Wahltag
Der Wahltag
Momentan finden in Sachsen-Anhalt Wahlen statt. Die Prognosen und Ergebnisse machen mich sehr nachdenklich. Ich frage nach dem „Warum“ und „Wozu“ dieser Ergebnisse. Gleichzeitig poppt der Gedanke in mir hoch, dass wir, jeder Einzelne, doch immer wieder vor der Wahl stehen.
Wir sind permanent am Wählen. Welcher Arzt – welche Schule – wohin in den Urlaub – die Frau bzw. der Mann fürs Leben – dieses oder jenes Auto, neu oder gebraucht – dieses riesige Angebot auf der Speisekarte – und, und, und.
Immer wieder stehen wir vor einer Wahl. Oft haben wir die Qual der Wahl.
Was die Politik betrifft, so kann ich die momentanen Geschehnisse nur verfolgen und nicht beeinflussen. Vielleicht kann ich aber einen Anstoß geben, die richtige Wahl im Glauben zu treffen.
Viele wählen auch, wenn es um den Glauben geht. Das religiöse Angebot ist groß, man guckt mal hier und schaut mal dort. Ein bisschen Buddhismus im Sonderangebot, ein klein wenig Aberglaube, Kirchenmitglied bleibt man sicherheitshalber auch und kommt dann regelmäßig zur Jahreshauptversammlung (immer am 24.12.) – da sind jede Menge Optionen, zwischen denen man wählen kann.
Und da gibt’s jetzt welche, die wählen ganz bewusst den christlichen Glauben. Entscheiden sich für Jesus Christus. Treffen ihre Wahl für den dreieinigen Gott. Meinen sie.
Aber da haben sie den Wahlmodus falsch verstanden. Jesus zumindest sieht das ganz anders. Er hat zu seinen Freunden einmal gesagt:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“ (Johannes 15,16)
Also: Nicht ihr habt mich gewählt, sagt Jesus. Sondern ich habe euch gewählt.
Für die Jünger damals, mit denen er gesprochen hat, war das völlig klar. Die hatten nicht gesagt: „Ich hab mein bürgerliches Leben satt, jetzt ziehe ich mit Jesus durch die Lande.“ Sondern umgekehrt – Jesus kam und sagte: „Folge mir nach!“ Und dann gab’s da nichts mehr zu wählen. Die Sache war entschieden.
Es gibt auch Berichte, dass Menschen von sich aus gekommen sind und gesagt haben: „Jesus, ich will dir nachfolgen.“ Die wollten ihn wählen. Lesen Sie mal, wie er die zurückweist (z. B. Lukas 9,57–62).
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“
Das gilt genauso auch für uns. Nicht wir können Jesus wählen. Jesus ist kein Artikel im religiösen Kaufhaus, der einfach darauf wartet, dass ihn jemand auswählt und aus dem Regal nimmt. Sondern er hat uns gewählt.
Nicht wir können uns für Jesus entscheiden. Sondern wir können nur anerkennen, dass er sich schon längst für uns entschieden hat. Wir können nur noch JA sagen zu seiner Entscheidung. Zu seiner Wahl.
Jesus hat gewählt. Und zwar uns. Euch, Dich, mich! Uns hat er gewählt.
Der Wahltag war kein Sonntag. Sondern ein Freitag, wohl im April, so um das Jahr 30 herum. An jenem Tag hat Jesus seine Wahl festgemacht. Die Entscheidung war schon lange vorher gefallen. Aber an diesem Tag hat er die Wahl festgemacht. Und die fiel auf uns.
Das Wahllokal war auf einem Hügel, draußen vor Jerusalem. Dort hat Jesus sein Kreuz gemacht an jenem Wahltag. Dort hat er sein Kreuz vor meinen Namen gesetzt. Und vor Deinen Namen.
Als er dort am Kreuz stellvertretend für uns gestorben ist, da hat Jesus sich für uns entschieden. Da hat er uns endgültig erwählt. Erwählt zum Leben. Erwählt zu einem Leben mit ihm. Erwählt zum ewigen Leben.
Du bist gewählt. Weil Jesus sein Kreuz vor Deinen Namen gesetzt hat. Die Entscheidung ist gefallen. Damals, am Wahltag.
Die Wahlgewinner
Du bist ein Wahlgewinner!
Vielleicht denkst Du jetzt ganz heimlich tief in Deinem Herzen: „Na ja, die anderen vielleicht. Aber mich doch nicht. Für Gott bin ich doch nicht gut genug.“
Andere denken: „Ach, ich bin ja nicht wirklich fromm. Was sollte Gott ausgerechnet von mir wollen?“
Die Nächsten sagen sich sowieso immer: „Ich kann doch nichts. Ich bin doch nichts. Mich hat keiner lieb.“ Einige gestehen sich vielleicht auch ehrlich ein: „Besonders anständig hab ich nicht gerade gelebt. Für Gott muss ich da doch eher unten durch sein.“ Und so weiter.
Warum also sollte Jesus ausgerechnet mich wählen?
Das liegt nicht daran, dass wir so toll wären. Oder so begabt. Oder dass Gott irgendwie auf uns angewiesen wäre.
Gott ist ein ganz merkwürdiger Wähler. Durch die ganze Bibel hindurch entscheidet er sich häufig für das, was andere zurückweisen: den glimmenden Docht, den geknickten Halm, den jüngeren Bruder, den kleinen David, den viel zu jungen Jeremia, den Christenverfolger Saulus, die Hinkenden und die Lahmen, die Letzten und die Vorletzten.
Paulus erläutert einmal Gottes Wahlverhalten: „Was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt!“ (1. Korinther 1,27)
Und viel früher sagt schon Mose zu den Israeliten: Der Herr hat euch nicht erwählt, weil ihr so toll wäret – das seid ihr ganz und gar nicht – „sondern weil er euch geliebt hat“ (5. Mose 7,8).
Gewählt aus Liebe. Gott hat sich verliebt. Und das bestimmt seine Wahl. Zuerst einmal hat er sich in sein Volk Israel verliebt. Später macht Jesus deutlich, dass die Liebe Gottes allen Menschen gilt.
Gott hat Dich gewählt, weil er Dich lieb hat. Gott hat Euch gewählt, weil er Euch lieb hat.
Und seine Liebe zu uns ging so weit, dass er seinem Sohn erlaubt hat, an unserer Stelle in den Tod zu gehen, in die Gottverlassenheit. Damals, als er auf Golgatha sein Kreuz vor unseren Namen gesetzt hat.
Also: Nicht weil wir so toll sind, ist Gottes Wahl auf uns gefallen. Sondern weil er uns toll findet.
Dabei sieht er durchaus auch unsere Schwächen. Er sieht die Umwege und Irrwege, die wir gegangen sind und noch gehen werden. Er sieht die Fehler, die wir gemacht haben und noch machen werden. Er sieht die Schuld, die wir auf uns geladen haben und noch laden werden. Aber er hält an seiner Wahl fest. Aus Liebe.
Das ist wie bei Petrus. Der Felsenmann und Wackelpeter. Große Klappe, aber ab und zu nicht viel dahinter. Von dem sagt Jesus:
„Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“ (Matthäus 16,18)
Oder Paulus. Der Christenverfolger, an dessen Händen Blut klebt. Jesus sagt über ihn:
„Dieser ist mein auserwähltes (!) Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor die Völker und vor Könige und vor das Volk Israel.“ (Apostelgeschichte 9,15)
Wenn Gott wählt, dann sieht er zwar, was und wie wir sind. Aber er sieht auch, was er aus uns machen will und kann – wenn wir uns nur auf seine Liebe einlassen.
Also: Du bist ein Wahlgewinner. Weil Gott sich verliebt hat. Weil er Dich lieb hat. Jede und jeden Einzelnen!
Der Wählerauftrag
Es geht jetzt nicht um irgendwelche Wahlversprechen. Du musst Gott nichts versprechen, damit er Dich wählt. Und du musst ihm dann hinterher auch nicht erklären, dass Dein Versprechen eigentlich nur ein Versprecher war.
Nein – es geht um den Wählerauftrag. Gott verbindet mit seiner Wahl einen Auftrag. Wenn Jesus uns wählt, dann beauftragt er uns auch. Und dieser Wählerauftrag gilt.
Jesus hat uns nicht gewählt, dass wir uns gemütlich in unseren Abgeordnetensessel setzen und auf das Ruhestandsgehalt in seiner Ewigkeit warten.
Sondern Jesus hat etwas vor mit denen, die er wählt. Jesus hat eine Aufgabe für die Gewählten. Jesus hat ein Programm, das er mit den Gewählten umsetzen will.
„Ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“
Wer will das denn nicht: Frucht, die bleibt? Wer will denn nicht in seinem Leben Spuren hinterlassen, die bleiben?
Der Wählerwille, der Wählerauftrag ist ganz klar: „Dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.“
Dass ihr hingeht. Damit geht’s los.
Wir müssen endlich aufhören zu denken, dass wir als Gemeinde nur irgendwas anbieten müssen und uns dann hinsetzen und warten, bis die Leute kommen. „Geht hin“, sagt Jesus.
Bei Jesus sind Gewählte nicht einfach Abgeordnete. Sondern Abgesandte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Menschen, die er sendet. Menschen, die hingehen sollen.
Geht hin zu anderen Menschen, die auch gewählt sind, für die Jesus auch gestorben ist – die das aber noch nicht wissen oder einfach nicht glauben können. (Das ist nämlich das eigentliche Drama.) Um ihnen zu erzählen, Fragen zu beantworten, sie einzuladen.
Geht hin zu den Menschen, die allein sind und die keinen Sinn in ihrem Leben sehen. Um ihnen beizustehen.
Hingehen, sagt Jesus. Das ist der Wählerwille. Wen er gewählt hat, der soll hingehen zu den Menschen.
Hingehen – so lautet der Wählerauftrag. Also der Auftrag von Jesus.
Wer hingeht zu den Menschen, der geht im Auftrag von Jesus. In seinem Namen. In seiner Vollmacht. Der ist Abgesandter des lebendigen, heiligen Gottes. Und kein bisschen weniger.
„Dass ihr hingeht und Frucht bringt.“
Im Zusammenhang geht es hier um die Sache mit dem Weinstock und den Reben. Jesus sagt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Bleibt dran an mir, dann bringt ihr Frucht.“
Ganz klar: Frucht können wir nicht machen. Frucht kann nur wachsen. Und das wird sie tun, wenn die Rebe am Weinstock bleibt. Frucht, wie Jesus sie sucht, kann nur wachsen, wenn Du dranbleibst an Jesus.
Deshalb gehört das genauso zum Wählerauftrag: Dranbleiben an Jesus.
Bleib dran an seinem Wort, an der Bibel. Bleib dran am Gespräch mit ihm, am Gebet. Bleib dran an seinem Leib, an der Gemeinde. Bleib dran an Jesus.
Oder – mach dich auf. Häng dich endlich dran. Komm zu ihm, zu seiner Gemeinde.
Und dann lass ihn einfach machen. Dann wird Frucht wachsen – Frucht, die bleibt. Frucht für die Ewigkeit.
Ich freu’ mich drauf, in der Ewigkeit mal all die Frucht sehen zu dürfen, die so gewachsen ist – weil Jesus durch seine Leute wirkt.
Hingehen und Dranbleiben – das ist also der Wählerwille. Hingehen und Dranbleiben, das ist kein Gegensatz. Hingehen zu den Menschen und dranbleiben an Jesus, das gehört unbedingt zusammen.
Drum gilt auch: Wo Christen hingehen, da geht Jesus mit.
Deshalb ist sein Wählerauftrag keine Überforderung für uns. Weil er uns ja nicht alleine lässt. Sondern weil er dabei ist. Weil er Dir seine ganz enge Gemeinschaft anbietet. Weil er Dein Leben von innen heraus prägen und gestalten und fruchtbar machen will. Dazu hat er Dich erwählt.
Der Wahltag war damals am Karfreitag, als Jesus auf Golgatha gekreuzigt wurde und als er sein Kreuz vor Deinen und meinen Namen gesetzt hat.
Die Wahlgewinner sind wir, weil Jesus für uns gestorben ist.
Der Wählerauftrag gilt: Hingehen und Frucht bringen, damit auch andere zu den Gewinnern gehören können.
Und jetzt bist du gefragt: Nimmst du die Wahl an? Ansonsten hast du nämlich nichts, aber auch gar nichts davon.
Und da kommt sie jetzt, meine klare Wahlempfehlung an Dich! Ich empfehle Dir, die Wahl anzunehmen. Dann wird aus dem Wahltag ein Freudentag! 😊