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Zu Jesus rufen

Unser Jahresmotto 2017


von Frank Honsberg


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„Seinen Namen zu verkünden, schuf Gott die Armee ...“ So beginnt ein altes Heilsarmeelied (Liederbuch-Nr. 366). Wer immer sich fragt, was denn der Auftrag der Heilsarmee ist und wie dieser umgesetzt werden kann, wird in diesen Strophen einige Antworten finden. Leider ist seine Sprache veraltet, aber der Inhalt ist immer noch wahr.

Wie wichtig uns das Thema Verkündigung ist, zeigt auch die Neufassung unserer Vision 2030 2.0, die in wenigen Worten unsere Marschrichtung so beschreibt:

  • Zu Jesus rufen,
  • In Jesus wachsen,
  • Wie Jesus handeln

Jede dieser Absichten soll in den kommenden drei Jahren das jeweilige Jahresmotto unseres Territoriums werden, 2017 also: „Zu Jesus rufen!“ Der auffälligste Unterschied zur früheren Fassung ist der Fokus auf den Namen Jesus. In der ursprünglichen Vision 2030 sprachen wir davon, zum „Glauben“ zu rufen. Das war eine angemessene Formulierung angesichts einer immer stärker säkularisierten Gesellschaft. Doch die Diskussion um den Islam hat in Deutschland das Thema Religion aus dem Privaten in die Öffentlichkeit zurückgeholt. Es stellt sich wieder mehr die Frage, was man glaubt – und an wen. Unsere Antwort ist die der Bibel, die über Jesus sagt: „In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir sollen selig werden“, Apostelgeschichte 4,12. „Gott hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“. Philipper 2,9-11.

Es geht um eine Person

Gezielt zu Jesus zu rufen, erinnert den Rufer auch daran, dass es um eine Person geht und nicht um eine Lehre. Nicht jeder muss unsere Sicht von Jesus oder meine Erkenntnis von ihm teilen. Ist es nicht viel mehr so, dass auch in unserer Gemeinschaft Jesus jedem unterschiedlich begegnet und sogar unterschiedlich viel bedeutet? Ja, wir glauben alle, dass er der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Aber es gibt weitere Fragen: Wie viel Besitz darf ich haben? Welchen Beruf soll ich ausüben, damit ich Jesus so dienen kann, wie er das von mir will? Und wie ist es mit Alkohol? Was ist mit Horrorfilmen? Welche Art von Musik höre und welche Art von Kleidung trage ich?

Wenn wir Menschen zu Jesus rufen und ihnen helfen, ihre Beziehung zu ihm stetig zu vertiefen, dann wird Jesus selbst ihr Ratgeber in diesen und allen anderen Fragen des Lebens werden. Damit das geschieht, ist der Ruf zu Jesus mehr als nur der Ruf zu einer Entscheidung, Jesus anzunehmen. Es ist der Ruf in die Nachfolge von Jesus! Ein Ruf zur Jüngerschaft!

Johannes der Täufer als Vorbild

Das größte Vorbild eines Rufers zu Jesus ist Johannes der Täufer. Er bereitet die Menschen vor, mahnt, dass Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen, um Jesus begegnen zu können. Er ruft zur Umkehr. Und als Jesus auf der Bildfläche erscheint, lenkt Johannes alle Aufmerksamkeit auf ihn. Die Jünger, die sich anfangs zu ihm hielten, folgen nun Jesus nach. Denn darum ging es von Anfang an: Menschen zu Jesus rufen.

So ist es im Idealfall auch bei uns. Wir gehen hin zu den Menschen. Zu unseren Freunden, Verwandten und Kollegen genauso wie zu Fremden. Zu Beginn binden sich die Menschen noch an uns oder die Heilsarmee. Eine Jüngerschaftsbeziehung beginnt. Das heißt, wir laden Menschen ein, Erfahrungen mit Jesus zu machen, noch bevor sie ihr Leben ihm ganz übergeben. Wir geben ihnen Anteil an unserem Leben – mit allen Höhen und Tiefen. Wir beten für ihre Anliegen und bringen sie damit immer wieder in direkten Kontakt zu Jesus, bis sie eines Tages bereit sind, ihm selbst nachzufolgen – mit allen Konsequenzen.

Fragt sich nur, ob der Idealfall auch der Realfall ist? Wir sind mit sehr vielen guten und wichtigen Dingen beschäftigt, aber gehen wir hin zu den Menschen? Gehe ich hin? Gehst du hin? Wenn ja: Bleibt das Ziel in uns lebendig, „Seelen aus der Sünde an sein Licht zu ziehn“ (HA-Liederbuch Nr. 357)? Oder geben wir uns damit zufrieden, dass „Neue“ kommen und bleiben? „Tu das Werk eines Evangelisten!“, sagt Paulus zu Timotheus und erinnert damit an den Kern unseres Auftrags (2. Timotheus 4,5).

Das Werk eines Evangelisten

Ich erinnere mich an eine Evangelisation, die ich in einer Stadt durchführte. Es geht um das Thema „Setze Gott an die erste Stelle in deinem Leben!“. Beim Aufruf kommt niemand nach vorne. Man bleibt aber noch ein wenig an den Bistrotischen sitzen. Ich geselle mich zu dem Tisch, an dem eine Frau sitzt, die der Predigt aufmerksam folgte. Sie äußert sich offen zu ihrer Lebenskrise, in der sie sich seit Jahren befindet. Offensichtlich kennen die anderen drei Personen diese Berichte schon. Die Frau redet sehr viel. Zwischendurch gibt sie zu erkennen, dass einige meiner Worte sie sehr angesprochen und wunde Punkte in ihr berührt haben. Doch die meiste Zeit spricht sie über ihre Probleme mit ihrer erwachsenen Tochter, die psychisch krank sei. Nach einer Weile ist klar: Diese Frau braucht langfristige seelsorgerliche und fachliche Begleitung. Ich höre heraus, dass einiges schon durch die Korpsleiter geschieht und mir wird klar: Ich soll jetzt das Werk eines Evangelisten tun und nicht das Werk eines Therapeuten oder Beraters. Ich erkläre nochmal, dass der Entschluss, Gott auf den ersten Platz zu lassen, der Schlüssel zu einem neuen Leben sein könnte. Ich höre zu, unterbreche hier und da vorsichtig, will sie aber nicht zu etwas drängen, wozu sie noch nicht bereit ist.

Schließlich möchte sie mit mir beten. Ich beginne, lade sie dann ein, auch zu beten. Als sie anfängt, denke ich erst, ich hätte vielleicht doch etwas zum Nachsprechen „vorbeten“ sollen, aber nach einer Weile kommt sie selbst zu genau diesem Punkt. Mit eindeutigen Worten bekennt sie Gott, dass er bisher nicht diese Position in ihrem Leben hatte und dass sie jetzt das erste Mal erkennt, dass das anders sein sollte. Dann erlaubt sie Gott, ihre Nummer Eins zu sein. Sie betet noch für ihre Situation und endet dann. Am nächsten Tag sehe ich sie und bin froh, dass ich zielbewusst blieb. Da war etwas neu geworden. Ich erkläre ihr, dass es nun darum gehe, dieses Gespräch mit Gott nicht abreißen zu lassen. Ich ermutige sie, die Gemeinschaft zu suchen, die Bibel zu lesen und zu hören, was Gott ihr dabei sagen will.

Sicher: Gaben und Ämter sind unterschiedlich in der Gemeinde verteilt, aber der Auftrag, andere Menschen (sogar Völker) zu Jüngern zu machen, gilt allen Jüngern von Jesus gleichermaßen (Matthäus 28,18-20).

Motivation

Zum Schluss ein Wort zu dem, was uns antreibt. Warum wollen wir Menschen zu Jesus rufen? Damit der Saal gefüllt wird und die Gemeinde wächst? Weil wir sonst in zehn Jahren keine Heilsarmee mehr am Ort haben? Alle diese Gründe haben einen zu starken Fokus auf uns selbst. So werden wir kaum Menschen aus der Welt „herauslieben“ können, wenn es doch nur darum geht, uns selbst zu erhalten.

Oder rufen wir zu Jesus, weil es unsere Pflicht ist? Das klingt plausibel. Geht es doch immer auch darum, gehorsam zu sein. Nun sind Pflicht und Gehorsam keine sehr populären Worte. Andererseits kommen wir nicht ohne sie aus. Es hat auch etwas für sich, den Auftrag Jesu zu erfüllen, selbst wenn wir gerade keine Lust oder Laune dazu haben. Auch befreit es uns vom Zwang zum Erfolg. Selbst wenn niemand umkehrt, haben wir doch zu rufen. In der ganzen Apostelgeschichte geht es aus Sicht der Jünger immer um den Auftrag, die Sendung und die Predigt. Die Früchte, Bekehrungen, neue Gemeinden, waren und sind Werk des Heiligen Geistes.

Ich glaube aber nicht, dass Pflichterfüllung allein die rechte Motivation ist. Wenn die Jünger eins von Jesus gelernt haben, dann das, dass die Kraft nicht im Gesetz liegt, sondern dass unser Herz von Liebe und Erbarmen angetrieben sein muss. Jesus hat das so vorgelebt. Einer Pflicht kann man sich immer durch Ausreden entziehen. Unserer Leidenschaft für verlorene Menschen (früher „Seelen“) können wir aber niemals entfliehen. Und das ist gut so. Meint ihr, ich brauche ein Gebot, das mir sagt: Bete für deine Kinder, zum Beispiel damit sie Jesus begegnen? Wir beten und ringen ganz automatisch um Menschen, die uns am Herzen liegen. Kein Mensch muss uns dazu antreiben. Noch nicht einmal Gott muss das tun oder gar drohen. Die Liebe drängt uns! Genauso beschreibt es Paulus im Hinblick auf die Korinther (2. Korinther 5,14). Die Verse drum herum zeigen schon etwas von dem Ernst der Sache, von Sünde und dem Verlorensein ohne den Glauben an das Versöhnungswerk von Jesus am Kreuz. Und, ja, diesen Ernst zu erkennen, gehört dazu. Gehört dazu, damit die Gnade, die wir predigen, nicht billig wird.

General Albert Osborn wusste von dieser Not und schrieb in einem Lied (HA-Liederbuch 237): „Wie sollen sie hören, wenn Zeugenwort schweigt, weil Liebe nicht treibet das Herz, so dass es erbarmend zum Nächsten sich neigt und lenkt dessen Blick himmelwärts?“ Und wo die Leidenschaft weniger wird, können wir beten, wie er es im Chorus ausdrückt: Herr, fülle mein Herz mit Erbarmen, wie wohnet dein Geist sonst in mir? Lass all mein Bemühn deine Liebe durchglühn. Ich weiß, dieses find ich in dir.“

Die druckfähige Datei dieses Posters unseres Jahresmottos 2017 können Sie unter nachfolgendem Link herunterladen.

Major Frank Honsberg ist Evangelist
und Territorialer Sekretär für
Entwicklung geistlichen Lebens.

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