Kampf gegen Menschenhandel
und Zwangsprostitution

Weltweit sind etwa 30 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel, der den kriminellen Hintermännern jährlich einen Gewinn von 32 Milliarden Dollar einbringt*. Vor allem Frauen und Kinder sind betroffen. Nach Deutschland werden beispielsweise tausende Frauen und Mädchen unter falschen Versprechungen vorwiegend aus Osteuropa gelockt. Ihnen wird der Pass abgenommen und sie werden in die Prostitution gezwungen. Kaum ein Wort Deutsch sprechend und ohne Papiere sind sie nicht in der Lage, sich aus dieser schrecklichen Situation selbst zu befreien.

*Quelle: ILO - Internationale Arbeitsorganisation Vereinte Nationen

Angela Fischer, Nationaler Kontakt Anti Human Trafficking

Angela Fischer


Nationaler Kontakt
Anti Human Trafficking

Tel.: +49163 9681211
Mail: angela.fischer@heilsarmee.de

Hilf dem, der sich
selbst nicht helfen kann;
schaffe denen Recht, die
für sich alleine dastehen.
Prävention, Aufklärung, Opferschutz

Projekte und internationale Zusammenarbeit

Fachlich geschulte Teams von Offizieren/innen und Mitarbeitenden der Heilsarmee arbeiten länderübergreifend in Kooperation mit Hilfsorganisationen im Opferschutz und zur Aufklärung in der Öffentlichkeit. Sie ermöglichen es auch, dass Frauen ein Ausstieg aus der Prostitution gelingt und diese eine Perspektive für ein normales Leben erhalten. In Deutschland ist Prostitution zwar legal, dennoch arbeiten viele in Angst, Abhängigkeit und unter Gewalt.

Gemeinsam gegen Menschenhandel

Die Heilsarmee ist Gründungsmitglied des Bündnisses „Gemeinsam gegen Men­schen­handel“ unter der Schirm­herr­schaft von Frank Heinrich, MdB und ehe­ma­liger Offizier der Heilsarmee. Das Bündnis setzt sich für Aufklärung und Bewusst­seins­veränderung in der Öffentlichkeit sowie einen besseren Opferschutz ein.

  • Aufklärung in der Öffentlichkeit über Zwangsprostitution in Deutschland sowie skandalöse menschenrechtsverletzende Ausbeutung von Menschen weltweit.
  • Präventive Maßnahmen in Deutschland zur Aufklärung betroffener Personengruppen in Herkunftsländern.
  • Opferhilfe und Opferschutz in Kooperation mit Hilfsorganisationen.
  • Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Schutz von Opfern und zur strafrechtlichen Verfolgung von Menschenhändlern.

Zur Website von Gemeinsam gegen Menschenhandel

Hannover

Angebot für Kinder, die im Schatten des Rotlichtmilieus aufwachsen

Das Rotlichtviertel Hannovers liegt nur einen Steinwurf von der Heilsarmee entfernt. Über­rascht musste Heilsarmee-Leutnantin Christine Tursi fest­stellen, wie viele Kinder in diesem Milieu aufwachsen. Für diese hat sie das Pro­jekt Leuchtturm ins Le­ben ge­rufen: Einen kind­ge­rech­ten Ort, an dem die Kinder und Ju­gend­li­chen Annahme, Wertschätzung und neue Perspektiven erhalten.

Mehr darüber erfahren

Hamburg

Unterwegs auf dem Kiez

In vielen Städten Deutschlands ist die Heilsarmee im Rotlichtmilieu unterwegs, um Frauen in der Prostitution Hilfe anzubieten und zu zeigen, dass auch sie von Gott geliebte wertvolle Menschen sind und unsere Achtung und Unterstützung verdienen.

Durch altersgerechte Programme werden Kinder und Jugendliche aufgeklärt und sensibilisiert, um sie etwa vor der Masche von „Loverboys“ zu schützen. Hierbei umgarnen junge Männer minderjährige Mädchen mit falschen Versprechen und zwingen sie dann zur Prostitution. Wir wollen Kinder und Jugendliche stark machen.

Internationale Zusammenarbeit

Prüfdienst für Stellenangebote in Ursprungsländern

Länderübergreifend arbeiten die Heilsarmee in Deutschland und in Polen gemeinsam mit Partnerorganisationen in der Prävention von Zwangsarbeit zusammen. Polen ist eins der Ursprungsländer für Zwangsprostitution in den westeuropäischen Ländern. Ziel der Zusammenarbeit ist die Reduzierung der Opfer – hauptsächlich junge Mädchen, aber auch arbeitsuchende Männer – die unter falschen Versprechen und unseriösen Arbeitsangeboten angeworben werden.

Neben umfassenden Maßnahmen zur Sensibilisierung der Bevölkerung hat die Heilsarmee Polen 2020 das „JobVerification Projekt“ entwickelt. Damit können Interessenten für Beschäftigungsangebote im Ausland das Stellenangebot auf Seriosität prüfen lassen und wichtige Tips für einen sicheren Berufsstart im Ausland einholen.

Im Zeitraum Juli 2011 bis März 2016 hat die Heilsarmee Schätzungen zufolge über 4.500 Opfer unterstützen können.

Mehr dazu auf der polnischen Heilsarmee-Webseite

Weltweite Gebetsaktion

Jährlicher Gebetstag für die Opfer von Menschenhandel

Die internationale Heilsarmee-Leitung ruft jedes Jahr weltweit zu einem Tag des Gebets für die Opfer von Menschenhandel auf, an den sich die Heilsarmee in Deutschland immer am letzten Sonntag im September anschließt. Alle Ge­mein­den und Ein­rich­tun­gen werden gebeten, die viel­fäl­ti­gen Dienste und Mit­ar­bei­ter dieses Ar­beits­be­reichs der Heilsarmee in ihre Gebete ein­zu­schlie­ßen, Für­bitte für die be­trof­fenen Menschen zu halten und Gott darum zu bitten, dass er die Herzen der Aus­beuter verändert.

Die Heilsarmee möchte dazu ermu­tigen, die Augen vor den verschiedenen zeit­genös­sischen Formen von Sklaverei nicht zu verschließen, sondern viel­mehr die Stimme gegen diese himmel­schrei­ende Unge­rech­tig­keit zu erheben.

 

 

 

 

 

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Aus der Heilsarmee-Gründungsgeschichte: Der Fall Annie Swan

Wir befinden uns in London und schreiben das Jahr 1885. Die Industrialisierung schreitet voran. Die Unterschiede in der Bevölkerung sind riesig. Da sind adelige Familien und bürgerliche Oberschicht auf der einen Seite und die Unterschicht auf der anderen Seite. Das Elend der einfachen Arbeiter ist von Alkoholmissbrauch, Hunger und prekären Wohnsituationen geprägt. Der Wochenlohn ist knapp bemessen und reicht nicht einmal für das Nötigste.

Den Ausweg aus diesem Dilemma sehen manche Familien darin, ihre Töchter zu „verkaufen“. Billige Hausmädchen werden immer wieder gesucht und manche Mutter denkt, dass ihre Tochter in einer Dienstbotenuniform besser aussieht, als in den Lumpen, die sie jetzt trägt. Und genug zu essen scheinen die Mädchen auch zu bekommen. Dass dies eine Masche der Bordellbesitzer ist, merken sie meist gar nicht oder viel zu spät.

Bordelle und Prostitution gab es schon immer. Dass es im England des 19. Jahrhunderts zu einem Problem wird, hat zwei Gründe:

  1. Zum einen ist laut Gesetz jedes 13jährige Mädchen mündig und kann freiwillig in die Prostitution einsteigen.
  2. Zum anderen gibt es viele reiche Ehemänner, die auf ein sexuelles Abenteuer aus sind. Da scheint es besser zu sein, ab und zu eine Prostituierte aufzusuchen, als die Ehe wegen einer Geliebten aufs Spiel zu setzen. Der „Wunsch nach Frischfleisch“ wird gerade von den jüngsten Mädchen gestillt. Daher kommt ein Gesetz, das das Mündigkeitsalter auf 16 Jahre heraufsetzt, nicht durch das Parlament.

Annie Swan bringt den Stein ins Rollen

Annie ist mit dem Gedanken, Hausmädchen zu werden, nach London gekommen. Viel zu spät merkt sie, dass Zuhälter sie nach London gelockt haben um sie willig zu machen, ihren Körper zu verkaufen. Sie kann ihren Peinigern entkommen und wendet sich an die Heilsarmee. William und Bramwell Booth wissen um das Problem der Prostitution. 800 dieser Mädchen konnten bisher in Heimen der Heilsarmee aufgenommen werden. Aber jetzt ist die Zeit gekommen, etwas Grundsätzliches zu unternehmen.

Bramwell Booth, der Sohn des Gründervaters William Booth, sucht einen furchtlosen Helfer, den er in dem Journalisten William T. Stead als Verbündeten findet. Stead, der Herausgeber der „Pall Mall Gazette“, will zunächst nicht glauben, was Booth ihm da berichtet. Sie interviewen mehrere Mädchen und merken, in was für ein Wespennest sie da gestoßen sind. Das Ausmaß der Prostitution ist größer als zunächst vermutet. Sind es doch 80.000 junge Mädchen und Frauen, die allein in London zur Prostitution gezwungen werden.

Stead will beweisen, dass es in London möglich ist, für fünf englische Pfund ein Mädchen zu kaufen und, dass die Polizei dabei tatenlos zusieht. Eine ehemalige Bordellbesitzerin, Rebekka Jarret, die sich inzwischen bekehrt hat, besorgt ein Mädchen, welches 13 Jahre alt ist. Natürlich kommt Eliza Armstrong, so ihr Name, nicht in ein Bordell, sondern in die Obhut der Heilsarmee.

Stead schreibt einen ersten Artikel

Die „Pall Mall Gazette“ verkauft sich rasant. Den Zeitungsjungen werden die Exemplare aus der Hand gerissen. Gebrauchte Zeitungen werden für ein dreißigfaches des normalen Preises weiterverkauft. Die Oberschicht fühlt sich angegriffen. Die Bombe ist geplatzt und hat ihren ersten Zweck erfüllt. Der Innenminister Sir William V. Harcourt bittet Stead die Artikelserie einzustellen, doch der denkt nicht im Traum daran.

Weitere Artikel folgen. Nun werden die Bordellbesitzer aktiv und greifen das Verlagsgebäude der „Pall Mall Gazette“ an. Zur gleichen Zeit wird im Parlament der Gesetzesentwurf eingebracht, um das Mündigkeitsalter der Mädchen von 13 auf 16 Jahre hoch zu setzen. Aber es gibt immer noch Widerstand.

Nun kommt die Heilsarmee ins Spiel

Catherine Booth schreibt an Königin Victoria und den Premierminister Galdston. Gleichzeitig sammeln die Mitglieder der Heilsarmee 393.000 Unterschriften in der Bevölkerung. Die Leute sind der Meinung, dass etwas unternommen werden muss. Offiziere der Heilsarmee bringen eine meterlange Rolle ins Parlament. Mitte August 1885 kommt eine Untersuchungsgruppe zu dem Ergebnis, dass alles, was William T. Stead herausgefunden hat, der Wahrheit entspricht. Das Gesetz geht nun glatt durch´s Parlament und zudem wird die Polizei ermächtigt, bei begründetem Verdacht sofort und ohne lästige Formulare in Bordellen, Razzien durchzuführen.

Einen Haken hat die ganze Sache doch: William T. Stead, Rebekka Jarret und Bramwell Booth werden wegen Mädchenhandels zwölf Tage lang verhört. Sie hatten mit dem Ankauf von Eliza Armstrong den Tatbestand, den sie anprangerten, selbst vollzogen. Während der Journalist und die ehemalige Bordellbesitzerin für jeweils drei Monate ins Gefängnis müssen, wird Bramwell Booth freigesprochen.

Nach seiner Entlassung präsentiert sich Stead stolz den Fotografen in seiner Gefängniskleidung. Sein Leben endet später tragisch, er kommt als Passagier der Titanic 1912 ums Leben. Er reiste auf Einladung von US-Präsident William Howard Taft nach New York, um an einer Konferenz in der Carnegie Hall teilzunehmen.

Für die Heilsarmee waren die Aufdeckung des Mädchenhandels und die Gesetzesänderung ein großer Erfolg. Bis zum heutigen Tag führt sie ihren Kampf gegen menschliches Leid und bleibt damit der berühmten „I'll-Fight-Rede“ treu, die William Booth in der „Royal Albert Hall“ hielt:

„Solange ein Mädchen am Straßenrand wartet, will ich kämpfen“

Ressourcen & weitere Informationen
Info-Broschüre

„Ware Mensch“

Dieses Heft ist als In­for­ma­tions- und Auf­klä­rungs­bro­schüre ge­dacht. Denn je mehr Leute in­for­miert und sen­si­bi­li­siert wer­den, desto stär­ker kön­nen wir ge­gen Men­schen­han­del vorgehen.