Gedanken zum vierten Glaubensartikel der Heilsarmee


von Alfred Preuß


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Die Lehren der Heilsarmee

In dieser Serie veröffentlichen wir in unregelmäßigen Abständen Beiträge, die sich mit den elf Glaubensartikeln, dem Glaubensbekenntnis der Heilsarmee beschäftigen, sie erklären und erläutern.

Der 4. Glaubensartikel:

 „Wir glauben, das in der Person Jesu Christi die göttliche und die menschliche Natur vereinigt sind, so dass er wirklich und wahrhaftig Gott und wirklich und wahrhaftig Mensch ist.“

Nur in Jesus ist das Heil

Die Lehre von Jesus Christus ist das Herzstück der ganzen biblischen Lehre; denn Christus ist das Herz der Schrift. An ihm entscheidet sich alles. „In keinem anderen ist das Heil, auch ist kein anderer Name den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“, Apostelgeschichte 4,12, und „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorsam ist, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm“, Johannes 3,36, sowie „Wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht“, 1. Johannes 5,12.

Für die Heilsarmee ist die Lehre von Jesus Christus von entscheidender Bedeutung. Wir können keinesfalls unseren Dienst an Jesus vorbei tun. Unser Dienst wird bestimmt von unsere Beziehung zu Jesus. Unser Rufen zu Jesus (Mission/Evangelisation) wird bestimmt von unserer Beziehung zu Jesus. Unsere Seelsorge wird bestimmt von unserer Beziehung zu Jesus. Unsere Verkündigung wird bestimmt von unserer Lehre über Jesus. Unsere Werke der Nächstenliebe können nur von Jesus her gesehen und getan werden.

Jesus ist unser Retter und Heiland. Er trägt den griechischen Titel „Christus“. Dies entspricht dem hebräischen „Messias“ und heißt übersetzt: der „Gesalbte“.

Wir sprechen von der zweiten Person der Dreieinigkeit und nennen sie Jesus seit der Inkarnation bzw. Fleischwerdung (vom lateinischen carnis = Fleisch). Mit der Fleischwerdung ist gemeint, dass ein geistliches Wesen („Gott ist Geist“, vgl. Johannes 4,24) in einem fleischlichen Körper, einem menschlichen Körper, gegenwärtig ist. Die Aussage in Johannes 1,14: „Das Wort ward Fleisch“ kann deshalb wie folgt verstanden werden: „Das Wort, d. h. Gott, hat eine menschliche Erscheinungsform angenommen.“

Die Menschwerdung Jesu ist eine historische Tatsache

Es ist zu bemerken, dass die Menschwerdung Jesu eine historische Tatsache ist, die zu einer genau bestimmbaren Epoche der Menschheitsgeschichte stattfand. Der ausführliche Stammbaum im Matthäusevangelium belegt ebenso, dass Jesus Christus eine historische Person ist, wie unser Kalender, der sich nach der Geburt Jesu Christi berechnet. Im Gegensatz dazu steht die Mythologie, die nur aus dem Versuch resultiert, die Welt erklären zu wollen, ohne auf irgendeiner wirklichen oder historischen Tatsache zu beruhen. Denn Jesus wurde gesehen, gehört, selbst wenn ihn nicht alle Menschen als Sohn Gottes anerkannten und anerkennen.

Jesus ist das Ebenbild Gottes

Er ist nicht der Sohn Gottes deshalb, weil Gott mit einer Frau oder einer Göttin ein Kind gehabt hätte, wie etwa in der griechischen oder römischen Mythologie. Der Ausdruck „Sohn Gottes“ muss anders aufgefasst werden. Jesus wurde durch den Willen Gottes und das Eingreifen des Heiligen Geistes geboren. Er ist das Ebenbild Gottes, geboren von einer Frau, und er erschien wie ein einfacher Mensch.

Um seine Person zu erkennen, muss die Lehre von ihm umfassend sein. Dazu gehört, dass seine göttliche Natur ewig ist, dass er durch die Inkarnation Mensch wurde. Er war Gott und Mensch! Weiter gehört dazu, dass er sich deshalb als göttliches Sühneopfer darbringen konnte, er auch nach seiner Erhöhung noch eins mit der Menschheit ist, er den Menschen wieder in göttlicher Herrlichkeit offenbart werden wird und er dann zum Heil derer kommen wird, die auf ihn warten.

Im Zusammenhang mit der Göttlichkeit und der Menschlichkeit Jesu ist folgendes ausdrücklich festzuhalten: „In Jesus Christus sind die göttliche und die menschliche Natur in einer Person vereinigt. Es sind nicht zwei Personen, eine göttliche und eine menschliche; so wie Christus auch nicht eine geteilte Person, teils göttlich und teils menschlich, ist.“

Jesus war also nicht manchmal Gott und manchmal Mensch. Seine beiden Naturen sind fortwährend vereinigt (1. Timotheus 2,5.6).

Bis die Urkirche sich schließlich auf diese Lehre festlegte, hatte sie eine ganze Reihe von Auseinandersetzungen, Streitereien, Konzilien durchzumachen. Unter der Herrschaft von Pulcheria und ihrem Mann Marcian wurde das Konzil zu Chalcedon einberufen. Im Jahre 451 kamen über 400 Teilnehmer zusammen. Folgende Erklärung wurde als Ergebnis abgegeben:

Wir lehren alle einmütig, einen und denselben Sohn zu bekennen, unseren Herrn Jesus Christus. Derselbe ist vollkommen in der Menschheit, derselbe wirklich Gott und wirklich Mensch aus einer vernünftigen Seele und einem Körper. Er ist dem Vater wesensgleich nach der Gottheit und derselbe uns wesensgleich nach der Menschheit, in jeder Hinsicht uns ähnlich, ausgenommen die Sünde. Vor aller Zeit wurde er aus dem Vater der Gottheit nach gezeugt, in den letzten Tagen aber wurde derselbe um unsert- und unseres Heiles willen aus der Jungfrau und Gottesgebärerin (theotokos) Maria der Menschheit nach geboren. Wir bekennen einen und denselben Christus, den Sohn, den Herrn, den Einziggeborenen, der in zwei Naturen, unvermischt, ungewandelt, ungetrennt, ungesondert geoffenbart ist. Keineswegs wird der Unterschied der Naturen durch die Einigung aufgehoben, vielmehr wird die Eigenart jeder Natur bewahrt, und beide vereinigen sich zu einer Person (propõson) und einer Hypostase …“ Zitiert aus: Die Geschichte des Christentums, hrsg. von Tim Dowley, R. Brockhaus Verlag 1992, S. 164-183).

So wurde im Laufe der Jahrhunderte die Tatsache, dass Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist, allgemein anerkannt und fand seinen Einzug in das Glaubensbekenntnis der Heilsarmee.

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