ihm verneigen. Denn der Herr ist König und er herrscht über die Völker!“ (Psalm 22,28–29 NLB)

All das sind nur wenige Beispiele dafür, dass die Kreuzigung Jesu kein Unfall war, sondern von langer Hand geplant – als entscheidender Teil von Gottes Rettungsplan für die Menschen. Und: Es gibt noch viel zu entdecken.

Katja Streit

 

 

Zurück

Kommentare